MES Review 28.07.2026

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Der Plan hat nicht ausgelöst. Genau das war richtig.

Gestern früh habe ich einen Plan gepostet. Keines der beiden
Szenarien hat ausgelöst. Und trotzdem war es ein guter Tag –
weil Nichtstun manchmal die Leistung ist.


Was ich geschrieben hatte

Kurs bei 7425,75, Asien über Nacht eingebrochen. Zwei Wege:

Nach unten: Bruch durch die Zone 7416,25 / 7411,75, bestätigt
durch zwei Schlusskurse unter 7411,75.
Nach oben: erst 7448,25 zurückerobern, dann 7468,25.

Dazu mein Satz: "Die Nachrichtenlage sagt runter, der Chart sagt
noch nicht. Wenn beide sich widersprechen, hat oft der Kurs recht."


Was passiert ist

Es gab zwei Anläufe auf die Zone, nicht einen.

Der erste kam morgens gegen acht. Tiefpunkt 7419,00 – exakt auf
der ersten Unterstützung, drei Punkte über der Zonenoberkante.
Danach drehte es und lief bis zum Nachmittag auf rund 7462.

Der zweite kam um 15:30, mit der US-Eröffnung. In einer halben
Stunde fielen 44 Punkte, direkt auf 7416,25. Also punktgenau auf
die Oberkante der Zone. Und dort war Schluss.

7411,75 – meine Bestätigungsschwelle – wurde an keinem der beiden
Anläufe berührt. Kein Bruch, kein Trade.

Danach ging es steil nach oben: bis 19 Uhr auf rund 7489,
Schlusskurs 7465,25. Das sind 17 Punkte über dem Vortag.

In der Nacht lief es noch bis 7501, bevor es wieder abbröckelte.
Jetzt stehen wir bei 7445,50.


Der Tag, den keiner erwartet hat

Der Kospi in Südkorea verlor über 10 Prozent und musste den Handel
zeitweise aussetzen. Halbleiter wurden weltweit verprügelt – Micron
minus 8,8 Prozent, AMD minus 8,1, Intel minus 5,9.

Und der S&P 500 stieg um 0,21 Prozent. Der Dow sogar um 537 Punkte
oder 1,03 Prozent.

Der Grund war kein Wunder, sondern eine Umschichtung: Anleger sind
aus Chip-Aktien raus und in konjunkturnahe Werte rein.
Sherwin-Williams plus 8 Prozent, Coca-Cola plus 5, IBM plus 5 –
alle mit guten Quartalszahlen. Dazu fiel Öl weiter.

Für Einsteiger der wichtigste Satz des Tages: Die gleichgewichtete
Version des S&P 500 erreichte ein Rekordhoch. Das ist derselbe
Index, nur zählt dort jede Aktie gleich viel statt nach Grösse.
Heisst: Der breite Markt war stark, nur die grossen Tech-Namen
zogen ihn runter.


Wo ich falsch lag

Erstens, handwerklich: Als Ungültigkeitsregel für das
Aufwärtsszenario hatte ich "Rückfall unter 7434,56" geschrieben.
Beim Posten stand der Kurs aber bei 7425,75 – also schon darunter.
Das Szenario war in dem Moment, in dem ich es veröffentlicht habe,
bereits ungültig. Das ist schlicht ein Denkfehler.

Zweitens, gewichtet: Ich habe geschrieben, bis zur Zone seien es
nur 14 Punkte und das könne schon vormittags passieren. Damit habe
ich die Aufmerksamkeit nach unten gelenkt – weil es näher war.

Nähe ist keine Wahrscheinlichkeit. Der Weg nach oben war weiter und
er wurde trotzdem gegangen. Wenn ich beide Szenarien gleich ernst
meine, darf ich eines nicht dadurch bevorzugen, dass ich seine
Entfernung betone.

Drittens, zeitlich: Ich hatte geschrieben, der Test könne "vor der
US-Eröffnung passieren, nicht erst danach". Der ernsthafte Test kam
exakt zur US-Eröffnung – 44 Punkte in einer halben Stunde. Um acht
Uhr morgens war es ein Antippen bei dünnem Volumen, um halb vier
war es der eigentliche Kampf.

Merke: Vor der US-Eröffnung ist wenig davon echt. Ich hatte das im
selben Text sogar geschrieben und meine eigene Zeiteinschätzung
trotzdem daran vorbeigebaut.


Wo ich richtig lag

Der Satz, dass bei Widerspruch zwischen Nachricht und Kurs oft der
Kurs recht hat. Genau so kam es. Asien brach zweistellig ein, der
S&P 500 hielt und drehte nach oben.

Und die Bestätigungsregel. Der Kurs hat die Oberkante der Zone auf
den Punkt getroffen – 7416,25, nicht 7416,50 – und ist von dort
30 Punkte hochgeschossen. Wer beim Antippen short gegangen wäre,
hätte den Einstieg fast perfekt erwischt und wäre trotzdem
überrollt worden.

Genau dafür ist die Bestätigungsschwelle da. Nicht damit man den
besten Preis bekommt, sondern damit man nicht in ein Level
hineinhandelt, das hält.


Was ich mitnehme

1. Ein Plan, der nicht auslöst, ist kein gescheiterter Plan.
Er ist ein Filter, der funktioniert hat.

2. Ein Level, das zweimal hält, ist mehr wert als eine Nachricht,
die zweimal wiederholt wird.

3. Wenn zwei Szenarien gleichwertig sein sollen, muss auch die
Sprache gleichwertig sein.


Zu den Linien im Chart

Blau ist ein EMA, orange ein ZLSMA – beides gleitende Durchschnitte,
also Mittelwerte der letzten Kurse in unterschiedlicher Berechnung.
Die waagerechten Level kommen von einem Support-&-Resistance-
Indikator über mehrere Zeiteinheiten. Ich benutze sie als
Orientierung, nicht als Signal.

Der Chart hier ist 15 Minuten, damit man den Zusammenhang sieht.
Gehandelt wird bei mir im 2- und 3-Minuten-Chart – die Levels sind
dieselben, nur die Auflösung ist feiner.


Der Plan von gestern ist unten verlinkt, mit Zeitstempel. Das hier
ist die Auswertung – inklusive der drei Stellen, an denen ich mir
selbst widersprochen habe.

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