DAX Wochenrückblick KW21 – Die wichtigsten Erkenntnisse!

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Fundamentale geopolitische Lage

Die geopolitische Lage blieb auch in KW21 der zentrale Markttreiber. Im Fokus standen weiterhin die Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Über die gesamte Woche hinweg kamen widersprüchliche Meldungen aus Teheran, Washington, Katar und Pakistan. Einerseits berichteten mehrere Quellen von „Fortschritten“ und einer grundsätzlichen Annäherung bei den Gesprächen rund um das iranische Atomprogramm. Pakistanische und katarische Vermittler reisten erneut nach Teheran, während gleichzeitig Meldungen aufkamen, dass ein „breites Verständnis“ über die groben Linien eines möglichen Deals erreicht worden sei.

Andererseits betonte der iranische Außenministeriumssprecher mehrfach, dass weiterhin große Differenzen zwischen Iran und den USA bestehen würden. Besonders das Thema Urananreicherung sowie die schrittweise Aufhebung von Sanktionen bleiben die größten Streitpunkte. Auch wurde mehrfach klargestellt, dass noch keine finale Einigung in Sicht sei. Trotzdem reagierten die Märkte insgesamt positiv auf die zunehmenden diplomatischen Bemühungen und die geringere Wahrscheinlichkeit einer direkten Eskalation im Nahen Osten.

Auch innerhalb der OPEC und der Golfstaaten zeigte sich eine interessante Entwicklung. Die UAE schlossen sich Saudi-Arabien und Katar an und drängten die USA öffentlich dazu, den Krieg mit Iran nicht erneut eskalieren zu lassen. Gleichzeitig blieb die Straße von Hormuz weiterhin offen und passierbar, was ein entscheidender Faktor für die Stabilisierung der Ölpreise war. Dennoch blieb die Lage fragil, da Brent Crude Oil weiterhin deutlich über der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke notierte.

Zusätzlich verschärften sich die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China weiter. Meldungen über den Ausbau chinesischer und russischer Geheimdienstaktivitäten in Kuba sowie neue Diskussionen über mögliche Halbleiterzölle und Investitionsschutzmaßnahmen im Technologiesektor zeigten erneut die zunehmende globale Fragmentierung. Taiwan und asiatische Tech-Werte profitierten trotzdem massiv vom anhaltenden KI-Boom.

Auch in Europa blieb die geopolitische Lage angespannt. Trump kündigte zusätzliche NATO-Truppenbewegungen Richtung Osteuropa an, während gleichzeitig politische Spannungen in der Türkei sowie Proteste in mehreren europäischen Ländern zunahmen. Insgesamt zeigt sich weiterhin eine Weltordnung im Wandel mit zunehmender geopolitischer Fragmentierung, höheren Sicherheitsausgaben und strukturell inflationären Entwicklungen.


Fundamentaldaten der Woche – Überblick

Die Wirtschaftsdaten der KW21 zeichneten insgesamt ein gemischtes, aber weiterhin robustes Bild der Weltwirtschaft. Besonders in den USA zeigte sich erneut, dass die Wirtschaft trotz hoher Zinsen weiterhin erstaunlich widerstandsfähig bleibt.

Die US-Arbeitsmarktdaten, darunter Initial Jobless Claims, deuteten weiterhin auf einen stabilen Arbeitsmarkt hin. Auch mehrere Einkaufsmanagerindizes wie die Global Manufacturing PMIs und regionale Daten wie der Philadelphia Fed Manufacturing Index signalisierten, dass die Wirtschaft zwar langsamer wächst, aber weiterhin expandiert.

Die FOMC Meeting Minutes sowie zahlreiche Fed-Statements standen diese Woche ebenfalls stark im Fokus. Besonders auffällig war der zunehmend hawkishe Ton mehrerer Fed-Mitglieder. Fed-Mitglied Waller betonte mehrfach, dass die Inflation weiterhin ein Risiko darstelle und Zinssenkungen kurzfristig unwahrscheinlich seien. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass steigende Inflationserwartungen problematisch wären und im Zweifel sogar weitere Zinserhöhungen notwendig machen könnten.

