Guten Morgen zusammen,
der Dienstag startet nach einem außergewöhnlich starken Wochenauftakt an den internationalen Aktienmärkten. Vor allem der wieder aufflammende KI-Boom hat gestern für massive Bewegungen bei den US-Indizes gesorgt. Der Nasdaq konnte einen neuen Rekordschluss markieren, AMD überschritt erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar Marktkapitalisierung und auch der S&P 500 notiert auf Allzeithochs. Gleichzeitig sind die US-Renditen zurückgekommen und der Ölpreis deutlich gefallen.
Damit haben wir momentan ein interessantes Marktumfeld: Auf der einen Seite stehen weiterhin hohe Inflationsraten, eine eher hawkishe Kommunikation der Fed und geopolitische Risiken. Auf der anderen Seite sehen wir eine enorme Stärke bei den Risk Assets. Genau diese Diskrepanz macht den heutigen Handelstag für mich besonders interessant.
Agenda
Geopolitische Lage
Fundamentale Wirtschaftsdaten gestern
Fundamentale Wirtschaftsdaten heute
Märkte und Korrelationen im Überblick
Risk Assets im Überblick
DAX Tagesausblick
Fazit
Geopolitische Lage
Geopolitisch bleibt die Situation weiterhin angespannt, insbesondere im Jemen und rund um die wichtigen Handelsrouten im Roten Meer und der Straße von Hormus.
Die Houthis versuchen weiterhin, ihre Positionen im Jemen auszubauen und setzen dabei auch Saudi-Arabien unter Druck. Gleichzeitig haben die G7 den Iran aufgefordert, die Houthis nicht weiter mit Waffen und Unterstützung zu versorgen. Die G7 bezeichneten die anhaltenden Houthi-Angriffe als Gefahr für den internationalen Handel und die Stabilität.
Gleichzeitig sehen wir auf der diplomatischen Seite weiterhin Bemühungen um eine Entspannung. Genau das ist aktuell auch einer der Gründe, warum der Ölpreis deutlich zurückgekommen ist. Saudi-Arabien erhöht seine Ölexporte wieder und der Markt preist momentan zumindest teilweise eine Verbesserung der Versorgungslage ein. Der Ölpreis reagiert damit aktuell sehr stark auf jede neue geopolitische Schlagzeile.
Auch Großbritannien hat Saudi-Arabien inzwischen zeitlich begrenzte defensive Unterstützung bei der Luftbetankung zugesagt. Damit bleibt die Situation zwar angespannt, gleichzeitig wird aber versucht, die wichtigen Handels- und Energierouten zu stabilisieren.
Für mich bleibt die Geopolitik damit auch heute der große Joker. Solange es keine neue Eskalation gibt und die Ölströme weiter stabilisieren, nimmt das kurzfristig etwas Risiko aus dem Markt.
Fundamentale Wirtschaftsdaten gestern
Fundamental war der Montag zunächst relativ ruhig angesetzt. Neben der EZB-Präsidentin Christine Lagarde standen allerdings im Tagesverlauf mehrere Aussagen von US-Notenbankern im Fokus.
Besonders interessant waren die Aussagen von Fed-Gouverneur Austan Goolsbee. Er verwies darauf, dass sich die Inflation nicht mehr ausschließlich mit vergangenen Angebots- und Energieschocks erklären lässt. Vielmehr gebe es zunehmend Hinweise auf nachfragegetriebene Inflation und anhaltenden Preisdruck im Dienstleistungssektor. Gleichzeitig betonte er, dass bei überzeugenden Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation in Richtung 2 % auch wieder niedrigere Zinsen möglich wären.
Noch restriktiver klangen die Aussagen von Fed-Gouverneur Michael Musalem. Er sieht weitere Zinserhöhungen als wahrscheinlich an, um die Inflation nachhaltig zu reduzieren. Gerade die Kombination aus weiterhin relativ stabilem Arbeitsmarkt und zu hoher Inflation bleibt damit ein wichtiger Faktor für die weitere Geldpolitik.
Und genau hier wird es für mich interessant: Trotz dieser eigentlich eher hawkishen Aussagen haben die Aktienmärkte gestern massiv nach oben reagiert.
Der entscheidende Treiber war der erneute KI-Boom. AMD überschritt erstmals eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar und schloss mit einem massiven Kursanstieg. Zusammen mit weiteren Chip- und KI-Unternehmen führte das zu einem starken Anstieg im Nasdaq und letztlich zu einem neuen Rekordschluss.
