Fundamentaler, makroökonomischer und charttechnischer Ausblick für die Handelswoche KW30
Willkommen zum Wochenausblick für die Handelswoche KW30.
Nach einer insgesamt schwächeren Vorwoche rücken die Finanzmärkte nun in eine entscheidende Phase. Während die zweite Quartalsberichtssaison zunehmend Fahrt aufnimmt, bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten der dominante Einflussfaktor auf das Marktgeschehen. Vor allem die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus sorgen weiterhin für erhebliche Unsicherheit an den Rohstoff- und Aktienmärkten.
Zusätzlich richtet sich der Blick der Marktteilnehmer in dieser Woche auf den EZB-Zinsentscheid, zahlreiche Einkaufsmanagerindizes (PMIs), wichtige US-Konjunkturdaten sowie auf einige der größten Technologieunternehmen der Welt. Besonders Alphabet, Tesla, Intel und SAP dürften entscheidend dafür sein, ob sich die zuletzt begonnene Korrektur im Technologiesektor fortsetzt oder lediglich eine gesunde Verschnaufpause innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends darstellt.
Nachdem die Inflationsdaten in den USA und Europa zuletzt insgesamt positiv überraschten, stellt sich nun die entscheidende Frage, ob dieser Trend trotz wieder steigender Energiepreise Bestand haben wird. Genau hier treffen aktuell Makroökonomie, Geldpolitik und Geopolitik unmittelbar aufeinander.
Für Anleger bedeutet das eine Woche mit mehreren potenziellen Richtungsentscheidungen für Aktien, Anleihen, Öl, den US-Dollar und damit letztlich auch für den DAX.
Agenda
* Geopolitische Lage
* Earnings Season Q2
* Fundamentale Wirtschaftsdaten der KW30 im Überblick
* EZB-Zinsentscheid
* Märkte & Korrelationen im Überblick
* Risk Assets im Überblick
* DAX charttechnischer Ausblick
* Fazit
Geopolitische Lage
Auch zu Beginn der KW30 bleibt die Lage im Nahen Osten der größte Unsicherheitsfaktor für die globalen Finanzmärkte.
Der Fokus liegt weiterhin klar auf der Straße von Hormus. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass sich die Situation bislang keineswegs nachhaltig entspannt hat. Vielmehr bleibt das Risiko einer weiteren Eskalation erhöht. Bereits zuletzt kam es zu deutlich reduziertem Schiffsverkehr, mehreren Tankern mit deaktivierten AIS-Signalen, verstärkter militärischer Präsenz sowie einer zunehmenden Überwachung wichtiger Handelsrouten. Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass auch die Aktivitäten im Roten Meer sowie rund um Bab al-Mandab wieder zunehmen.
Sollte sich diese Entwicklung weiter verschärfen oder sogar zeitweise zu stärkeren Einschränkungen des Schiffsverkehrs führen, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt. Bereits in der vergangenen Woche reagierte US Oil mit einem kräftigen Anstieg von rund 14,5 %. Der Markt preist inzwischen wieder deutlich höhere geopolitische Risikoprämien ein.
Für die Kapitalmärkte ist dabei weniger die geopolitische Schlagzeile selbst entscheidend, sondern deren makroökonomische Konsequenz.
Steigende Ölpreise führen unmittelbar zu höheren Energiepreisen. Höhere Energiepreise wirken inflationsfördernd und erschweren den Notenbanken eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Dadurch steigen die Wahrscheinlichkeiten für länger anhaltend restriktive Zinssätze beziehungsweise spätere Zinssenkungen. Höhere Zinsen belasten wiederum die Unternehmensbewertungen, insbesondere wachstumsstarke Technologieunternehmen, und führen häufig zu einem Risk-Off-Sentiment an den Finanzmärkten.
Genau diese Kette beobachten Investoren derzeit sehr genau.
Ölpreis ↑ → Inflation ↑ → restriktivere Geldpolitik → höhere Zinsen → Druck auf Risk Assets.
Deshalb bleibt die geopolitische Entwicklung derzeit vermutlich der wichtigste externe Einflussfaktor für sämtliche Anlageklassen.
Neben dem Nahen Osten rückte zuletzt auch der Technologiesektor verstärkt in den Fokus.
Nach der außergewöhnlich starken Rally der vergangenen Monate setzte sich zuletzt eine deutliche Gewinnmitnahme im Halbleitersektor fort. Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete seine stärkste Wochenkorrektur seit über einem Jahr und befindet sich mittlerweile mehr als 20 % unter seinem Rekordhoch. Viele institutionelle Investoren reduzieren aktuell ihre Gewichtung im KI-Sektor, nachdem die Bewertungen zuvor historisch hohe Niveaus erreicht hatten.
Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus innerhalb des KI-Marktes.
Während Nvidia weiterhin der größte Profiteur der weltweiten AI-Infrastruktur bleibt, rückt Apple zunehmend stärker in den Mittelpunkt der Anleger. Hintergrund sind die Fortschritte bei Apple Intelligence sowie die Integration künstlicher Intelligenz in das gesamte Apple-Ökosystem. Investoren bewerten inzwischen weniger den Aufbau eigener Foundation-Modelle, sondern vielmehr Apples Fähigkeit, KI über Hardware, Services und das bestehende Ökosystem zu monetarisieren.
Reuters beschreibt diesen Wandel treffend: Apple wird inzwischen nicht mehr als Nachzügler im KI-Wettlauf gesehen, sondern zunehmend als Unternehmen mit besonders nachhaltigen und profitablen Monetarisierungsmöglichkeiten.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Nvidia seine Führungsrolle verliert. Vielmehr verbreitert sich der KI-Zyklus zunehmend. Neben Nvidia profitieren inzwischen auch Speicherchip-Hersteller, Halbleiterausrüster sowie weitere Infrastrukturunternehmen von den weltweit steigenden Investitionen in künstliche Intelligenz.
Kurzfristig bleibt dennoch Vorsicht angebracht. Nach der extremen Kursentwicklung der vergangenen Monate scheint sich der Markt aktuell in einer Phase der Neubewertung zu befinden. Gute Unternehmenszahlen allein reichen derzeit oftmals nicht mehr aus, um neue Allzeithochs auszulösen. Stattdessen reagieren Anleger zunehmend sensibel auf hohe Erwartungen, Bewertungen sowie zukünftige Prognosen der Unternehmen.
Gerade deshalb dürfte die nun anstehende Berichtssaison für den Technologiesektor eine entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung der US-Indizes spielen.
Earnings Season Q2
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal hat insgesamt einen sehr soliden Start hingelegt.
Besonders die großen US-Banken konnten in der vergangenen Woche überwiegend überzeugen und bestätigten erneut die robuste Verfassung des Finanzsektors. Gleichzeitig sorgten ASML sowie TSMC mit starken Quartalszahlen und einem weiterhin positiven KI-Ausblick für wichtige Impulse im Halbleiterbereich.
Dennoch konnten diese starken Ergebnisse die zuletzt zunehmenden Gewinnmitnahmen im Technologiesektor nicht vollständig verhindern. Der Markt befindet sich aktuell in einer Phase, in der nicht mehr allein gute Zahlen ausreichen. Vielmehr müssen Unternehmen die bereits sehr hohen Erwartungen der Investoren übertreffen und gleichzeitig einen überzeugenden Ausblick für die kommenden Quartale liefern.
Genau deshalb dürfte die KW30 eine der wichtigsten Wochen der bisherigen Berichtssaison werden.
Für den deutschen Markt stehen insbesondere die Zahlen von SAP, Deutsche Börse sowie Volkswagen im Mittelpunkt. Vor allem SAP besitzt aufgrund seiner hohen Gewichtung im DAX das Potenzial, den gesamten deutschen Leitindex spürbar zu beeinflussen.
International richtet sich der Fokus dagegen klar auf die großen US-Technologieunternehmen.
Besondere Aufmerksamkeit erhalten Alphabet und Tesla. Alphabet dürfte erneut wichtige Hinweise zur Entwicklung der weltweiten KI-Investitionen liefern, während bei Tesla neben den Fahrzeugauslieferungen insbesondere Aussagen zu Full Self Driving, Robotaxi sowie zukünftigen Wachstumsfeldern im Mittelpunkt stehen.
Ebenso spannend werden die Zahlen von Intel. Nach den zuletzt schwächeren Entwicklungen im klassischen Halbleitergeschäft wird der Markt genau beobachten, ob sich erste Verbesserungen im KI- und Foundry-Geschäft abzeichnen.
