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DAX Tagesausblick 18. Juni– Hawkishe FED, wo bleiben die Shorts?

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Geopolitische Lage: Iran-Deal bleibt aktuell das dominierende Makro-Thema

Während sich die Aufmerksamkeit vieler Marktteilnehmer auf die gestrige FED-Sitzung gerichtet hat, bleibt die geopolitische Entwicklung rund um den Nahen Osten aktuell der wichtigste Treiber für die globalen Finanzmärkte.

Die USA und der Iran haben in dieser Woche ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet, das zunächst eine 60-tägige Verhandlungsphase einleitet. Nach Angaben beider Seiten wurde das Memorandum bereits von US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten unterzeichnet und ist laut iranischen Regierungsvertretern bereits in Kraft getreten.

Der Inhalt des Abkommens umfasst unter anderem die Verlängerung der Waffenruhe, die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormuz, die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte sowie umfangreiche wirtschaftliche Investitionen in den Wiederaufbau des Landes. Gleichzeitig soll die Internationale Atomenergiebehörde die weitere Entwicklung des iranischen Atomprogramms überwachen.

Auch die G7-Staaten begrüßten die Fortschritte und forderten zusätzlich eine Waffenruhe im Libanon. Gleichzeitig bleibt die Situation angespannt. Israel führte erneut Luftschläge gegen Ziele im Libanon durch, während es weiterhin Spannungen mit der Hisbollah gibt. Präsident Trump machte zudem deutlich, dass die USA bei einem Scheitern des Abkommens erneut militärisch eingreifen würden.

Insgesamt bleibt das Risiko im Nahen Osten bestehen, allerdings hat sich die Wahrscheinlichkeit eines unmittelbaren Öl- oder Versorgungsschocks gegenüber der Vorwoche deutlich reduziert. Genau dieser Faktor dürfte aktuell kurzfristig schwerer wiegen als die hawkischen Aussagen der FED.

Auch in Asien gab es weitere positive Signale. Die Spannungen zwischen China und Taiwan haben sich zuletzt nicht weiter verschärft. Zudem setzen die USA und China ihre Gespräche über Handels- und Wirtschaftsfragen fort. Zusammen mit den Fortschritten im Nahen Osten sorgt dies aktuell für eine spürbare Entspannung auf geopolitischer Ebene.

Fundamentale Wirtschaftsdaten gestern

Auch auf der Datenseite gab es gestern zahlreiche wichtige Veröffentlichungen.

In Europa stieg die Inflation im Jahresvergleich wie erwartet von 3,0 % auf 3,2 %. Die Kerninflation legte sogar von 2,2 % auf 2,6 % zu und lag damit leicht über den Erwartungen. Lediglich die monatliche Entwicklung zeigte mit 0,1 % weiterhin eine gewisse Stabilisierung.

In den USA standen vor allem die Einzelhandelsumsätze im Fokus. Die Retail Sales stiegen mit 0,9 % deutlich stärker als erwartet. Erwartet wurden lediglich 0,5 %, nachdem der Vormonat bei 0,4 % gelegen hatte.

Die Einzelhandelsumsätze gelten als einer der wichtigsten Indikatoren für den privaten Konsum. Da der Konsum den größten Teil der US-Wirtschaft ausmacht, zeigen steigende Retail Sales grundsätzlich eine robuste wirtschaftliche Entwicklung und sprechen gegen eine unmittelbar bevorstehende Rezession.

Auch die Core Retail Sales konnten positiv überraschen. Hier stieg der Wert auf 0,8 % und lag damit ebenfalls über den Erwartungen von 0,6 %. Die Daten zeigen, dass die Nachfrage der Verbraucher trotz höherer Finanzierungskosten weiterhin stabil bleibt.

Zusätzlich stieg das GDPNow-Modell der Atlanta FED zuletzt auf rund 3 %. Zusammen mit den starken Konsumdaten ergibt sich weiterhin das Bild einer widerstandsfähigen US-Wirtschaft.

Bei den Rohöllagerbeständen wurde hingegen ein deutlicher Rückgang um 8,263 Millionen Barrel gemeldet. Erwartet worden war lediglich ein Rückgang von 3,6 Millionen Barrel. Fundamental betrachtet wären diese Daten eigentlich klar bullish für Öl gewesen. Dennoch setzte sich die Schwäche im Ölmarkt fort, da die Entspannung im Nahen Osten aktuell deutlich stärker gewichtet wird als die Lagerbestandsdaten.