Der Markt scheint aktuell also einen erheblichen Teil der Inflations- und Zinsrisiken auszublenden und konzentriert sich stattdessen auf Wachstum, KI-Investitionen und die enorme Dynamik im Technologiesektor.
Zusätzlich bleiben die Gespräche zwischen den USA und China ein positiver Faktor. Im Vorfeld des geplanten Treffens zwischen Donald Trump und Xi Jinping wurden unter anderem Handel, Investitionen und künstliche Intelligenz diskutiert.
Politisch interessant ist außerdem eine aktuelle Reuters/Ipsos-Umfrage: Die Zustimmung zu Donald Trump liegt laut der am Montag veröffentlichten Erhebung bei 32 %, während 66 % seine Arbeit ablehnen. Unter registrierten Wählern lagen in der Umfrage die Demokraten bei der Frage nach der bevorzugten Partei für den Kongress bei 43 % gegenüber 35 % für die Republikaner. Die Erhebung bezieht sich auf 1.277 US-Erwachsene und hat eine Fehlermarge von drei Prozentpunkten. Das ist vor dem Hintergrund der im November anstehenden Midterm-Wahlen relevant, stellt aber selbstverständlich keine Prognose über den Wahlausgang dar.
Für die Märkte dürfte hier vor allem entscheidend sein, ob politische Themen in den kommenden Wochen stärker auf Wirtschafts-, Handels- oder Energiepolitik durchschlagen.
Fundamentale Wirtschaftsdaten heute
Auch heute ist der fundamentale Kalender vergleichsweise ruhig.
Auf der europäischen Seite stehen unter anderem Aussagen von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und Bundesbank-Vertreter Joachim Wuermeling beziehungsweise weitere Notenbank-Kommentare im Fokus. Dazu kommt später am Tag erneut EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Aus den USA ist unter anderem FOMC-Mitglied John Williams relevant.
Ansonsten bleibt die Woche insgesamt relativ datenarm. Für mich liegt der Fokus deshalb weniger auf einzelnen Konjunkturdaten, sondern weiterhin auf Headlines, Notenbank-Kommunikation und vor allem der geopolitischen Entwicklung.
Märkte und Korrelationen im Überblick
US Oil
Starten wir mit US Oil.
WTI hat gestern massiv korrigiert und rund 3,7 % verloren. Damit befinden wir uns jetzt genau an dem Support-Bereich, den ich gestern bereits genannt hatte: 91,67 USD.
Hier sehen wir aktuell bereits eine erste Reaktion. Deshalb wäre ich auf diesem Niveau zunächst vorsichtig mit neuen Shorts.
Sollte es zu einer weiteren geopolitischen Entspannung kommen, könnte für mich ein erneuter Short-Bereich weiter oben im Bereich um 99 USD interessant werden, insbesondere im dort noch offenen Gap.
Nach unten bleibt zunächst die Zone um 91,67 USD relevant. Darunter folgt das Wochentief aus KW 37 bei 90,87 USD. Sollte auch dieser Bereich nachhaltig brechen, wären anschließend Bewegungen in Richtung 89 USD und später 87,85 USD möglich.
Entscheidend bleibt hier aber die geopolitische Entwicklung. Öl ist momentan extrem headline-getrieben.
US Bonds / Treasuries
Bei den US-Staatsanleihen sehen wir heute erneut fallende Kurse beziehungsweise eine Entspannung auf der Renditeseite:
3-jährige US-Staatsanleihen: −0,56 %
5-jährige US-Staatsanleihen: −0,74 %
10-jährige US-Staatsanleihen: −0,98 %
30-jährige US-Staatsanleihen: −0,88 %
Damit sehen wir aktuell wieder einen deutlicheren Rückgang bei den Renditen.
Das passt zum gestrigen Marktbild: Der fallende Ölpreis nimmt kurzfristig etwas Inflationsdruck aus dem Markt, während gleichzeitig starke Aktienmärkte und die Erwartung einer verbesserten Energieversorgung die Nachfrage nach Anleihen unterstützen.
Interessant ist dabei allerdings, dass die Fed-Kommunikation weiterhin eher restriktiv ist. Der Rückgang der Renditen ist daher für mich aktuell eher ein Zeichen dafür, dass der Markt den kurzfristigen Inflationsimpuls durch Öl und die geopolitischen Risiken etwas stärker auspreist.
DXY
Beim DXY haben wir gestern wie erwartet relative Stärke gesehen und einen Push in Richtung 100.5 bekommen.