Daneben berichten zahlreiche weitere Schwergewichte wie Texas Instruments, ServiceNow, 3M, Capital One, General Motors, Thermo Fisher, RTX, Lockheed Martin, American Express, ExxonMobil oder Volkswagen.
Insgesamt dürfte die Berichtssaison damit zum wichtigsten fundamentalen Kurstreiber der kommenden Handelswoche werden
Fundamentale Wirtschaftsdaten der KW30 im Überblick
Nachdem die Vorwoche insbesondere durch die Inflationsdaten geprägt wurde, fällt der makroökonomische Kalender in der KW30 insgesamt etwas ruhiger aus. Dennoch stehen mehrere Termine auf der Agenda, die insbesondere für die Zinserwartungen der Notenbanken sowie die Entwicklung an den Aktien- und Anleihemärkten relevant werden könnten.
Der absolute Schwerpunkt der Woche liegt dabei eindeutig auf dem EZB-Zinsentscheid am Donnerstag. Daneben stehen mehrere Einkaufsmanagerindizes (PMIs), die US-Arbeitsmarktdaten in Form der Initial Jobless Claims sowie die US-Rohöllagerbestände im Fokus der Anleger.
Montag
Zum Wochenauftakt werden die deutschen Erzeugerpreise (German Producer Price Index, PPI) veröffentlicht. Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für zukünftige Verbraucherpreise und liefern Hinweise darauf, wie sich der Inflationsdruck innerhalb der Lieferketten entwickelt.
Zusätzlich erscheint in den USA der Conference Board Leading Economic Index (LEI). Dieser Frühindikator fasst mehrere wirtschaftliche Kennzahlen zusammen und soll Hinweise auf die zukünftige Entwicklung der US-Konjunktur liefern. Beide Veröffentlichungen besitzen zwar keinen außergewöhnlich hohen Marktimpact, geben jedoch einen ersten Eindruck über den wirtschaftlichen Zustand zum Wochenbeginn.
Dienstag
Der Dienstag verläuft aus makroökonomischer Sicht vergleichsweise ruhig.
Im Mittelpunkt stehen lediglich einige Reden von EZB-Vertretern, darunter Bundesbankpräsident Joachim Nagel, sowie die wöchentlichen API-Rohöllagerbestände am Abend.
Die API-Daten liefern oftmals bereits einen ersten Hinweis auf die offiziellen US-Rohöllagerbestände, welche am Mittwoch veröffentlicht werden. Aufgrund der aktuell angespannten Lage im Nahen Osten könnte der Ölmarkt auf diese Daten empfindlicher reagieren als gewöhnlich.
Mittwoch
Am Mittwoch richtet sich der Fokus zunächst auf die offiziellen US Crude Oil Inventories.
Gerade vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen rund um die Straße von Hormus dürften die Lagerbestände diesmal besonders aufmerksam verfolgt werden. Sinkende Lagerbestände bei gleichzeitig eingeschränktem Angebot könnten den Ölpreis zusätzlich unterstützen und damit den Inflationsdruck erneut erhöhen.
Daneben findet die Auktion 20-jähriger US-Staatsanleihen statt, welche Hinweise auf die aktuelle Nachfrage institutioneller Investoren nach langfristigen Staatsanleihen geben kann.
EZB-Zinsentscheid
Der Donnerstag stellt ohne Zweifel den wichtigsten Makrotag der gesamten Handelswoche dar.
Im Mittelpunkt stehen der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank, das Monetary Policy Statement sowie die anschließende Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Nach aktueller Marktbewertung rechnen rund 92 % aller Marktteilnehmer mit unveränderten Leitzinsen. Lediglich etwa 8 % erwarten überraschend eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
Der eigentliche Zinsentscheid gilt damit bereits weitgehend als eingepreist. Viel entscheidender dürfte daher erneut die Kommunikation der EZB werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Aussagen zur zukünftigen Inflationsentwicklung, zum wirtschaftlichen Ausblick innerhalb der Eurozone sowie zur weiteren geldpolitischen Strategie in den kommenden Monaten.
Vor allem die sogenannte Forward Guidance dürfte darüber entscheiden, wie sich Anleiherenditen, der Euro sowie europäische Aktien unmittelbar nach dem Entscheid entwickeln.
Interessant ist hierbei insbesondere der Blick auf die zukünftigen Zinserwartungen des Marktes.
Während für die Sitzung im Juli kaum Veränderungen erwartet werden, preisen die Geldmärkte für die September-Sitzung bereits eine Wahrscheinlichkeit von rund 78,6 % für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein.
Für die Sitzung Ende Oktober liegt die höchste Wahrscheinlichkeit aktuell ebenfalls bei einem Zinssatz von 2,50 %, allerdings steigt gleichzeitig bereits die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte deutlich an.
Bis Dezember erwartet der Markt mittlerweile mehrheitlich einen Einlagensatz von rund 2,75 %, was zeigt, dass Investoren trotz der zuletzt rückläufigen Inflationsdaten weiterhin von einer vergleichsweise restriktiven Geldpolitik ausgehen.
Damit bleibt die Kommunikation der EZB in dieser Woche wahrscheinlich wichtiger als der eigentliche Zinsschritt.
Initial Jobless Claims
Ebenfalls am Donnerstag erscheinen die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Diese Daten gelten als einer der aktuellsten Frühindikatoren für den amerikanischen Arbeitsmarkt und werden von der Federal Reserve besonders aufmerksam beobachtet.
Ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt würde die Argumentation einer länger restriktiven Geldpolitik unterstützen. Deutlich schwächere Zahlen könnten dagegen erneut Hoffnungen auf zukünftige Zinssenkungen schüren.
EZB-Pressekonferenz
Nur wenige Minuten nach dem Zinsentscheid folgt die Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank.
Historisch betrachtet entstehen die größten Marktbewegungen häufig nicht durch den eigentlichen Zinssatz, sondern durch die Antworten der Notenbank auf Fragen zur zukünftigen Geldpolitik.
Besonders interessant dürfte werden, wie die EZB die zuletzt rückläufige Inflation bewertet und welchen Einfluss die wieder deutlich gestiegenen Energiepreise auf ihre weiteren Entscheidungen haben könnten.
Sollte die EZB einen restriktiveren Ton anschlagen als erwartet, könnte dies kurzfristig Druck auf europäische Aktienmärkte ausüben.
Freitag
Zum Wochenausklang stehen schließlich zahlreiche Einkaufsmanagerindizes aus Europa und den USA im Mittelpunkt.
Veröffentlicht werden unter anderem die HCOB Manufacturing PMI-, Services PMI- sowie Composite PMI-Daten für Deutschland und die Eurozone.
Am Nachmittag folgen anschließend die besonders marktbewegenden S&P Global Manufacturing PMI-, Services PMI- und Composite PMI-Daten für die USA.
Diese Frühindikatoren liefern einen sehr aktuellen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes sowie des Dienstleistungssektors und besitzen häufig erheblichen Einfluss auf die Zinserwartungen der Märkte.
Abgerundet wird der Handelstag durch die Veröffentlichung der US New Home Sales, welche Rückschlüsse auf die Entwicklung des amerikanischen Immobilienmarktes zulassen.
Inflation, Geldpolitik und aktueller Makroausblick
Bereits in der vergangenen Woche veröffentlichten sowohl die USA als auch die Eurozone überwiegend erfreuliche Inflationsdaten.
In den USA fiel insbesondere der Produzentenpreisindex sowie die Kerninflation insgesamt moderater aus als noch in den Vormonaten. Auch in Europa setzte sich der rückläufige Inflationstrend fort. Die Gesamtinflation sank gegenüber dem Vorjahr auf 2,8 %, während die Kerninflation auf 2,4 % zurückging. Gleichzeitig fiel die monatliche Inflationsrate mit -0,1 % ebenfalls moderat aus.
Diese Entwicklung bestätigt grundsätzlich, dass der Inflationsdruck zuletzt weiter nachgelassen hat.
Dennoch bleibt Vorsicht angebracht.
Die aktuell wieder deutlich steigenden Ölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten könnten in den kommenden Monaten erneut spürbaren Druck auf die Verbraucherpreise ausüben. Energie bleibt einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Headline-Inflation und könnte den zuletzt positiven Trend teilweise wieder umkehren.
Sowohl die Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank haben in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass ein einzelner positiver Inflationsbericht nicht ausreicht, um den geldpolitischen Kurs grundlegend zu verändern.
