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DAX Tagesausblick 09. Juli – Öl fällt trotz Nahost-Eskalation

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der gestrige Handelstag stand nahezu vollständig im Zeichen der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten. Während sich die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran weiter verschärfte, veröffentlichten die US-Notenbank gestern Abend zusätzlich die FOMC Meeting Minutes. Gleichzeitig überraschten deutlich gestiegene US-Rohöllagerbestände und sorgten dafür, dass der Ölpreis trotz der geopolitischen Risiken wieder einen Teil seiner Gewinne abgab.

Heute richtet sich der Fokus neben der weiteren Entwicklung im Nahen Osten vor allem auf die US-Arbeitsmarktdaten sowie das EZB-Sitzungsprotokoll.


Agenda
• Geopolitische Lage
• Fundamentale Wirtschaftsdaten gestern
• Fundamentale Wirtschaftsdaten heute
• Märkte & Korrelationen
• Risk Assets im Überblick
• DAX charttechnischer Ausblick
• Fazit



Geopolitische Lage

Die geopolitische Situation bleibt aktuell der wichtigste Einflussfaktor für die Finanzmärkte.

Nach den Angriffen auf mehrere Handelsschiffe in der Straße von Hormus führten die USA gestern weitere Luftangriffe auf iranische Ziele entlang der Südküste durch. Ziel war laut US-Regierung die Sicherung der internationalen Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus.

Der Iran reagierte darauf mit weiteren Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Militärbasen in Bahrain und Kuwait. Gleichzeitig kündigte Teheran an, dass eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus künftig nur noch unter iranischen Bedingungen erfolgen könne. Donald Trump erklärte parallel, dass das zwischenzeitliche Waffenstillstandsabkommen faktisch beendet sei.

Besonders wichtig bleibt die Situation rund um die Straße von Hormus. Mehrere Tanker wurden in den vergangenen Tagen beschädigt, Schiffe weichen teilweise auf alternative Routen aus und die Unsicherheit für den weltweiten Energiehandel bleibt hoch. Zwar läuft der Schiffsverkehr aktuell weiter, allerdings mit reduzierter Auslastung und deutlich erhöhtem Risiko.

Für die Märkte bleibt der Zusammenhang unverändert:

Weitere Eskalation → steigende Ölpreise → höhere Inflation → restriktivere Geldpolitik → Risk-Off.

Kommt es dagegen kurzfristig wieder zu diplomatischen Gesprächen oder einer Waffenruhe, dürfte insbesondere der Ölpreis deutlich nachgeben und den Risikoanlagen wieder Auftrieb verleihen.

Die geopolitische Entwicklung bleibt damit aktuell der mit Abstand wichtigste Kurstreiber.

Fundamentale Wirtschaftsdaten – Gestern

US Rohöllagerbestände

Die größte Überraschung lieferten gestern die US-Rohöllagerbestände.

Actual: +2,998 Mio. Barrel
Forecast: -1,900 Mio.
Previous: -3,775 Mio.

Damit stiegen die Lagerbestände deutlich stärker als erwartet und verzeichneten erstmals seit Monaten wieder einen klar positiven Aufbau.

Das spricht kurzfristig für eine etwas entspanntere Versorgungslage und erklärt, weshalb der Ölpreis trotz der geopolitischen Eskalation im weiteren Handelsverlauf wieder deutlich zurückkam.


10-Year Treasury Auction

Die Auktion der zehnjährigen US-Staatsanleihen lag bei 4,580 % nach zuvor 4,538 %.

Die Nachfrage fiel damit etwas schwächer aus, wodurch die Renditen leicht anzogen.


EZB-Mitglied Schnabel

EZB-Direktorin Isabel Schnabel betonte erneut, dass die Inflation zwar zurückgegangen sei, die EZB jedoch weiterhin vorsichtig bleiben müsse. Aussagen über einen schnellen Zinssenkungszyklus blieben aus.


FOMC Meeting Minutes

Im Mittelpunkt stand gestern Abend eindeutig das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank.

Die Minutes zeigten insgesamt einen eher restriktiven Grundton.

Mehrere Mitglieder verwiesen weiterhin auf erhöhte Inflationsrisiken. Einige Teilnehmer hätten bereits auf der Juni-Sitzung eine weitere Zinserhöhung befürworten können, während andere betonten, dass zusätzliche Zinsschritte notwendig werden könnten, falls sich die Inflation erneut beschleunigt. Gleichzeitig wurden steigende Energiepreise, geopolitische Risiken sowie anhaltend robuste Investitionen im KI-Sektor als mögliche Inflationsrisiken genannt.