Heute wird sich für mich zeigen, ob wir diesen Bereich beziehungsweise die Zone um 100,5–100,6 halten und darüber schließen können.
Sollte der Dollar dort abgewiesen werden, wäre für mich auf der Unterseite zunächst wieder 100,1 und anschließend die psychologisch wichtige 100er-Marke relevant.
Risk Assets im Überblick
Nvidia
Bei Nvidia hat sich an meinem übergeordneten Szenario zunächst nichts verändert. Der Chipboom bleibt intakt.
Ich hatte den Long-Bereich bis 230 USD beziehungsweise sogar bis zum neuen Allzeithoch bei rund 236 USD genannt. Diese Bewegung hat entsprechend gut funktioniert.
Nach dem starken Lauf wäre ich jetzt allerdings vorsichtiger mit neuen Longs und würde insbesondere Richtung Monats- und Quartalsende auch mögliche Gewinnmitnahmen berücksichtigen.
Wir befinden uns schließlich im September und damit am Ende des dritten Quartals. Entsprechend können Rebalancing und Gewinnmitnahmen gerade bei den sehr stark gelaufenen Technologiewerten eine größere Rolle spielen.
Bitcoin
Auch Bitcoin hatte gestern einen extrem starken Tag und konnte rund 6,66 % zulegen.
Dabei haben wir genau am Jahresschlusskurs 2025 bei etwa 87.511 USD reagiert.
Für mich hat sich die Struktur auf Tagesbasis mit dem neuen Hoch etwas verändert. Deshalb würde ich jetzt nicht einfach versuchen, Bitcoin nach dieser Bewegung zu shorten.
Viel interessanter wäre für mich ein vernünftiger Retest.
Aggressivere Kaufbereiche sehe ich aktuell zwischen etwa 82.900 und 82.500 USD, beziehungsweise grundsätzlich um die 82.000er-Zone.
Bevorzugen würde ich persönlich allerdings einen etwas größeren Rücksetzer, der anschließend eine saubere Einstiegsmöglichkeit bietet. Ob dieser Retest kommt oder Bitcoin direkt weiter nach oben zieht, wird sich zeigen.
S&P 500
Beim S&P 500 haben wir gestern ebenfalls einen extrem starken bullischen Handelstag gesehen.
Der Index legte rund 1,6 % zu und markierte neue Allzeithochs beziehungsweise schloss sehr nahe an diesen.
Aktuell notieren wir bei etwa 7.834 Punkten.
Nach einer solchen Bewegung wäre ich mit neuen Longs zunächst vorsichtig und würde lieber auf einen Rücksetzer warten.
Für mich sind dabei insbesondere zwei Bereiche interessant:
7.782 Punkte – Wochenhoch KW 35
7.768 Punkte – Wochenhoch KW 36
Diese Bereiche könnten bei einem Retest interessant werden.
Wer aggressiver handeln möchte, könnte alternativ einen nachhaltigen Breakout über den aktuellen Daily-Schlusskurs beziehungsweise das aktuelle Hoch handeln.
Übergeordnet kann ich mir durchaus vorstellen, dass der S&P 500 perspektivisch die 8.000-Punkte-Marke erreicht, sollte sich das fundamentale Umfeld entsprechend weiterentwickeln.
Was aktuell allerdings auffällt: Wir haben weiterhin eine vergleichsweise hohe Inflation, eine eher hawkishe Fed, Ölpreise in der Nähe von 100 USD und geopolitische Risiken – und trotzdem notieren die US-Indizes auf beziehungsweise nahe Allzeithochs.
Der Markt steckt diese Faktoren momentan außergewöhnlich gut weg.
Nasdaq 100
Beim Nasdaq ist die Bewegung sogar noch extremer.
Gestern ging es rund 2,75 % nach oben. Die 30.000er-Marke wurde klar überwunden und der Index lief direkt bis in Richtung 30.500 Punkte. Auch darüber konnten wir schließen.
Nach dieser Bewegung würde ich jetzt allerdings nicht mehr hinterherlaufen.
Für mich wäre zunächst der Bereich um 30.243 Punkte interessant. Noch interessanter wäre ein sauberer Retest der 30.000er-Marke.
Seit letztem Mittwoch hat der Nasdaq von seinem Tief bis zum aktuellen Hoch bereits rund 6,5 % zugelegt. Nach einem solchen Move steigt für mich entsprechend das Risiko einer zwischenzeitlichen Korrektur beziehungsweise Gewinnmitnahmen.