Vielmehr benötigen beide Notenbanken mehrere aufeinanderfolgende Datenreihen, welche eine nachhaltige Rückkehr der Inflation in Richtung ihrer Zielmarken bestätigen.
Genau deshalb dürften neben den Inflationsdaten künftig insbesondere die Energiepreise sowie die geopolitische Entwicklung darüber entscheiden, wann erste Zinssenkungen beziehungsweise Lockerungen der Geldpolitik tatsächlich wieder realistischer werden.
Märkte & Korrelationen im Überblick
US Oil
Der Ölmarkt bleibt aktuell der wichtigste makroökonomische Indikator für die Entwicklung der kommenden Wochen.
Nachdem die geopolitische Lage im Nahen Osten erneut eskalierte und sich die Risiken rund um die Straße von Hormus deutlich erhöht haben, verzeichnete US Oil in der vergangenen Handelswoche einen kräftigen Anstieg von rund 14,5 %. Aktuell notiert der WTI-Preis wieder im Bereich von 81,78 US-Dollar und hat damit sämtliche Verluste seit Beginn der Eskalation wieder aufgeholt.
Aus charttechnischer Sicht konnte der Markt den wichtigen Widerstandsbereich um 79 US-Dollar nachhaltig überwinden. Dadurch rücken nun die nächsten Zielzonen in den Fokus. Die erste relevante Widerstandszone befindet sich im Bereich um 84 US-Dollar, wo gleichzeitig das offene Gap aus Mitte Juni verläuft. Darüber folgen die Bereiche um 86 US-Dollar sowie anschließend 88 bis 90 US-Dollar.
Sollte sich die geopolitische Lage weiter verschärfen oder es tatsächlich zu stärkeren Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus kommen, halte ich einen weiteren Anstieg in diese Preisregionen für durchaus realistisch.
Makroökonomisch wäre dies allerdings problematisch.
Steigende Ölpreise erhöhen die Energiekosten für Unternehmen und Verbraucher, treiben die Gesamtinflation nach oben und erschweren den Notenbanken eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Genau deshalb beobachten Investoren den Ölpreis derzeit fast genauso aufmerksam wie Inflations- oder Arbeitsmarktdaten.
Sollte dagegen eine diplomatische Lösung gefunden werden und sich die Lage im Nahen Osten spürbar entspannen, könnte US Oil wieder unter die Zone um 76,50 US-Dollar zurückfallen. In diesem Fall würden für mich die Bereiche um 72 US-Dollar sowie später sogar 69 US-Dollar wieder in den Fokus rücken. Ein solcher Rückgang wäre gleichzeitig ein deutlich positives Signal für Risk Assets und würde den Inflationsdruck wieder reduzieren.
US-Staatsanleihen
Bei den US-Staatsanleihen zeigte sich in der vergangenen Woche insgesamt ein gemischtes Bild.
Die kurzfristigen Laufzeiten gaben leicht nach, während sich die langfristigen Renditen weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau behaupten konnten. Trotz der zuletzt positiven Inflationsdaten waren bislang kaum nachhaltige Rückgänge bei den langfristigen Renditen zu beobachten.
Genau hierin liegt aktuell eine der wichtigsten Botschaften des Rentenmarktes.
Obwohl sowohl die USA als auch Europa zuletzt rückläufige Inflationszahlen veröffentlichten, preisen die Anleihemärkte bislang keine schnelle geldpolitische Lockerung ein. Vielmehr scheint der Markt davon auszugehen, dass die positiven Inflationsberichte zunächst lediglich eine Momentaufnahme darstellen könnten.
Vor allem die wieder deutlich steigenden Energiepreise sorgen dafür, dass Investoren weiterhin vorsichtig bleiben. Sollte Öl dauerhaft auf einem erhöhten Preisniveau notieren, könnten die kommenden Inflationsberichte wieder stärker ausfallen und damit weitere Zinssenkungen nach hinten verschieben.
Der Rentenmarkt signalisiert damit aktuell deutlich mehr Vorsicht als der reine Blick auf die jüngsten Inflationsdaten vermuten lässt.
US-Dollar (DXY)
Der US-Dollar zeigte sich in der vergangenen Woche etwas schwächer und verlor auf Wochenbasis rund 0,23 %. Hintergrund waren vor allem die insgesamt freundlichen Inflationsdaten aus den USA, welche kurzfristig Hoffnungen auf eine etwas lockerere Geldpolitik unterstützten.
Charttechnisch bleibt der Bereich zwischen 100,50 und 100,60 Punkten jedoch weiterhin eine zentrale Unterstützungszone.
Solange sich der Dollar oberhalb dieser Zone behaupten kann, bleibt eine Erholung in Richtung 101, anschließend 101,50 und später 102 Punkte durchaus möglich.
Sollte der Dollar dagegen nachhaltig unter 100,50 fallen, würden aus charttechnischer Sicht zunächst 100 Punkte und anschließend 99,50 Punkte als nächste Zielbereiche in den Fokus rücken.
Welche Richtung letztendlich eingeschlagen wird, dürfte maßgeblich von der geopolitischen Entwicklung, den anstehenden Konjunkturdaten sowie der Kommunikation der EZB und der Federal Reserve abhängen.
Volatilitätsindex (VIX)
Auch der Volatilitätsindex legte in der vergangenen Woche deutlich zu.
Mit einem Wochenanstieg von rund 26 % stieg der VIX zeitweise bis in den Bereich von 19,5 Punkten und schloss die Woche bei rund 18,8 Punkten.
Der Anstieg verdeutlicht, dass die Unsicherheit unter institutionellen Investoren wieder deutlich zunimmt.
Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe:
* Eskalation im Nahen Osten
* steigende Ölpreise
* zunehmende Gewinnmitnahmen im KI- und Halbleitersektor
* Beginn der entscheidenden Phase der Berichtssaison
* EZB-Zinsentscheidung in dieser Woche
Historisch betrachtet führt ein steigender VIX häufig zu höheren täglichen Schwankungen an den Aktienmärkten. Anleger sollten deshalb auch in der KW30 mit einer erhöhten Volatilität rechnen.
Risk Assets im Überblick
Nvidia
Nvidia verlor in der vergangenen Woche knapp 4 % und schloss bei rund 202,80 US-Dollar.
Nach der außergewöhnlich starken Rally der vergangenen Monate befindet sich die Aktie aktuell in einer gesunden Konsolidierungsphase. Gleichzeitig nimmt der gesamte Halbleitersektor derzeit Gewinne mit, nachdem die Bewertungen zuvor deutlich gestiegen waren.
Für mich bleibt kurzfristig insbesondere die Zone zwischen 198 und 200 US-Dollar entscheidend.
Solange Nvidia diesen Bereich verteidigen kann, bleibt das übergeordnete Aufwärtsbild intakt. Oberhalb dieser Unterstützung liegen die nächsten relevanten Widerstände bei 213, anschließend 217 und später wieder im Bereich der bisherigen Allzeithochs um 230 US-Dollar.
Sollte die Aktie dagegen nachhaltig unter 198 US-Dollar fallen, rücken zunächst 195 und anschließend 190 US-Dollar als nächste Unterstützungsbereiche in den Fokus.
Entscheidend dürfte hierbei insbesondere der weitere Verlauf der Berichtssaison sein. Gute Quartalszahlen allein werden vermutlich nicht ausreichen – vielmehr werden Investoren sehr genau auf den zukünftigen KI-Ausblick der Unternehmen achten.
Bitcoin
Bitcoin zeigte sich zuletzt deutlich robuster als viele Aktienmärkte und konnte die vergangene Woche sogar mit einem leichten Plus von rund 1,5 % abschließen.
Aktuell notiert Bitcoin im Bereich von 64.700 US-Dollar.
Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 65.000 und 65.700 US-Dollar weiterhin der wichtigste Widerstandsbereich. Hier verlaufen mehrere markante Hoch- und Tiefpunkte der vergangenen Monate.
Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone könnte den Weg in Richtung 67.000 US-Dollar sowie später 69.000 bis 70.000 US-Dollar freimachen.
Sollte Bitcoin dagegen erneut an diesem Bereich scheitern, bleiben Rücksetzer in Richtung 61.000 beziehungsweise 60.000 US-Dollar durchaus möglich.
Übergeordnet bleibe ich kurzfristig weiterhin vorsichtig, bis dieser zentrale Widerstandsbereich nachhaltig überwunden werden kann.
