MES Review 30.07.2026 – Ich sagte ruhig. Es kamen 108 Punkte

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Gestern früh habe ich geschrieben, es sei kein Auslöser in der Nähe
und ich rechne mit einem ruhigen Tag. Es wurde der größte
Aufwärtstag der Woche.

Das Interessante daran: Meine Level waren richtig. Falsch war nur,
was ich über ihre Erreichbarkeit gesagt habe. Und diesen Fehler
mache ich jetzt zum zweiten Mal in drei Tagen.


Was ich geschrieben hatte

Kurs bei 7364,25. Über uns eine Wand aus drei Hindernissen in nur
9 Punkten: 7409,00, dazu zwei gleitende Durchschnitte bei 7417 und
7418. Bestätigung: zwei Schlusskurse über 7418.

Dazu wörtlich: "Darüber wird es dünn. Bis zum nächsten Widerstand
bei 7468,25 liegen rund 50 Punkte fast ohne Zwischenstation."

Und der Satz, um den es geht: "Nach oben sind es 54 Punkte bis zur
Bestätigung, nach unten 41. Ich rechne heute mit weniger Handel als
an den letzten drei Tagen."


Was passiert ist

Die Wand fiel. Erst 7409, dann die beiden Durchschnitte.

Und dann passierte genau das, was ich beschrieben hatte: Der Kurs
lief durch die dünne Zone hindurch, ohne sich aufzuhalten. Durch
7468,25. Schluss bei 7472,50.

Vom Zeitpunkt meines Plans bis zum Schlusskurs waren das 108,25
Punkte. Beim Micro-S&P sind das 541 Dollar je Kontrakt.

In der Nacht ging es weiter bis 7504,50.


Wo ich falsch lag

Nicht bei den Leveln. Die Wand war da, wo ich sie beschrieben habe.
Die leere Zone dahinter war da, wo ich sie beschrieben habe, und
sie hat sich verhalten, wie ich es angekündigt hatte.

Falsch war die Schlussfolgerung: Weil beide Auslöser weit weg
waren, habe ich auf einen ruhigen Tag geschlossen.

Am 28. Juli habe ich denselben Fehler in der anderen Richtung
gemacht. Da war ein Auslöser nah und einer weit, und ich habe die
Aufmerksamkeit auf den nahen gelenkt. Gelaufen ist der weite.

Zweimal derselbe Denkfehler: Entfernung ist keine
Wahrscheinlichkeit. Ein Level 54 Punkte entfernt kann in vier
Stunden erreicht werden, wenn ein Grund da ist. Und einen Grund
sehe ich morgens um sieben nicht.

Was ich daraus für die Zukunft ändere: Ich schreibe nicht mehr
dazu, wie wahrscheinlich ich etwas halte. Ich schreibe hin, wo die
Auslöser liegen und was dahinter passiert. Die Einschätzung, ob es
dazu kommt, hat mir in drei Tagen zweimal geschadet und nie
geholfen.


Das Muster, das ich vorgestern gemeldet habe, ist geplatzt

In der letzten Auswertung habe ich notiert: Dreimal in Folge hielt
ein Ausbruch nach oben stundenlang und lieferte trotzdem nur 12 bis
20 Punkte statt des gerechneten Ziels.

Gestern war der vierte Fall. Diesmal lief er voll durch und ging
über das Ziel hinaus.

Drei Beobachtungen waren also kein Muster, sondern drei
Beobachtungen. Ich lasse den Eintrag trotzdem stehen – gerade weil
er widerlegt wurde. Das ist der Unterschied zwischen einem
Protokoll und einer Sammlung von Belegen für das, was man ohnehin
glaubt.


Was den Markt bewegt hat

Microsoft. Die Aktie sprang 15,5 Prozent, nachdem das Unternehmen
am Vorabend gezeigt hatte, dass sich die riesigen Ausgaben für
Künstliche Intelligenz tatsächlich in Gewinn übersetzen.

Damit war die Frage beantwortet, die den Markt eine Woche lang
gedrückt hatte. Der Technologiesektor im S&P 500 legte fast
5 Prozent zu – der grösste Tagesgewinn seit April 2025. Der Nasdaq
beendete eine sechstägige Verlustserie.

Und das alles, obwohl gleichzeitig neue US-Angriffe gegen Iran
liefen und die Anleiherenditen weiter oben blieben. Der Markt hat
beides zur Kenntnis genommen und ignoriert.

Zur Einordnung, wie schnell das kippt: Der südkoreanische Leitindex
Kospi musste am Dienstag den Handel unterbrechen, weil er über
10 Prozent gefallen war. Heute Nacht musste er ihn wieder
unterbrechen – weil er über 13 Prozent gestiegen ist. Gleicher
Index, gleiche Aktien, drei Tage Abstand.


Für die Neuen

Ich habe vorgestern hier notiert, dass ich dreimal hintereinander
dasselbe beobachtet habe, und daraus einen Hinweis gemacht.
Gestern ist er geplatzt.

Drei Beobachtungen sind kein Muster. Zehn sind es meistens auch
nicht. Unser Kopf ist darauf gebaut, Regelmässigkeiten zu finden,
und er findet sie auch dort, wo keine sind – besonders wenn wir
uns wünschen, dass es welche gibt.

Der praktische Umgang damit ist unspektakulär: Beobachtung
aufschreiben, mit Datum, und erst dann Schlüsse ziehen, wenn genug
Fälle da sind. Und die Fälle, die dagegen sprechen, genauso
aufschreiben wie die dafür. Wer nur mitschreibt, was passt, hat
kein Protokoll, sondern eine Sammlung.

Das gilt für Chartmuster genauso wie für den Satz "immer wenn
Montag, dann...".


Zum Schluss

Der Chart hier ist 15 Minuten, damit man den Zusammenhang sieht.
Meine Bestätigungsregeln beziehen sich auf den 2-Minuten-Chart –
dieselben Level, nur feiner aufgelöst.

Der Plan von gestern ist unten verlinkt, mit Zeitstempel. Das hier
ist die Auswertung – inklusive des Satzes, den ich mir hätte
sparen sollen.

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