US30
Beim US30 haben wir ebenfalls einen positiven Handelstag gesehen, allerdings deutlich weniger extrem als bei Nasdaq und S&P 500.
Der Index legte rund 0,64 % zu und konnte wieder oberhalb der wichtigen 52.000-Punkte-Marke schließen.
Wie bereits zuvor gesagt, würde ich hier weiterhin gerne einen bullishen Weekly Close sehen, bevor ich das Setup aggressiver handeln möchte.
Wir befinden uns zwar grundsätzlich in einem interessanten Kaufbereich, trotzdem würde ich hier aktuell noch etwas Geduld mitbringen.
DAX Tagesausblick
Kommen wir damit zum DAX.
Auch hier hatten wir gestern einen sehr starken bullishen Handelstag mit einem Plus von rund 1,13 %.
Für heute sehe ich mehrere mögliche Szenarien.
Wenn wir die Hochs von gestern beziehungsweise vom vergangenen Freitag herausnehmen und den Bereich um 25.690 Punkte nachhaltig überwinden, wäre für mich zunächst die 25.775er-Marke das nächste Ziel.
Dort würde ich allerdings definitiv auf die Reaktion achten.
Sollte der DAX an dieser Marke weiteres Momentum entwickeln, würde ich mich nicht dagegenstellen, dass wir heute sogar die 26.000-Punkte-Marke erreichen.
Die 25.775 wäre für mich dabei die erste relevante Reaktionszone und bei 26.000 würde ich ebenfalls sehr genau beobachten, wie der Markt reagiert.
Auf der anderen Seite kann ich mir im DAX auch einen Retest der 25.500er-Zone vorstellen.
Das wäre für mich sogar ein interessanterer Einstieg, sofern wir diese Zone halten und dort wieder Käufer in den Markt kommen.
Wichtig ist für mich, dass der DAX oberhalb dieser Zone bleibt. Sollte die 25.500 nachhaltig verloren gehen, würde sich das kurzfristige Bild für mich wieder deutlich eintrüben.
Gleichzeitig wäre ich heute vorsichtig mit einem einfachen Hinterherlaufen bei Longs. Die US-Indizes haben gestern extrem viel Bewegung gemacht und wir müssen sehen, ob diese Stärke heute bestätigt wird oder ob wir zunächst Gewinnmitnahmen sehen.
Denn fundamental haben wir weiterhin einige widersprüchliche Faktoren: eine hawkishe Fed, weiterhin hohe Inflation, geopolitische Risiken und einen Ölpreis, der trotz der jüngsten Korrektur noch immer in der Nähe von 100 USD liegt.
Auf der anderen Seite steht der enorme KI-Boom, die Stärke der US-Technologiewerte, fallende Renditen und aktuell ein deutlich positives Risk-On-Sentiment.
Genau deshalb würde ich beim DAX heute vor allem auf die Reaktion an meinen technischen Schlüsselzonen achten.
Fazit
Wir starten heute nach einem außergewöhnlich starken Montag in den Handel.
Der wichtigste Treiber war für mich ganz klar der erneute KI-Boom. AMD hat erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar Marktkapitalisierung überschritten, der Nasdaq hat einen neuen Rekordschluss erreicht und auch der S&P 500 notiert auf Allzeithochs.
Gleichzeitig sind die US-Renditen zurückgekommen und der Ölpreis deutlich gefallen. Damit hat der Markt aktuell einige potenzielle Belastungsfaktoren sehr gut absorbiert.
Für den DAX bleibt für mich zunächst die 25.690er-Marke entscheidend. Bei einem nachhaltigen Breakout sehe ich zunächst die 25.775 und bei weiterem Momentum anschließend auch die Möglichkeit eines Laufs in Richtung 26.000 Punkte.
Auf der Unterseite bleibt für mich die 25.500er-Zone entscheidend. Ein sauberer Retest und eine Stabilisierung dort wären für mich ein deutlich interessanterer Long-Ansatz, als nach der gestrigen Bewegung einfach hinterherzulaufen.
Insgesamt würde ich heute also nicht versuchen, den Markt zu erzwingen. Wir haben aktuell sehr starke Risk Assets, aber gleichzeitig genügend fundamentale und geopolitische Unsicherheiten, die jederzeit für eine Gegenbewegung sorgen können, dazu kommt das Monats/Quartalsende, hier sind Gewinnmitnahmen von ATHs sehr wahrscheinlich!!!
Das stellt wie immer keine Anlageberatung, sondern ausschließlich meine persönliche Markteinschätzung dar.