S&P 500
Auch der S&P 500 musste in der vergangenen Woche eine spürbare Korrektur hinnehmen. Trotz der insgesamt positiven Inflationsdaten aus den USA dominierten letztlich die geopolitischen Risiken sowie die Gewinnmitnahmen im Technologiesektor das Marktgeschehen. Auf Wochenbasis verlor der Index rund 1,63 % und schloss knapp unter der wichtigen Marke von 7.500 Punkten.
Charttechnisch bleibt diese Zone für mich der entscheidende Orientierungspunkt für die kommende Handelswoche.
Kann sich der S&P 500 wieder nachhaltig über 7.500 Punkten etablieren, bleibt das übergeordnete bullische Bild weiterhin intakt. In diesem Fall wären neue Allzeithochs in den kommenden Wochen durchaus denkbar.
Sollte der Index dagegen nachhaltig unter dieser Marke bleiben, rücken zunächst 7.470 Punkte als erste Unterstützung in den Fokus. Darunter folgen 7.396 sowie anschließend 7.356 Punkte als nächste relevante Unterstützungsbereiche.
Trotz der aktuellen Korrektur befindet sich der Markt übergeordnet weiterhin in einer intakten Aufwärtsstruktur. Bislang sehen wir lediglich eine gesunde Konsolidierung innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends. Entscheidend wird nun sein, ob die anstehenden Unternehmenszahlen sowie die geopolitische Entwicklung ausreichen, um neues Kaufinteresse zu erzeugen.
Nasdaq
Der Nasdaq verzeichnete in der vergangenen Woche die deutlichste Schwäche unter den großen US-Indizes und verlor rund 3,8 %. Hauptursache hierfür waren die starken Gewinnmitnahmen im Halbleiter- und KI-Sektor.
Besonders wichtig bleibt nun die Unterstützung im Bereich von 28.200 Punkten. Dort verläuft aktuell das übergeordnete Strukturtief der vergangenen Wochen.
Sollte diese Zone in der KW30 unterschritten werden, würde sich das charttechnische Bild zunächst weiter eintrüben. In diesem Fall wäre eine Ausweitung der Korrektur bis in den Bereich von 27.500 Punkten durchaus realistisch.
Gelingt dagegen eine Stabilisierung und ein nachhaltiger Anstieg zurück über 29.000 Punkte, würde sich das kurzfristige Bild wieder deutlich verbessern. Anschließend wären zunächst 29.500 und später auch wieder die psychologisch wichtige Marke von 30.000 Punkten erreichbar.
Die Richtung dürfte in dieser Woche maßgeblich durch die Quartalszahlen von Alphabet, Tesla und Intel bestimmt werden. Gleichzeitig bleibt der Technologiesektor besonders sensibel gegenüber Veränderungen der Zinserwartungen sowie der geopolitischen Lage.
Dow Jones (US30)
Auch der Dow Jones konnte sich dem allgemeinen Risk-Off-Sentiment nicht entziehen und verlor auf Wochensicht rund 1,1 %.
Bemerkenswert ist dabei, dass selbst die überwiegend starken Quartalszahlen der großen US-Banken den Index nicht nachhaltig stützen konnten.
Der Grund hierfür liegt weniger in den Unternehmenszahlen selbst, sondern vielmehr im übergeordneten Marktumfeld. Die geopolitischen Spannungen, steigende Ölpreise sowie die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbanken führten dazu, dass viele Investoren trotz guter Fundamentaldaten ihre Risikoexponierung reduzierten.
Charttechnisch bleibt die Zone um 52.000 Punkte die wichtigste Unterstützung.
Sollte diese unterschritten werden, rücken 51.500 sowie anschließend 51.150 Punkte in den Fokus.
Für eine nachhaltige Verbesserung des kurzfristigen Chartbildes müsste sich der Dow Jones zunächst wieder oberhalb von 52.500 Punkten, idealerweise sogar über 53.000 Punkten, etablieren.
Dafür wären aus meiner Sicht allerdings mehrere Faktoren notwendig: eine Entspannung im Nahen Osten, rückläufige Ölpreise sowie eine insgesamt überzeugende Berichtssaison.
DAX charttechnischer Ausblick
Auch der DAX musste in der vergangenen Woche weiter korrigieren und verlor rund 1,18 %. Der Wochenabschluss erfolgte bei 24.814 Punkten.
Damit schloss der deutsche Leitindex zwar unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten, konnte jedoch die aus meiner Sicht entscheidende Unterstützungszone im Bereich von 24.800 Punkten zunächst verteidigen.
Genau diese Zone bleibt für mich der wichtigste Bereich der kommenden Handelswoche.
Hier verlaufen das Jahreshoch 2025 sowie das markante Monatshoch aus April. Entsprechend dürfte sich hier entscheiden, ob der DAX lediglich eine normale Korrektur innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends vollzieht oder ob sich die Abwärtsbewegung zunächst weiter ausdehnt.
Für die KW30 ergeben sich für mich drei mögliche Szenarien:
Szenario 1 (bearish):
Der DAX fällt nachhaltig unter 24.800 Punkte, unterschreitet anschließend das Wochentief der KW29 im Bereich von 24.600 Punkten und setzt seine Korrektur bis zur Schlüsselunterstützung bei 24.500 Punkten fort.
Szenario 2 (neutral):
Der Markt stabilisiert sich zunächst oberhalb von 24.800 Punkten, startet eine technische Gegenbewegung zurück in Richtung 25.000 Punkte, bevor anschließend erneut Verkaufsdruck aufkommt.
Szenario 3 (bullish):
Der DAX gelingt eine nachhaltige Rückeroberung der 25.000 Punkte. Anschließend würde ein Ausbruch über 25.220 Punkte das kurzfristige Chartbild deutlich verbessern und weiteres Potenzial in Richtung 25.500 Punkte eröffnen.
Übergeordnet bleibe ich trotz der laufenden Korrektur weiterhin konstruktiv.
Vom bisherigen Allzeithoch beträgt der Rückgang aktuell rund fünf Prozent. Historisch betrachtet sind Korrekturen zwischen sechs und sieben Prozent innerhalb eines intakten Bullenmarktes keineswegs ungewöhnlich. Solange die zentrale Unterstützungszone im Bereich von 24.500 Punkten verteidigt werden kann, sehe ich den langfristigen Aufwärtstrend weiterhin als intakt an.
Für den DAX werden in dieser Woche insbesondere drei Faktoren entscheidend sein:
* Der EZB-Zinsentscheid inklusive der Pressekonferenz von Christine Lagarde.
* Die Quartalszahlen von SAP, Deutsche Börse und Volkswagen.
* Die weitere Entwicklung im Nahen Osten sowie deren Einfluss auf den Ölpreis.
Fazit
Die Handelswoche KW30 dürfte eine der spannendsten Wochen dieses Sommers werden.
Auf der einen Seite sprechen die zuletzt veröffentlichten Inflationsdaten sowohl in den USA als auch in Europa für eine weitere Entspannung des Preisauftriebs. Auf der anderen Seite sorgt die Eskalation im Nahen Osten wieder für steigende Ölpreise und damit für neue Inflationsrisiken. Genau diese beiden Kräfte dürften die Entwicklung an den Finanzmärkten in den kommenden Tagen maßgeblich bestimmen.
Hinzu kommt eine äußerst wichtige Phase der Berichtssaison. Vor allem die Quartalszahlen von Alphabet, Tesla, Intel und SAP werden zeigen, ob die hohen Bewertungen im Technologie- und KI-Sektor weiterhin gerechtfertigt sind oder ob die jüngste Korrektur zunächst noch weitergeht.
Aus charttechnischer Sicht befinden sich viele Indizes aktuell an entscheidenden Unterstützungszonen. Ob diese verteidigt werden können oder eine größere Korrektur eingeleitet wird, dürfte maßgeblich vom Zusammenspiel aus Geopolitik, Geldpolitik und Unternehmenszahlen abhängen.
Insgesamt bleibe ich übergeordnet weiterhin konstruktiv für die Aktienmärkte. Kurzfristig dürfte die Volatilität jedoch erhöht bleiben, weshalb insbesondere die Reaktionen auf den EZB-Zinsentscheid, die Berichtssaison und die geopolitischen Entwicklungen aufmerksam beobachtet werden sollten.
Keine Anlageberatung – dies stellt ausschließlich meine persönliche Marktanalyse und Einschätzung dar.
Ich wünsche euch einen erfolgreichen Start in die Handelswoche KW30 und wie immer stabile Trades.