FED: Zinsen unverändert, Ton deutlich hawkisher

Wie erwartet beließ die FED den Leitzins in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 %.

Die eigentliche Überraschung lag jedoch nicht in der Zinsentscheidung selbst, sondern im Tonfall des Statements, den Economic Projections sowie der anschließenden Pressekonferenz von FED-Chef Kevin Warsh.

Im Statement betonte die FED erneut, dass die Inflation weiterhin deutlich über dem 2-Prozent-Ziel liegt. Gleichzeitig hob die Notenbank die robuste Entwicklung von Produktivität, Investitionen und Arbeitsmarkt hervor.

Im Dot Plot verschob sich die Erwartung der FED-Mitglieder weiter nach oben. Neun von neunzehn Mitgliedern rechnen inzwischen mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung bis Ende 2026. Gleichzeitig wurden die Inflationserwartungen angehoben und die Wachstumserwartungen leicht reduziert.

Auch Kevin Warsh zeigte sich in der Pressekonferenz deutlich restriktiver als viele Marktteilnehmer erwartet hatten (inklusive mir ;)). Er stellte klar, dass Preisstabilität oberste Priorität habe und dass die FED künftig deutlich weniger Forward Guidance liefern werde.

Die gestrige Sitzung war damit eindeutig hawkish.


Trotzdem stellt sich die Frage, warum die Aktienmärkte nicht deutlich stärker unter Druck geraten sind.


Die Antwort liegt vermutlich in der geopolitischen Entwicklung. Die Entspannung im Nahen Osten, fallende Ölpreise und die Aussicht auf sinkende Inflationsrisiken durch eine Wiederöffnung der Straße von Hormuz wirken aktuell als Gegengewicht zur restriktiveren Geldpolitik.

Fundamentale Wirtschaftsdaten heute

Heute wird der Datenkalender etwas ruhiger, aber trotzdem nicht unwichtig. Am Vormittag und Mittag stehen mehrere EZB-Speaker im Fokus. Hier bleibt entscheidend, wie die EZB die zuletzt wieder gestiegene Inflation in Europa einordnet und ob sie sich durch die Entspannung beim Ölpreis bereits etwas beruhigter zeigt.

Am Nachmittag rücken dann vor allem die US-Arbeitsmarktdaten in den Fokus. Die Initial Jobless Claims werden mit 225.000 erwartet, nach zuvor 229.000. Solange die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe niedrig bleiben, spricht das weiterhin für einen stabilen Arbeitsmarkt und gibt der FED keinen direkten Grund, kurzfristig dovisher zu werden.

Zusätzlich kommt der Philadelphia FED Manufacturing Index. Erwartet wird ein Anstieg auf 9,8, nach zuvor -0,4. Dieser Index misst die allgemeine Geschäftslage im verarbeitenden Gewerbe der Region Philadelphia. Werte über null zeigen eine Verbesserung der Bedingungen, Werte unter null eine Verschlechterung.

Sollte der Index deutlich stärker als erwartet ausfallen, würde das erneut für eine robuste US-Wirtschaft sprechen. Gleichzeitig wäre das aber auch ein weiterer Baustein für die hawkishe FED, weil eine stabile Wirtschaft höhere Zinsen länger verkraften kann.

Märkte und Korrelationen im Überblick

Beim Ölmarkt bleibt die Bewegung sehr spannend. Trotz der extrem schwachen Rohöllagerbestände, also eines Rückgangs um 8,263 Millionen Barrel, konnte Öl nicht nachhaltig steigen. Der Grund liegt klar in der geopolitischen Entspannung. Die Märkte preisen aktuell weniger Risikoaufschlag für den Nahen Osten ein.

US Oil steht aktuell im Bereich von 74,6 Dollar und notiert auf Wochensicht bereits rund 12 % tiefer. Damit bleibt der Abwärtstrend kurzfristig intakt. Solange Öl unter 77 Dollar bleibt, liegt für mich die nächste relevante Zone im Bereich von 70 Dollar.

Für Risk Assets ist das grundsätzlich positiv. Fallende Ölpreise bedeuten mittelfristig Entspannung bei Energiepreisen, Transportkosten und Inflationserwartungen. Genau deshalb wird die Nahost-Entspannung aktuell so stark vom Markt gewichtet.

Bei den US-Staatsanleihenrenditen sahen wir nach der FOMC-Sitzung dagegen eine klare hawkishe Reaktion. Besonders die kurz- und mittelfristigen Renditen sind stark angestiegen. Die 3-jährigen Renditen legten deutlich zu, ebenso die 5-jährigen und 10-jährigen. Die 30-jährigen Renditen zeigten sich dagegen schwächer.