Besonders spannend war zudem die offizielle Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Fed Chair. Seine Aussagen sorgten für große Aufmerksamkeit an den Märkten. Warsh sprach von einer „reformorientierten Federal Reserve“, betonte langfristiges Wachstumspotenzial und stellte gleichzeitig klar, dass Inflation bekämpft werden müsse, ohne das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Gleichzeitig kritisierte er indirekt die bisherige Kommunikation und Guidance der Fed. Die Märkte interpretierten dies teilweise als Zeichen einer zukünftig wachstumsfreundlicheren Geldpolitik.

Inflationsseitig blieben die Daten widersprüchlich. Während einige Konjunkturdaten eher auf eine Abschwächung der Inflation hindeuteten, zeigten besonders die University of Michigan Inflation Expectations einen deutlichen Anstieg. Die 1-Jahres-Inflationserwartungen stiegen auf 4,8%, die 5-Jahres-Erwartungen sogar auf 3,9%. Genau diese Daten sorgten dafür, dass die Märkte zeitweise wieder Zinserhöhungen bis Ende 2026 einpreisten.

Auch die Rohstoffseite blieb relevant. Die Ölpreise gaben zwar im Wochenverlauf deutlich nach, notierten aber weiterhin auf historisch erhöhtem Niveau. Gleichzeitig blieben die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Energiepreise und Inflation ein zentrales Thema.

In Europa fielen die Daten ebenfalls überwiegend robust aus. Der deutsche IFO-Geschäftsklimaindex überraschte positiv, ebenso wie mehrere französische Konjunkturdaten. Die EZB-Mitglieder signalisierten gleichzeitig zunehmend Sorge über mögliche Zweitrundeneffekte durch steigende Energiepreise. Mehrere EZB-Mitglieder sprachen offen über mögliche Zinserhöhungen bereits im Juni.


Gesamtbild Wirtschaft und Inflation


Insgesamt zeigt sich aktuell weiterhin ein ungewöhnliches Marktumfeld. Die Wirtschaft bleibt robust, die Arbeitsmärkte stabil und die KI-getriebene Wachstumsstory unterstützt weiterhin Risk Assets wie Aktien und Tech-Werte. Gleichzeitig bleibt die Inflation hartnäckiger als ursprünglich erwartet.

Die Märkte befinden sich aktuell in einer Art „Risk-on trotz Inflation“-Umfeld. Anleger setzen weiterhin auf Wachstum, KI, starke Unternehmensgewinne und eine weiche Landung der Wirtschaft. Gleichzeitig sorgen steigende Inflationserwartungen, geopolitische Risiken und hohe Rohstoffpreise dafür, dass die Zentralbanken zunehmend vorsichtiger werden.

Besonders entscheidend bleibt aktuell die Entwicklung der langfristigen Inflationserwartungen sowie die Reaktion der Bondmärkte. Sollte sich die Inflation erneut beschleunigen oder die Renditen weiter stark ansteigen, könnte dies mittelfristig Druck auf hoch bewertete Risk Assets ausüben. Noch ignorieren die Aktienmärkte diese Risiken jedoch weitgehend.

Das Gesamtbild bleibt deshalb kurzfristig bullish, mittelfristig jedoch zunehmend fragil.

Charttechnik und Märkte im Überblick

US Oil

Beim Ölpreis haben wir auf Wochenbasis seit Eröffnung letzter Woche bis Schluss dieser Woche ein Minus von rund 4,2% gesehen. US Oil notiert aktuell bei 96,99 Dollar. Der Ölpreis zeigte damit speziell in der zweiten Wochenhälfte deutliche Schwäche. Seit Mittwoch kam es vom Hoch bis zum Tief zu einem Abverkauf von knapp 10%.