Willkommen zum Wochenausblick für die Handelswoche KW30.
Nach einer insgesamt schwächeren Vorwoche rücken die Finanzmärkte nun in eine entscheidende Phase. Während die zweite Quartalsberichtssaison zunehmend Fahrt aufnimmt, bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten der dominante Einflussfaktor auf das Marktgeschehen. Vor allem die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus sorgen weiterhin für erhebliche Unsicherheit an den Rohstoff- und Aktienmärkten.
Zusätzlich richtet sich der Blick der Marktteilnehmer in dieser Woche auf den EZB-Zinsentscheid, zahlreiche Einkaufsmanagerindizes (PMIs), wichtige US-Konjunkturdaten sowie auf einige der größten Technologieunternehmen der Welt. Besonders Alphabet, Tesla, Intel und SAP dürften entscheidend dafür sein, ob sich die zuletzt begonnene Korrektur im Technologiesektor fortsetzt oder lediglich eine gesunde Verschnaufpause innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends darstellt.
Nachdem die Inflationsdaten in den USA und Europa zuletzt insgesamt positiv überraschten, stellt sich nun die entscheidende Frage, ob dieser Trend trotz wieder steigender Energiepreise Bestand haben wird. Genau hier treffen aktuell Makroökonomie, Geldpolitik und Geopolitik unmittelbar aufeinander.
Für Anleger bedeutet das eine Woche mit mehreren potenziellen Richtungsentscheidungen für Aktien, Anleihen, Öl, den US-Dollar und damit letztlich auch für den DAX.
Agenda
* Geopolitische Lage
* Earnings Season Q2
* Fundamentale Wirtschaftsdaten der KW30 im Überblick
* EZB-Zinsentscheid
* Märkte & Korrelationen im Überblick
* Risk Assets im Überblick
* DAX charttechnischer Ausblick
* Fazit
Geopolitische Lage
Auch zu Beginn der KW30 bleibt die Lage im Nahen Osten der größte Unsicherheitsfaktor für die globalen Finanzmärkte.
Der Fokus liegt weiterhin klar auf der Straße von Hormus. Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass sich die Situation bislang keineswegs nachhaltig entspannt hat. Vielmehr bleibt das Risiko einer weiteren Eskalation erhöht. Bereits zuletzt kam es zu deutlich reduziertem Schiffsverkehr, mehreren Tankern mit deaktivierten AIS-Signalen, verstärkter militärischer Präsenz sowie einer zunehmenden Überwachung wichtiger Handelsrouten. Gleichzeitig mehren sich Hinweise darauf, dass auch die Aktivitäten im Roten Meer sowie rund um Bab al-Mandab wieder zunehmen.
Sollte sich diese Entwicklung weiter verschärfen oder sogar zeitweise zu stärkeren Einschränkungen des Schiffsverkehrs führen, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt. Bereits in der vergangenen Woche reagierte US Oil mit einem kräftigen Anstieg von rund 14,5 %. Der Markt preist inzwischen wieder deutlich höhere geopolitische Risikoprämien ein.
Für die Kapitalmärkte ist dabei weniger die geopolitische Schlagzeile selbst entscheidend, sondern deren makroökonomische Konsequenz.
Steigende Ölpreise führen unmittelbar zu höheren Energiepreisen. Höhere Energiepreise wirken inflationsfördernd und erschweren den Notenbanken eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Dadurch steigen die Wahrscheinlichkeiten für länger anhaltend restriktive Zinssätze beziehungsweise spätere Zinssenkungen. Höhere Zinsen belasten wiederum die Unternehmensbewertungen, insbesondere wachstumsstarke Technologieunternehmen, und führen häufig zu einem Risk-Off-Sentiment an den Finanzmärkten.
Genau diese Kette beobachten Investoren derzeit sehr genau.
Ölpreis ↑ → Inflation ↑ → restriktivere Geldpolitik → höhere Zinsen → Druck auf Risk Assets.
Deshalb bleibt die geopolitische Entwicklung derzeit vermutlich der wichtigste externe Einflussfaktor für sämtliche Anlageklassen.
Neben dem Nahen Osten rückte zuletzt auch der Technologiesektor verstärkt in den Fokus.
Nach der außergewöhnlich starken Rally der vergangenen Monate setzte sich zuletzt eine deutliche Gewinnmitnahme im Halbleitersektor fort. Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete seine stärkste Wochenkorrektur seit über einem Jahr und befindet sich mittlerweile mehr als 20 % unter seinem Rekordhoch. Viele institutionelle Investoren reduzieren aktuell ihre Gewichtung im KI-Sektor, nachdem die Bewertungen zuvor historisch hohe Niveaus erreicht hatten.
Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus innerhalb des KI-Marktes.
Während Nvidia weiterhin der größte Profiteur der weltweiten AI-Infrastruktur bleibt, rückt Apple zunehmend stärker in den Mittelpunkt der Anleger. Hintergrund sind die Fortschritte bei Apple Intelligence sowie die Integration künstlicher Intelligenz in das gesamte Apple-Ökosystem. Investoren bewerten inzwischen weniger den Aufbau eigener Foundation-Modelle, sondern vielmehr Apples Fähigkeit, KI über Hardware, Services und das bestehende Ökosystem zu monetarisieren.
Reuters beschreibt diesen Wandel treffend: Apple wird inzwischen nicht mehr als Nachzügler im KI-Wettlauf gesehen, sondern zunehmend als Unternehmen mit besonders nachhaltigen und profitablen Monetarisierungsmöglichkeiten.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Nvidia seine Führungsrolle verliert. Vielmehr verbreitert sich der KI-Zyklus zunehmend. Neben Nvidia profitieren inzwischen auch Speicherchip-Hersteller, Halbleiterausrüster sowie weitere Infrastrukturunternehmen von den weltweit steigenden Investitionen in künstliche Intelligenz.
Kurzfristig bleibt dennoch Vorsicht angebracht. Nach der extremen Kursentwicklung der vergangenen Monate scheint sich der Markt aktuell in einer Phase der Neubewertung zu befinden. Gute Unternehmenszahlen allein reichen derzeit oftmals nicht mehr aus, um neue Allzeithochs auszulösen. Stattdessen reagieren Anleger zunehmend sensibel auf hohe Erwartungen, Bewertungen sowie zukünftige Prognosen der Unternehmen.
Gerade deshalb dürfte die nun anstehende Berichtssaison für den Technologiesektor eine entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung der US-Indizes spielen.
Earnings Season Q2
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal hat insgesamt einen sehr soliden Start hingelegt.
Besonders die großen US-Banken konnten in der vergangenen Woche überwiegend überzeugen und bestätigten erneut die robuste Verfassung des Finanzsektors. Gleichzeitig sorgten ASML sowie TSMC mit starken Quartalszahlen und einem weiterhin positiven KI-Ausblick für wichtige Impulse im Halbleiterbereich.
Dennoch konnten diese starken Ergebnisse die zuletzt zunehmenden Gewinnmitnahmen im Technologiesektor nicht vollständig verhindern. Der Markt befindet sich aktuell in einer Phase, in der nicht mehr allein gute Zahlen ausreichen. Vielmehr müssen Unternehmen die bereits sehr hohen Erwartungen der Investoren übertreffen und gleichzeitig einen überzeugenden Ausblick für die kommenden Quartale liefern.
Genau deshalb dürfte die KW30 eine der wichtigsten Wochen der bisherigen Berichtssaison werden.
Für den deutschen Markt stehen insbesondere die Zahlen von SAP, Deutsche Börse sowie Volkswagen im Mittelpunkt. Vor allem SAP besitzt aufgrund seiner hohen Gewichtung im DAX das Potenzial, den gesamten deutschen Leitindex spürbar zu beeinflussen.
International richtet sich der Fokus dagegen klar auf die großen US-Technologieunternehmen.
Besondere Aufmerksamkeit erhalten Alphabet und Tesla. Alphabet dürfte erneut wichtige Hinweise zur Entwicklung der weltweiten KI-Investitionen liefern, während bei Tesla neben den Fahrzeugauslieferungen insbesondere Aussagen zu Full Self Driving, Robotaxi sowie zukünftigen Wachstumsfeldern im Mittelpunkt stehen.
Ebenso spannend werden die Zahlen von Intel. Nach den zuletzt schwächeren Entwicklungen im klassischen Halbleitergeschäft wird der Markt genau beobachten, ob sich erste Verbesserungen im KI- und Foundry-Geschäft abzeichnen.