Das zeigt, dass der Markt vor allem am kurzen Ende Zinserhöhungsrisiken einpreist. Die Hoffnung auf Zinssenkungen wurde weiter nach hinten verschoben. Genau das ist normalerweise Gegenwind für Growth-Werte, Nasdaq, Bitcoin und zinssensitive Assets.

Auch der US-Dollar zeigte gestern eine starke Reaktion. Der DXY konnte deutlich zulegen und lief aus dem Bereich um 99,5 wieder über die 100er-Marke. Für mich ist jetzt entscheidend, wie der Dollar am oberen Ende der aktuellen Range im Bereich 100,5 bis 100,6 reagiert. Sollte der DXY diesen Bereich nachhaltig durchbrechen und das Momentum aus steigenden Renditen, hawkisher FED und Safe-Haven-Nachfrage halten, wäre eine Ausweitung Richtung 101 möglich.

Der VIX zog gestern ebenfalls deutlich an und legte rund 15 % zu. Trotzdem notiert der Volatilitätsindex aktuell nur im Bereich um 17 und damit weiterhin unter der wichtigen 20er-Marke. Das bedeutet: Ja, Unsicherheit ist zurückgekommen, aber wir sehen noch keine echte Stressphase am Markt.

Risk Assets im Überblick

Nvidia

Nvidia zeigte gestern erneut Schwäche und verlor rund 1,3 %. Die Aktie konnte den Bereich um 212 Dollar nicht nachhaltig nach oben durchbrechen. Für das bullische Szenario bleibt entscheidend, dass Nvidia entweder wieder über 212 Dollar ausbricht oder die Unterstützungszone bei 200 bis 198 Dollar verteidigt.

Ein Bruch unter 198 Dollar wäre kurzfristig kritisch, da Nvidia als KI-Leader weiterhin eine wichtige Signalwirkung für den gesamten Nasdaq hat.

Bitcoin

Bitcoin zeigte gestern ebenfalls Schwäche. Nach dem Bruch des Tagestiefs vom Dienstag kam es wie erwartet zu weiterem Verkaufsdruck. Im aktuellen Marktumfeld mit hawkisher FED, stärkerem Dollar und steigenden Renditen bleibt Bitcoin anfällig.

Solange Bitcoin keinen starken Daily Close liefert, bleibe ich hier vorsichtig. Einen erneuten Rücklauf in Richtung 60.000 Dollar kann ich mir weiterhin vorstellen. Long-Setups werden für mich erst wieder interessanter, wenn Bitcoin auf Tagesbasis Stärke zeigt und wichtige Widerstände zurückerobert.

SPX

Der S&P 500 reagierte gestern nach dem FOMC-Newsblock zunächst deutlich schwächer. Der Index verlor rund 1,23 % und schloss sogar unterhalb der 7.500er-Zone. Gleichzeitig kam über Nacht in der Asia-Session wieder Unterstützung in den Markt.

Für mich bleibt die 7.500er-Zone jetzt entscheidend. Solange der S&P 500 diesen Bereich zurückerobern und verteidigen kann, bleibt eine Stabilisierung möglich. Sollte der Index jedoch erneut unter das gestrige Tagestief und unter 7.500 fallen, sehe ich weiteres Abwärtsrisiko in Richtung des Wochentiefs aus KW23 bei rund 7.360.

Für ein neues Long-Signal müsste der S&P 500 zunächst das gestrige Tageshoch im Bereich 7.615 zurückerobern. Erst dann wäre wieder mehr Momentum auf der Oberseite möglich.

NASDAQ

Im Nasdaq wurde gestern zwischenzeitlich die 30.000er-Marke unterschritten. Auch hier kam nach dem FOMC-Schock Verkaufsdruck auf, allerdings wurde der Rücksetzer bereits wieder teilweise aufgekauft.

Für den heutigen Handelstag ist die 30.000er-Marke der zentrale Bereich. Solange der Nasdaq darüber bleibt, kann sich der Markt stabilisieren. Sollte der Nasdaq jedoch erneut unter 30.000 fallen und darunter schließen, sehe ich weiteres Risiko in Richtung 29.500.

Auf der Oberseite wäre für Longs wichtig, dass der Nasdaq das gestrige Tageshoch bei rund 30.265 zurückerobert. Dann wäre ein weiterer Push in Richtung 30.500 möglich.