Nichtsdestotrotz notiert der Preis weiterhin deutlich über 90 Dollar und damit weiterhin auf erhöhtem Niveau. Zwar wurde die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke kurzfristig unterschritten, allerdings bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt und die Straße von Hormuz weiterhin ein zentraler Risikofaktor. Entspannung ist zwar etwas stärker sichtbar als noch in KW20, jedoch reicht dies aktuell noch nicht aus, um nachhaltig disinflationär zu wirken.

Bonds & DXY

Am Bondmarkt sahen wir zu Beginn der Woche zunächst steigende Bondpreise beziehungsweise fallende Renditen. Dieses Bild schwächte sich jedoch im Wochenverlauf zunehmend ab.

Die 3-jährigen US-Staatsanleihen schlossen leicht im Plus bei 4,171%, die 5-jährigen bei 4,258%. Die 10-jährigen US-Treasuries notierten dagegen bei 4,556% und die 30-jährigen sogar bei 5,063%, wobei beide Laufzeiten auf Wochenbasis Verluste verzeichneten. Auffällig war insbesondere, dass die 10er- und 30er-Renditen erneut ihre lokalen Hochs testeten und dort deutliche Rejections zeigten.

Auch im DXY-Dollarindex zeigte sich Konsolidierung. Nach der starken Vorwoche bildete der US-Dollar diese Woche eine Doji-Wochenkerze innerhalb einer klaren Range zwischen ungefähr 98,9 und 99,45 Punkten. Bonds und US-Dollar bleiben weiterhin stark miteinander korreliert. Entscheidend bleibt nun, ob der Dollar aus dieser Range ausbrechen kann oder weiter konsolidiert.

VIX

Der VIX stieg Anfang der Woche kurzfristig bis auf 19,5 Punkte an, ist anschließend jedoch stark zurück gekommen. Auf Wochenbasis ergibt sich ein Minus von knapp 10%. Aktuell notiert der VIX bei 16,71 Punkten. Die Volatilität bleibt damit insgesamt niedrig und signalisiert weiterhin ein eher entspanntes Risk-on-Umfeld an den Märkten.


Risk Assets im Gesamtüberblick

Nvidia

Nvidia lieferte erneut extrem starke Quartalszahlen sowie eine sehr starke Guidance. Trotzdem kam es nach den Earnings am Donnerstag und Freitag zu stärkeren Gewinnmitnahmen. Auf Wochenbasis notiert Nvidia rund 4,5% im Minus.

Nichtsdestotrotz bleibt die übergeordnete Longstruktur weiterhin intakt. Entscheidend wird nun sein, ob die starken Zahlen und die weiterhin extrem bullishe KI-Story neues Momentum in den kommenden Wochen erzeugen können. Nvidia bleibt weiterhin einer der wichtigsten Treiber für Nasdaq und S&P 500.

Bitcoin

Bitcoin zeigte sich diese Woche deutlich schwächer als andere Risk Assets. Während Aktienmärkte neue Hochs anliefen, kam es bei Bitcoin speziell seit Donnerstag zu stärkeren Abverkäufen. Allein am Freitag verlor Bitcoin rund 2,8%. Die Wochenkerze notiert aktuell rund 3,4% im Minus.

Gleichzeitig befindet sich Bitcoin nun an einer extrem wichtigen Schlüsselzone auf Jahresbasis. Aktuell handelt Bitcoin auf dem niedrigsten Niveau der Jahreskerze 2025. Das macht diesen Bereich technisch enorm interessant. Trotzdem zeigt sich aktuell klar, dass Bitcoin kurzfristig schwächer performt als klassische Aktienmärkte.

S&P 500 & Nasdaq

Im S&P 500 wurde diese Woche wie erwartet erneut die psychologisch wichtige 7500-Punkte-Marke angelaufen. Der Index schloss auf Wochenbasis rund 0,86% im Plus bei 7473 Punkten. Besonders seit Mittwoch sorgten die starken Nvidia-Zahlen für neues Momentum. Am Freitag kam es jedoch zu ersten Gewinnmitnahmen direkt unterhalb der All-Time-Highs. Trotzdem bleibt die Aufwärtsstruktur weiterhin intakt.