Daneben berichten zahlreiche weitere Schwergewichte wie Texas Instruments, ServiceNow, 3M, Capital One, General Motors, Thermo Fisher, RTX, Lockheed Martin, American Express, ExxonMobil oder Volkswagen.
Insgesamt dürfte die Berichtssaison damit zum wichtigsten fundamentalen Kurstreiber der kommenden Handelswoche werden
Fundamentale Wirtschaftsdaten der KW30 im Überblick
Nachdem die Vorwoche insbesondere durch die Inflationsdaten geprägt wurde, fällt der makroökonomische Kalender in der KW30 insgesamt etwas ruhiger aus. Dennoch stehen mehrere Termine auf der Agenda, die insbesondere für die Zinserwartungen der Notenbanken sowie die Entwicklung an den Aktien- und Anleihemärkten relevant werden könnten.
Der absolute Schwerpunkt der Woche liegt dabei eindeutig auf dem EZB-Zinsentscheid am Donnerstag. Daneben stehen mehrere Einkaufsmanagerindizes (PMIs), die US-Arbeitsmarktdaten in Form der Initial Jobless Claims sowie die US-Rohöllagerbestände im Fokus der Anleger.
Montag
Zum Wochenauftakt werden die deutschen Erzeugerpreise (German Producer Price Index, PPI) veröffentlicht. Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für zukünftige Verbraucherpreise und liefern Hinweise darauf, wie sich der Inflationsdruck innerhalb der Lieferketten entwickelt.
Zusätzlich erscheint in den USA der Conference Board Leading Economic Index (LEI). Dieser Frühindikator fasst mehrere wirtschaftliche Kennzahlen zusammen und soll Hinweise auf die zukünftige Entwicklung der US-Konjunktur liefern. Beide Veröffentlichungen besitzen zwar keinen außergewöhnlich hohen Marktimpact, geben jedoch einen ersten Eindruck über den wirtschaftlichen Zustand zum Wochenbeginn.
Dienstag
Der Dienstag verläuft aus makroökonomischer Sicht vergleichsweise ruhig.
Im Mittelpunkt stehen lediglich einige Reden von EZB-Vertretern, darunter Bundesbankpräsident Joachim Nagel, sowie die wöchentlichen API-Rohöllagerbestände am Abend.
Die API-Daten liefern oftmals bereits einen ersten Hinweis auf die offiziellen US-Rohöllagerbestände, welche am Mittwoch veröffentlicht werden. Aufgrund der aktuell angespannten Lage im Nahen Osten könnte der Ölmarkt auf diese Daten empfindlicher reagieren als gewöhnlich.
Mittwoch
Am Mittwoch richtet sich der Fokus zunächst auf die offiziellen US Crude Oil Inventories.
Gerade vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen rund um die Straße von Hormus dürften die Lagerbestände diesmal besonders aufmerksam verfolgt werden. Sinkende Lagerbestände bei gleichzeitig eingeschränktem Angebot könnten den Ölpreis zusätzlich unterstützen und damit den Inflationsdruck erneut erhöhen.
Daneben findet die Auktion 20-jähriger US-Staatsanleihen statt, welche Hinweise auf die aktuelle Nachfrage institutioneller Investoren nach langfristigen Staatsanleihen geben kann.
EZB-Zinsentscheid
Der Donnerstag stellt ohne Zweifel den wichtigsten Makrotag der gesamten Handelswoche dar.
Im Mittelpunkt stehen der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank, das Monetary Policy Statement sowie die anschließende Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Nach aktueller Marktbewertung rechnen rund 92 % aller Marktteilnehmer mit unveränderten Leitzinsen. Lediglich etwa 8 % erwarten überraschend eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
Der eigentliche Zinsentscheid gilt damit bereits weitgehend als eingepreist. Viel entscheidender dürfte daher erneut die Kommunikation der EZB werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Aussagen zur zukünftigen Inflationsentwicklung, zum wirtschaftlichen Ausblick innerhalb der Eurozone sowie zur weiteren geldpolitischen Strategie in den kommenden Monaten.
Vor allem die sogenannte Forward Guidance dürfte darüber entscheiden, wie sich Anleiherenditen, der Euro sowie europäische Aktien unmittelbar nach dem Entscheid entwickeln.
Interessant ist hierbei insbesondere der Blick auf die zukünftigen Zinserwartungen des Marktes.
Während für die Sitzung im Juli kaum Veränderungen erwartet werden, preisen die Geldmärkte für die September-Sitzung bereits eine Wahrscheinlichkeit von rund 78,6 % für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein.
Für die Sitzung Ende Oktober liegt die höchste Wahrscheinlichkeit aktuell ebenfalls bei einem Zinssatz von 2,50 %, allerdings steigt gleichzeitig bereits die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte deutlich an.
Bis Dezember erwartet der Markt mittlerweile mehrheitlich einen Einlagensatz von rund 2,75 %, was zeigt, dass Investoren trotz der zuletzt rückläufigen Inflationsdaten weiterhin von einer vergleichsweise restriktiven Geldpolitik ausgehen.
Damit bleibt die Kommunikation der EZB in dieser Woche wahrscheinlich wichtiger als der eigentliche Zinsschritt.
Initial Jobless Claims
Ebenfalls am Donnerstag erscheinen die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Diese Daten gelten als einer der aktuellsten Frühindikatoren für den amerikanischen Arbeitsmarkt und werden von der Federal Reserve besonders aufmerksam beobachtet.
Ein weiterhin robuster Arbeitsmarkt würde die Argumentation einer länger restriktiven Geldpolitik unterstützen. Deutlich schwächere Zahlen könnten dagegen erneut Hoffnungen auf zukünftige Zinssenkungen schüren.
EZB-Pressekonferenz
Nur wenige Minuten nach dem Zinsentscheid folgt die Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank.
Historisch betrachtet entstehen die größten Marktbewegungen häufig nicht durch den eigentlichen Zinssatz, sondern durch die Antworten der Notenbank auf Fragen zur zukünftigen Geldpolitik.
Besonders interessant dürfte werden, wie die EZB die zuletzt rückläufige Inflation bewertet und welchen Einfluss die wieder deutlich gestiegenen Energiepreise auf ihre weiteren Entscheidungen haben könnten.
Sollte die EZB einen restriktiveren Ton anschlagen als erwartet, könnte dies kurzfristig Druck auf europäische Aktienmärkte ausüben.
Freitag
Zum Wochenausklang stehen schließlich zahlreiche Einkaufsmanagerindizes aus Europa und den USA im Mittelpunkt.
Veröffentlicht werden unter anderem die HCOB Manufacturing PMI-, Services PMI- sowie Composite PMI-Daten für Deutschland und die Eurozone.
Am Nachmittag folgen anschließend die besonders marktbewegenden S&P Global Manufacturing PMI-, Services PMI- und Composite PMI-Daten für die USA.
Diese Frühindikatoren liefern einen sehr aktuellen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes sowie des Dienstleistungssektors und besitzen häufig erheblichen Einfluss auf die Zinserwartungen der Märkte.
Abgerundet wird der Handelstag durch die Veröffentlichung der US New Home Sales, welche Rückschlüsse auf die Entwicklung des amerikanischen Immobilienmarktes zulassen.
Inflation, Geldpolitik und aktueller Makroausblick
Bereits in der vergangenen Woche veröffentlichten sowohl die USA als auch die Eurozone überwiegend erfreuliche Inflationsdaten.
In den USA fiel insbesondere der Produzentenpreisindex sowie die Kerninflation insgesamt moderater aus als noch in den Vormonaten. Auch in Europa setzte sich der rückläufige Inflationstrend fort. Die Gesamtinflation sank gegenüber dem Vorjahr auf 2,8 %, während die Kerninflation auf 2,4 % zurückging. Gleichzeitig fiel die monatliche Inflationsrate mit -0,1 % ebenfalls moderat aus.
Diese Entwicklung bestätigt grundsätzlich, dass der Inflationsdruck zuletzt weiter nachgelassen hat.
Dennoch bleibt Vorsicht angebracht.
Die aktuell wieder deutlich steigenden Ölpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten könnten in den kommenden Monaten erneut spürbaren Druck auf die Verbraucherpreise ausüben. Energie bleibt einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Headline-Inflation und könnte den zuletzt positiven Trend teilweise wieder umkehren.
Sowohl die Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank haben in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass ein einzelner positiver Inflationsbericht nicht ausreicht, um den geldpolitischen Kurs grundlegend zu verändern.