Die Minutes waren damit insgesamt keineswegs klar dovish, sondern unterstreichen, dass die Fed derzeit weiter datenabhängig agiert und bei einem erneuten Inflationsanstieg durchaus bereit wäre, die Geldpolitik erneut zu verschärfen.


Fundamentale Wirtschaftsdaten – Heute

Heute stehen erneut mehrere wichtige Termine auf der Agenda.

Deutschland Handelsbilanz

Die deutsche Handelsbilanz überraschte positiv.

Actual: 19,1 Mrd. Euro
Forecast: 14,9 Mrd.
Previous: 14,7 Mrd.

Auch die Exporte entwickelten sich besser als erwartet und liefern damit ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft.


Eurogruppe

Heute treffen sich die Finanzminister der Eurozone.

Neue Aussagen zur europäischen Fiskalpolitik oder zur wirtschaftlichen Entwicklung könnten insbesondere den Euro bewegen.


EZB Sitzungsprotokoll

Am Nachmittag veröffentlicht die EZB das Protokoll ihrer letzten Zinssitzung.

Hier achten Marktteilnehmer insbesondere auf Hinweise, wie geschlossen der EZB-Rat aktuell hinsichtlich möglicher weiterer Zinsschritte beziehungsweise Zinssenkungen ist.


US Arbeitsmarkt

Hier stehen die Initial Jobless Claims im Fokus.

Forecast:
• Initial Claims: 218.000
• Continuing Claims: 1,820 Mio.

Da der US-Arbeitsmarkt aktuell einer der wichtigsten Faktoren für die Fed bleibt, dürfte dieser Termin entsprechend hohe Marktbewegungen auslösen.


FOMC Mitglied Williams

Ebenfalls am Nachmittag spricht New York Fed Präsident John Williams.

Nach Veröffentlichung der FOMC Minutes könnten Aussagen zur weiteren Zinspolitik heute zusätzlich für Volatilität sorgen.

Existing Home Sales

Abgerundet wird der Nachmittag durch die Verkäufe bestehender Häuser.

Der Immobilienmarkt bleibt ein wichtiger Frühindikator für die US-Konjunktur.

Märkte & Korrelationen

US Oil

Der Ölpreis bleibt derzeit der wichtigste Marktindikator.

Seit Wochenbeginn stieg WTI zeitweise um rund 11 % bis in den Bereich um 76 Dollar.

Aktuell handelt Öl allerdings bereits wieder deutlich tiefer bei rund 73,4 Dollar.

Der Rückgang dürfte vor allem auf die überraschend hohen US-Rohöllagerbestände zurückzuführen sein sowie auf die Hoffnung, dass sich die geopolitische Lage kurzfristig wieder etwas beruhigen könnte.

Charttechnisch bleibt für mich entscheidend:
• Unter 71,70 Dollar würde sich das kurzfristige Bild wieder deutlich eintrüben.
• Oberhalb bleiben 77 Dollar und anschließend 79 Dollar die nächsten Ziele, sofern sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärft.


US Staatsanleihen

Gestern stiegen sämtliche Laufzeiten.
• 2Y: +1,15 %
• 5Y: +0,94 %
• 10Y: +0,66 %
• 30Y: +0,39 %

Heute Morgen geben die Renditen bereits wieder leicht nach.

Sollte Öl weiter fallen und sich die geopolitische Lage entspannen, dürfte sich dieser Rückgang fortsetzen.


US-Dollar Index (DXY)

Der Dollar konnte gestern zunächst über die Marke von 101 Punkten ansteigen.

Heute Morgen sehen wir allerdings bereits deutliche Gewinnmitnahmen.

Für mich bleibt die Zone um 100,5 bis 100,6 Punkte entscheidend.

Hält dieser Bereich als Unterstützung, bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend intakt.

Ein Bruch darunter würde dagegen weiteres Abwärtspotenzial bis rund 100 Punkte eröffnen.


VIX

Der Volatilitätsindex sprang gestern zeitweise bis auf 18,85 Punkte, beruhigte sich im weiteren Verlauf jedoch schnell wieder und schloss bei rund 16,9 Punkten.

Damit signalisiert der Markt aktuell zwar erhöhte Unsicherheit, aber noch keine ausgeprägte Panik.


Risk Assets im Überblick

Nvidia

Nvidia zeigte erneut enorme relative Stärke.

Mit einem Schlusskurs oberhalb der wichtigen 200-Dollar-Marke bleibt das technische Bild klar bullisch.