Ein sehr ähnliches Bild zeigte sich im Nasdaq. Auch hier wurde zunächst das Weekly Low unterschritten, bevor die Käufer den Markt wieder stark aufkauften. Der Nasdaq schloss die Woche rund 1,11% im Plus bei 29.444 Punkten. Das All-Time-High bei rund 29.680 Punkten wurde am Freitag erneut getestet, allerdings kam es dort ebenfalls zu Gewinnmitnahmen und einem bearishen Tagesclose. Insgesamt bleibt der Markt jedoch weiterhin sehr stark.

US30

Der US30 zeigte diese Woche besonders starke Relative Strength. Bereits im YouTube-Video von Donnerstag hatte ich darauf hingewiesen, dass ein nachhaltiger Ausbruch über die 50.000er Marke das All-Time-High vom Februar erneut erreichbar machen könnte. Genau dieses Szenario trat ein.

Der US30 schloss die Woche rund 2,37% im Plus bei 50.563 Punkten und damit sogar oberhalb der psychologisch wichtigen 50.500er Marke. Gleichzeitig sahen wir erste Gewinnmitnahmen vom neu markierten All-Time-High bei rund 50.850 Punkten. Insgesamt bleibt das charttechnische Bild jedoch bullisch.

DAX

Der DAX zeigte in KW21 eine extrem starke Woche. Europäische Aktien gehörten insgesamt zu den stärksten Märkten weltweit. Der DAX verzeichnete auf Wochenbasis ein Plus von knapp 4% und schloss bei 24.768 Punkten.

Besonders wichtig: Der Index schloss deutlich oberhalb der zentralen 24.500er Marke, die sowohl aus Sicht des Jahresschlusskurses 2025 als auch aus Monats- und Wochenperspektive ein entscheidendes Key Level darstellt.

Nach einem kurzfristigen Boden am Montag bei ungefähr 23.640 Punkten kam es zu einer starken Aufwärtsbewegung Richtung 25.000 Punkte. Zwar wurde die 25.000er Marke knapp verfehlt, dennoch bleibt das Bild erstmal bullisch. Besonders der Mittwoch zeigte eine außergewöhnlich starke Kaufdynamik.

Zusätzlich interessant: Der DAX notiert nun nur noch knapp 3% unter seinen All-Time-Highs. Nach der sehr bearishen Wochenkerze aus KW20 wurde der Markt diese Woche komplett wieder aufgekauft. Das spricht kurzfristig klar für Stärke im europäischen Markt.


Wichtigste Erkenntnisse der KW21

- Die Märkte setzen weiterhin auf eine Deeskalation zwischen USA und Iran, obwohl noch keine finale Einigung erreicht wurde.
- Inflation bleibt deutlich hartnäckiger als erwartet. Besonders Inflationserwartungen steigen wieder an.
- Die Fed wird hawkisher, Zinssenkungen rücken weiter nach hinten. Teilweise werden sogar wieder Zinserhöhungen eingepreist.
- Kevin Warsh könnte den zukünftigen Ton für Geldpolitik der Fed deutlich verändern.
- Trotz steigender Inflation und hoher Zinsen bleiben Aktienmärkte extrem stark.
- KI bleibt weiterhin der wichtigste Treiber für globale Risk Assets.
- Erneut starke Zahlen von NVDA.
- Bitcoin zeigt aktuell relative Schwäche gegenüber klassischen Aktienmärkten.
- Der DAX und europäische Aktien zeigen aktuell enorme Stärke und nähern sich erneut den All-Time-Highs.

Keine Anlageberatung, nur meine persönliche Markteinschätzung.

Wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Wie schätzt ihr die aktuelle Lage ein? Sehen wir weiterhin ein Risk-on-Umfeld oder wird Inflation bald wieder zum Problem für die Märkte?

Morgen kommt wieder ein längeres YouTube-Video sowie der neue Wochenausblick hier auf TradingView!

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