Vielmehr benötigen beide Notenbanken mehrere aufeinanderfolgende Datenreihen, welche eine nachhaltige Rückkehr der Inflation in Richtung ihrer Zielmarken bestätigen.
Genau deshalb dürften neben den Inflationsdaten künftig insbesondere die Energiepreise sowie die geopolitische Entwicklung darüber entscheiden, wann erste Zinssenkungen beziehungsweise Lockerungen der Geldpolitik tatsächlich wieder realistischer werden.
Märkte & Korrelationen im Überblick
US Oil
Der Ölmarkt bleibt aktuell der wichtigste makroökonomische Indikator für die Entwicklung der kommenden Wochen.
Nachdem die geopolitische Lage im Nahen Osten erneut eskalierte und sich die Risiken rund um die Straße von Hormus deutlich erhöht haben, verzeichnete US Oil in der vergangenen Handelswoche einen kräftigen Anstieg von rund 14,5 %. Aktuell notiert der WTI-Preis wieder im Bereich von 81,78 US-Dollar und hat damit sämtliche Verluste seit Beginn der Eskalation wieder aufgeholt.
Aus charttechnischer Sicht konnte der Markt den wichtigen Widerstandsbereich um 79 US-Dollar nachhaltig überwinden. Dadurch rücken nun die nächsten Zielzonen in den Fokus. Die erste relevante Widerstandszone befindet sich im Bereich um 84 US-Dollar, wo gleichzeitig das offene Gap aus Mitte Juni verläuft. Darüber folgen die Bereiche um 86 US-Dollar sowie anschließend 88 bis 90 US-Dollar.
Sollte sich die geopolitische Lage weiter verschärfen oder es tatsächlich zu stärkeren Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus kommen, halte ich einen weiteren Anstieg in diese Preisregionen für durchaus realistisch.
Makroökonomisch wäre dies allerdings problematisch.
Steigende Ölpreise erhöhen die Energiekosten für Unternehmen und Verbraucher, treiben die Gesamtinflation nach oben und erschweren den Notenbanken eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Genau deshalb beobachten Investoren den Ölpreis derzeit fast genauso aufmerksam wie Inflations- oder Arbeitsmarktdaten.
Sollte dagegen eine diplomatische Lösung gefunden werden und sich die Lage im Nahen Osten spürbar entspannen, könnte US Oil wieder unter die Zone um 76,50 US-Dollar zurückfallen. In diesem Fall würden für mich die Bereiche um 72 US-Dollar sowie später sogar 69 US-Dollar wieder in den Fokus rücken. Ein solcher Rückgang wäre gleichzeitig ein deutlich positives Signal für Risk Assets und würde den Inflationsdruck wieder reduzieren.
US-Staatsanleihen
Bei den US-Staatsanleihen zeigte sich in der vergangenen Woche insgesamt ein gemischtes Bild.
Die kurzfristigen Laufzeiten gaben leicht nach, während sich die langfristigen Renditen weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Niveau behaupten konnten. Trotz der zuletzt positiven Inflationsdaten waren bislang kaum nachhaltige Rückgänge bei den langfristigen Renditen zu beobachten.
Genau hierin liegt aktuell eine der wichtigsten Botschaften des Rentenmarktes.
Obwohl sowohl die USA als auch Europa zuletzt rückläufige Inflationszahlen veröffentlichten, preisen die Anleihemärkte bislang keine schnelle geldpolitische Lockerung ein. Vielmehr scheint der Markt davon auszugehen, dass die positiven Inflationsberichte zunächst lediglich eine Momentaufnahme darstellen könnten.
Vor allem die wieder deutlich steigenden Energiepreise sorgen dafür, dass Investoren weiterhin vorsichtig bleiben. Sollte Öl dauerhaft auf einem erhöhten Preisniveau notieren, könnten die kommenden Inflationsberichte wieder stärker ausfallen und damit weitere Zinssenkungen nach hinten verschieben.
Der Rentenmarkt signalisiert damit aktuell deutlich mehr Vorsicht als der reine Blick auf die jüngsten Inflationsdaten vermuten lässt.
US-Dollar (DXY)
Der US-Dollar zeigte sich in der vergangenen Woche etwas schwächer und verlor auf Wochenbasis rund 0,23 %. Hintergrund waren vor allem die insgesamt freundlichen Inflationsdaten aus den USA, welche kurzfristig Hoffnungen auf eine etwas lockerere Geldpolitik unterstützten.
Charttechnisch bleibt der Bereich zwischen 100,50 und 100,60 Punkten jedoch weiterhin eine zentrale Unterstützungszone.
Solange sich der Dollar oberhalb dieser Zone behaupten kann, bleibt eine Erholung in Richtung 101, anschließend 101,50 und später 102 Punkte durchaus möglich.
Sollte der Dollar dagegen nachhaltig unter 100,50 fallen, würden aus charttechnischer Sicht zunächst 100 Punkte und anschließend 99,50 Punkte als nächste Zielbereiche in den Fokus rücken.
Welche Richtung letztendlich eingeschlagen wird, dürfte maßgeblich von der geopolitischen Entwicklung, den anstehenden Konjunkturdaten sowie der Kommunikation der EZB und der Federal Reserve abhängen.
Volatilitätsindex (VIX)
Auch der Volatilitätsindex legte in der vergangenen Woche deutlich zu.
Mit einem Wochenanstieg von rund 26 % stieg der VIX zeitweise bis in den Bereich von 19,5 Punkten und schloss die Woche bei rund 18,8 Punkten.
Der Anstieg verdeutlicht, dass die Unsicherheit unter institutionellen Investoren wieder deutlich zunimmt.
Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe:
* Eskalation im Nahen Osten
* steigende Ölpreise
* zunehmende Gewinnmitnahmen im KI- und Halbleitersektor
* Beginn der entscheidenden Phase der Berichtssaison
* EZB-Zinsentscheidung in dieser Woche
Historisch betrachtet führt ein steigender VIX häufig zu höheren täglichen Schwankungen an den Aktienmärkten. Anleger sollten deshalb auch in der KW30 mit einer erhöhten Volatilität rechnen.
Risk Assets im Überblick
Nvidia
Nvidia verlor in der vergangenen Woche knapp 4 % und schloss bei rund 202,80 US-Dollar.
Nach der außergewöhnlich starken Rally der vergangenen Monate befindet sich die Aktie aktuell in einer gesunden Konsolidierungsphase. Gleichzeitig nimmt der gesamte Halbleitersektor derzeit Gewinne mit, nachdem die Bewertungen zuvor deutlich gestiegen waren.
Für mich bleibt kurzfristig insbesondere die Zone zwischen 198 und 200 US-Dollar entscheidend.
Solange Nvidia diesen Bereich verteidigen kann, bleibt das übergeordnete Aufwärtsbild intakt. Oberhalb dieser Unterstützung liegen die nächsten relevanten Widerstände bei 213, anschließend 217 und später wieder im Bereich der bisherigen Allzeithochs um 230 US-Dollar.
Sollte die Aktie dagegen nachhaltig unter 198 US-Dollar fallen, rücken zunächst 195 und anschließend 190 US-Dollar als nächste Unterstützungsbereiche in den Fokus.
Entscheidend dürfte hierbei insbesondere der weitere Verlauf der Berichtssaison sein. Gute Quartalszahlen allein werden vermutlich nicht ausreichen – vielmehr werden Investoren sehr genau auf den zukünftigen KI-Ausblick der Unternehmen achten.
Bitcoin
Bitcoin zeigte sich zuletzt deutlich robuster als viele Aktienmärkte und konnte die vergangene Woche sogar mit einem leichten Plus von rund 1,5 % abschließen.
Aktuell notiert Bitcoin im Bereich von 64.700 US-Dollar.
Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 65.000 und 65.700 US-Dollar weiterhin der wichtigste Widerstandsbereich. Hier verlaufen mehrere markante Hoch- und Tiefpunkte der vergangenen Monate.
Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone könnte den Weg in Richtung 67.000 US-Dollar sowie später 69.000 bis 70.000 US-Dollar freimachen.
Sollte Bitcoin dagegen erneut an diesem Bereich scheitern, bleiben Rücksetzer in Richtung 61.000 beziehungsweise 60.000 US-Dollar durchaus möglich.
Übergeordnet bleibe ich kurzfristig weiterhin vorsichtig, bis dieser zentrale Widerstandsbereich nachhaltig überwunden werden kann.