Oberhalb von 200 Dollar bleiben für mich die Bereiche um 208 Dollar und anschließend 212 Dollar die nächsten Ziele.

Unterhalb von 200 Dollar würden zunächst wieder 197 bis 195 Dollar interessant werden.

Bitcoin

Bitcoin zeigte gestern erneut Schwäche.

Kurzfristig bleibt die Seitwärtsrange bestehen.

Nach oben bleiben für mich:
• 65.000 Dollar
• 65.700 Dollar
• 67.000 Dollar

die entscheidenden Widerstände.

Unterhalb von 60.000 Dollar würde sich das Bild dagegen deutlich eintrüben und Raum bis etwa 55.000 Dollar eröffnen.


S&P 500

Nach den Gewinnmitnahmen vom Dienstag stabilisierte sich der Index gestern deutlich.

Trotz zwischenzeitlicher Schwäche blieb der Bereich um 7.500 Punkte verteidigt.

Oberhalb von 7.565 Punkten sehe ich weiterhin Chancen auf einen erneuten Angriff Richtung 7.600 bis 7.650 Punkte.

Unterhalb von 7.500 steigt dagegen das Risiko einer Ausweitung der Korrektur.

Nasdaq

Der Nasdaq zeigte erneut enorme relative Stärke.

Nach zwischenzeitlichen Verlusten wurde der gesamte Rücksetzer fast vollständig zurückgekauft.

Solange der Bereich um 29.000 Punkte hält, bleibt der Aufwärtstrend aus meiner Sicht vollständig intakt.

Ein Ausbruch über 29.500 Punkte könnte den Weg Richtung 30.000 Punkte freimachen.

Unterhalb von 29.000 würden dagegen 28.500 beziehungsweise 28.200 Punkte wieder in den Fokus rücken.


Dow Jones

Der Dow Jones bleibt aktuell der schwächste der großen US-Indizes.

Nach dem gestrigen Rückgang um rund 1,16 % rückt nun die Zone um 52.500 Punkte in den Mittelpunkt.

Ein Anstieg darüber könnte nochmals Potenzial Richtung 53.000 Punkte eröffnen.

Bleibt der Index darunter, steigt das Risiko einer Ausweitung der Korrektur bis 52.000 beziehungsweise 51.500 Punkte.

DAX – Charttechnischer Ausblick

Der DAX verlor gestern 1,87 % und notiert damit seit Wochenbeginn bereits rund 3,3 % im Minus.

Dabei wurde die Unterstützung bei 25.500 Punkten dynamisch unterschritten.

Im Anschluss testete der Markt den Bereich um 24.800 Punkte, welcher gleichzeitig das ehemalige Jahreshoch 2025 sowie ein wichtiges Cluster darstellt.

Von dort setzte unmittelbar eine technische Gegenbewegung ein.

Heute Morgen notiert der DAX bereits wieder etwas fester.

Für den heutigen Handel bleibt entscheidend:

Bullishes Szenario
• Verteidigung der 25.000 Punkte
• Ausbruch über 25.185 Punkte
• Anschließend Potenzial bis 25.500 Punkte

Bearishes Szenario

Fällt der DAX erneut unter 24.800 Punkte, rückt für mich die Zone um 24.500 Punkte als nächstes größeres Unterstützungsniveau in den Fokus.

Übergeordnet bleibe ich trotz der laufenden Korrektur weiterhin konstruktiv. Solange der Bereich um 24.500 Punkte hält, werte ich die aktuelle Bewegung zunächst als gesunde Korrektur innerhalb eines weiterhin intakten Aufwärtstrends.


Fazit

Die heutige Richtung der Märkte dürfte erneut maßgeblich von der geopolitischen Entwicklung im Nahen Osten abhängen.

Die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran überschattet derzeit nahezu alle fundamentalen Daten. Gleichzeitig zeigen die überraschend gestiegenen US-Rohöllagerbestände, dass kurzfristig auch Angebots- und Nachfrageseite Einfluss auf den Ölpreis nehmen können.

Aus fundamentaler Sicht rücken heute insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten, das EZB-Sitzungsprotokoll sowie die Rede von Fed-Präsident Williams in den Fokus.

Charttechnisch bleibt der DAX oberhalb von 25.000 Punkten kurzfristig stabil. Ein nachhaltiger Bruch der 24.800 Punkte würde dagegen das Korrekturrisiko deutlich erhöhen. Entscheidend bleibt jedoch die Entwicklung im Nahen Osten – denn sie beeinflusst derzeit Ölpreis, Inflationserwartungen, Geldpolitik und damit letztlich die Richtung nahezu aller Risikoanlagen.

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