US30

Beim Dow Jones beziehungsweise US30 sahen wir gestern zunächst einen starken Peak bis fast 52.500 und damit neue Allzeithochs. Danach kam jedoch deutlicher Verkaufsdruck auf und der Index schloss wieder unter 52.000.

Aktuell wird die 52.000er-Zone erneut getestet. Sollte US30 hier scheitern und gleichzeitig das gestrige Tagestief sowie die Zone um 51.500 verlieren, wären weitere Shorts in Richtung 51.000 für mich denkbar. Für Longs müsste der Markt die 52.000 nachhaltig zurückerobern und verteidigen.

DAX Tagesausblick

Der DAX zeigt im Vergleich zu den US-Indizes aktuell das stärkere Bild. Während die US-Indizes nach der hawkischen FED unter Druck standen, konnte der DAX gestern trotz allem mit einem Plus von rund 0,5 % schließen.

Heute Morgen wurde bereits das gestrige Tageshoch gebrochen und der Index notiert im Bereich um 25.050 Punkte. Damit bleibt das übergeordnete charttechnische Bild weiterhin bullisch.

Für mich ist jetzt entscheidend, ob der DAX das Tageshoch vom Dienstag im Bereich um 25.120-25.150 herausnehmen kann. Gelingt ein nachhaltiger Bruch über diese Zone, wären weitere Impulse in Richtung 25.300 bis 25.400 denkbar.

Trotzdem bleibe ich vorsichtig. Die FED war gestern eindeutig hawkish. Die Zinssenkungshoffnungen wurden weiter nach hinten verschoben und der Markt preist sogar wieder Zinserhöhungsrisiken ein. Normalerweise wäre das klarer Gegenwind für Aktien.

Der Grund, warum der DAX trotzdem stabil bleibt, liegt in der massiven Entspannung beim Ölpreis und der geopolitischen Lage. Europa profitiert besonders von fallenden Energiepreisen. Deshalb kann der DAX kurzfristig stärker performen als die US-Tech-Indizes.

Ein Short-Szenario wird für mich erst interessant, wenn der DAX zunächst die Hochs im Bereich 25.120 abgreift, dort eine klare Rejection zeigt und anschließend wieder unter die 25.000er-Zone fällt. Für bestätigte Shorts wäre ein Bruch unter die Tagestiefs von Dienstag und Mittwoch im Bereich um 24.700 wichtig.

Unterhalb von 24.700 wären Rückläufe in Richtung 24.650 und anschließend 24.500 möglich.

Solange der DAX aber über 25.000 bleibt und die US-Futures stabil bleiben, ist das kurzfristige Momentum weiterhin bullisch.

Fazit für den heutigen Handelstag

Die FED war gestern klar hawkish. Der Leitzins blieb zwar unverändert, aber Statement, Dot Plot, Economic Projections und Pressekonferenz zeigen deutlich: Higher for Longer bleibt das Hauptthema, und weitere Zinserhöhungen sind nicht vom Tisch.

Gleichzeitig hat sich die geopolitische Lage im Nahen Osten massiv entspannt. Der Iran-Deal, die Öffnung der Straße von Hormuz, fallende Ölpreise und die Aussicht auf niedrigere Energie- und Inflationsrisiken wirken aktuell als starkes Gegengewicht zur FED.

Genau deshalb fallen die Märkte nicht sofort durch. Der Markt handelt nicht nur die FED, sondern auch die Frage, ob der Öl- und Inflationsschock der letzten Wochen gerade wieder aus dem Markt gepreist wird.

Für den DAX bleibt mein Bias kurzfristig neutral bis leicht bullish, solange wir über 25.000 bleiben und die Zone um 25.160 nachhaltig brechen können. Unterhalb von 24.700 würde sich das Bild dagegen wieder klar eintrüben.

Ich werde heute Mittag noch ein separates Video zur FED hochladen, in dem ich die Economic Projections, den Dot Plot und die Pressekonferenz von Kevin Warsh ausführlich auseinandernehme.

Wichtigestes Wort zum schluss:

Ich würde heute nicht blind shorten, jedoch bin ich sehr vorsichtig mit neuen Longs. Durch die Daten der Fed gestern, reicht es, wenn kleine geopolitische negative Headlines rein kommen um stärkere Abverkäufe in den Indizes in Gang zu bringen. Die entscheidenden Level habe ich oben durchgegeben, ich suche aktiv eher nach Shorts MIT BESTÄTIGUNG!

Keine Anlageberatung, nur meine persönliche Markteinschätzung. Allen einen stabilen Handelstag.

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