S&P 500
Auch der S&P 500 musste in der vergangenen Woche eine spürbare Korrektur hinnehmen. Trotz der insgesamt positiven Inflationsdaten aus den USA dominierten letztlich die geopolitischen Risiken sowie die Gewinnmitnahmen im Technologiesektor das Marktgeschehen. Auf Wochenbasis verlor der Index rund 1,63 % und schloss knapp unter der wichtigen Marke von 7.500 Punkten.
Charttechnisch bleibt diese Zone für mich der entscheidende Orientierungspunkt für die kommende Handelswoche.
Kann sich der S&P 500 wieder nachhaltig über 7.500 Punkten etablieren, bleibt das übergeordnete bullische Bild weiterhin intakt. In diesem Fall wären neue Allzeithochs in den kommenden Wochen durchaus denkbar.
Sollte der Index dagegen nachhaltig unter dieser Marke bleiben, rücken zunächst 7.470 Punkte als erste Unterstützung in den Fokus. Darunter folgen 7.396 sowie anschließend 7.356 Punkte als nächste relevante Unterstützungsbereiche.
Trotz der aktuellen Korrektur befindet sich der Markt übergeordnet weiterhin in einer intakten Aufwärtsstruktur. Bislang sehen wir lediglich eine gesunde Konsolidierung innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends. Entscheidend wird nun sein, ob die anstehenden Unternehmenszahlen sowie die geopolitische Entwicklung ausreichen, um neues Kaufinteresse zu erzeugen.
Nasdaq
Der Nasdaq verzeichnete in der vergangenen Woche die deutlichste Schwäche unter den großen US-Indizes und verlor rund 3,8 %. Hauptursache hierfür waren die starken Gewinnmitnahmen im Halbleiter- und KI-Sektor.
Besonders wichtig bleibt nun die Unterstützung im Bereich von 28.200 Punkten. Dort verläuft aktuell das übergeordnete Strukturtief der vergangenen Wochen.
Sollte diese Zone in der KW30 unterschritten werden, würde sich das charttechnische Bild zunächst weiter eintrüben. In diesem Fall wäre eine Ausweitung der Korrektur bis in den Bereich von 27.500 Punkten durchaus realistisch.
Gelingt dagegen eine Stabilisierung und ein nachhaltiger Anstieg zurück über 29.000 Punkte, würde sich das kurzfristige Bild wieder deutlich verbessern. Anschließend wären zunächst 29.500 und später auch wieder die psychologisch wichtige Marke von 30.000 Punkten erreichbar.
Die Richtung dürfte in dieser Woche maßgeblich durch die Quartalszahlen von Alphabet, Tesla und Intel bestimmt werden. Gleichzeitig bleibt der Technologiesektor besonders sensibel gegenüber Veränderungen der Zinserwartungen sowie der geopolitischen Lage.
Dow Jones (US30)
Auch der Dow Jones konnte sich dem allgemeinen Risk-Off-Sentiment nicht entziehen und verlor auf Wochensicht rund 1,1 %.
Bemerkenswert ist dabei, dass selbst die überwiegend starken Quartalszahlen der großen US-Banken den Index nicht nachhaltig stützen konnten.
Der Grund hierfür liegt weniger in den Unternehmenszahlen selbst, sondern vielmehr im übergeordneten Marktumfeld. Die geopolitischen Spannungen, steigende Ölpreise sowie die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbanken führten dazu, dass viele Investoren trotz guter Fundamentaldaten ihre Risikoexponierung reduzierten.
Charttechnisch bleibt die Zone um 52.000 Punkte die wichtigste Unterstützung.
Sollte diese unterschritten werden, rücken 51.500 sowie anschließend 51.150 Punkte in den Fokus.
Für eine nachhaltige Verbesserung des kurzfristigen Chartbildes müsste sich der Dow Jones zunächst wieder oberhalb von 52.500 Punkten, idealerweise sogar über 53.000 Punkten, etablieren.
Dafür wären aus meiner Sicht allerdings mehrere Faktoren notwendig: eine Entspannung im Nahen Osten, rückläufige Ölpreise sowie eine insgesamt überzeugende Berichtssaison.
DAX charttechnischer Ausblick
Auch der DAX musste in der vergangenen Woche weiter korrigieren und verlor rund 1,18 %. Der Wochenabschluss erfolgte bei 24.814 Punkten.
Damit schloss der deutsche Leitindex zwar unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten, konnte jedoch die aus meiner Sicht entscheidende Unterstützungszone im Bereich von 24.800 Punkten zunächst verteidigen.
Genau diese Zone bleibt für mich der wichtigste Bereich der kommenden Handelswoche.
Hier verlaufen das Jahreshoch 2025 sowie das markante Monatshoch aus April. Entsprechend dürfte sich hier entscheiden, ob der DAX lediglich eine normale Korrektur innerhalb des langfristigen Aufwärtstrends vollzieht oder ob sich die Abwärtsbewegung zunächst weiter ausdehnt.
Für die KW30 ergeben sich für mich drei mögliche Szenarien:
Szenario 1 (bearish):
Der DAX fällt nachhaltig unter 24.800 Punkte, unterschreitet anschließend das Wochentief der KW29 im Bereich von 24.600 Punkten und setzt seine Korrektur bis zur Schlüsselunterstützung bei 24.500 Punkten fort.
Szenario 2 (neutral):
Der Markt stabilisiert sich zunächst oberhalb von 24.800 Punkten, startet eine technische Gegenbewegung zurück in Richtung 25.000 Punkte, bevor anschließend erneut Verkaufsdruck aufkommt.
Szenario 3 (bullish):
Der DAX gelingt eine nachhaltige Rückeroberung der 25.000 Punkte. Anschließend würde ein Ausbruch über 25.220 Punkte das kurzfristige Chartbild deutlich verbessern und weiteres Potenzial in Richtung 25.500 Punkte eröffnen.
Übergeordnet bleibe ich trotz der laufenden Korrektur weiterhin konstruktiv.
Vom bisherigen Allzeithoch beträgt der Rückgang aktuell rund fünf Prozent. Historisch betrachtet sind Korrekturen zwischen sechs und sieben Prozent innerhalb eines intakten Bullenmarktes keineswegs ungewöhnlich. Solange die zentrale Unterstützungszone im Bereich von 24.500 Punkten verteidigt werden kann, sehe ich den langfristigen Aufwärtstrend weiterhin als intakt an.
Für den DAX werden in dieser Woche insbesondere drei Faktoren entscheidend sein:
* Der EZB-Zinsentscheid inklusive der Pressekonferenz von Christine Lagarde.
* Die Quartalszahlen von SAP, Deutsche Börse und Volkswagen.
* Die weitere Entwicklung im Nahen Osten sowie deren Einfluss auf den Ölpreis.
Fazit
Die Handelswoche KW30 dürfte eine der spannendsten Wochen dieses Sommers werden.
Auf der einen Seite sprechen die zuletzt veröffentlichten Inflationsdaten sowohl in den USA als auch in Europa für eine weitere Entspannung des Preisauftriebs. Auf der anderen Seite sorgt die Eskalation im Nahen Osten wieder für steigende Ölpreise und damit für neue Inflationsrisiken. Genau diese beiden Kräfte dürften die Entwicklung an den Finanzmärkten in den kommenden Tagen maßgeblich bestimmen.
Hinzu kommt eine äußerst wichtige Phase der Berichtssaison. Vor allem die Quartalszahlen von Alphabet, Tesla, Intel und SAP werden zeigen, ob die hohen Bewertungen im Technologie- und KI-Sektor weiterhin gerechtfertigt sind oder ob die jüngste Korrektur zunächst noch weitergeht.
Aus charttechnischer Sicht befinden sich viele Indizes aktuell an entscheidenden Unterstützungszonen. Ob diese verteidigt werden können oder eine größere Korrektur eingeleitet wird, dürfte maßgeblich vom Zusammenspiel aus Geopolitik, Geldpolitik und Unternehmenszahlen abhängen.
Insgesamt bleibe ich übergeordnet weiterhin konstruktiv für die Aktienmärkte. Kurzfristig dürfte die Volatilität jedoch erhöht bleiben, weshalb insbesondere die Reaktionen auf den EZB-Zinsentscheid, die Berichtssaison und die geopolitischen Entwicklungen aufmerksam beobachtet werden sollten.
Keine Anlageberatung – dies stellt ausschließlich meine persönliche Marktanalyse und Einschätzung dar.
Ich wünsche euch einen erfolgreichen Start in die Handelswoche KW30 und wie immer stabile Trades.
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