Ich wünsche allen einen erfolgreichen Handelsstart und stabile Trades.
der Dienstag startet nach einem außergewöhnlich starken Wochenauftakt an den internationalen Aktienmärkten. Vor allem der wieder aufflammende KI-Boom hat gestern für massive Bewegungen bei den US-Indizes gesorgt. Der Nasdaq konnte einen neuen Rekordschluss markieren, AMD überschritt erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar Marktkapitalisierung und auch der S&P 500 notiert auf Allzeithochs. Gleichzeitig sind die US-Renditen zurückgekommen und der Ölpreis deutlich gefallen.
Damit haben wir momentan ein interessantes Marktumfeld: Auf der einen Seite stehen weiterhin hohe Inflationsraten, eine eher hawkishe Kommunikation der Fed und geopolitische Risiken. Auf der anderen Seite sehen wir eine enorme Stärke bei den Risk Assets. Genau diese Diskrepanz macht den heutigen Handelstag für mich besonders interessant.
Agenda
Geopolitische Lage
Fundamentale Wirtschaftsdaten gestern
Fundamentale Wirtschaftsdaten heute
Märkte und Korrelationen im Überblick
Risk Assets im Überblick
DAX Tagesausblick
Fazit
Geopolitische Lage
Geopolitisch bleibt die Situation weiterhin angespannt, insbesondere im Jemen und rund um die wichtigen Handelsrouten im Roten Meer und der Straße von Hormus.
Die Houthis versuchen weiterhin, ihre Positionen im Jemen auszubauen und setzen dabei auch Saudi-Arabien unter Druck. Gleichzeitig haben die G7 den Iran aufgefordert, die Houthis nicht weiter mit Waffen und Unterstützung zu versorgen. Die G7 bezeichneten die anhaltenden Houthi-Angriffe als Gefahr für den internationalen Handel und die Stabilität.
Gleichzeitig sehen wir auf der diplomatischen Seite weiterhin Bemühungen um eine Entspannung. Genau das ist aktuell auch einer der Gründe, warum der Ölpreis deutlich zurückgekommen ist. Saudi-Arabien erhöht seine Ölexporte wieder und der Markt preist momentan zumindest teilweise eine Verbesserung der Versorgungslage ein. Der Ölpreis reagiert damit aktuell sehr stark auf jede neue geopolitische Schlagzeile.
Auch Großbritannien hat Saudi-Arabien inzwischen zeitlich begrenzte defensive Unterstützung bei der Luftbetankung zugesagt. Damit bleibt die Situation zwar angespannt, gleichzeitig wird aber versucht, die wichtigen Handels- und Energierouten zu stabilisieren.
Für mich bleibt die Geopolitik damit auch heute der große Joker. Solange es keine neue Eskalation gibt und die Ölströme weiter stabilisieren, nimmt das kurzfristig etwas Risiko aus dem Markt.
Fundamentale Wirtschaftsdaten gestern
Fundamental war der Montag zunächst relativ ruhig angesetzt. Neben der EZB-Präsidentin Christine Lagarde standen allerdings im Tagesverlauf mehrere Aussagen von US-Notenbankern im Fokus.
Besonders interessant waren die Aussagen von Fed-Gouverneur Austan Goolsbee. Er verwies darauf, dass sich die Inflation nicht mehr ausschließlich mit vergangenen Angebots- und Energieschocks erklären lässt. Vielmehr gebe es zunehmend Hinweise auf nachfragegetriebene Inflation und anhaltenden Preisdruck im Dienstleistungssektor. Gleichzeitig betonte er, dass bei überzeugenden Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation in Richtung 2 % auch wieder niedrigere Zinsen möglich wären.
Noch restriktiver klangen die Aussagen von Fed-Gouverneur Michael Musalem. Er sieht weitere Zinserhöhungen als wahrscheinlich an, um die Inflation nachhaltig zu reduzieren. Gerade die Kombination aus weiterhin relativ stabilem Arbeitsmarkt und zu hoher Inflation bleibt damit ein wichtiger Faktor für die weitere Geldpolitik.
Und genau hier wird es für mich interessant: Trotz dieser eigentlich eher hawkishen Aussagen haben die Aktienmärkte gestern massiv nach oben reagiert.
Der entscheidende Treiber war der erneute KI-Boom. AMD überschritt erstmals eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar und schloss mit einem massiven Kursanstieg. Zusammen mit weiteren Chip- und KI-Unternehmen führte das zu einem starken Anstieg im Nasdaq und letztlich zu einem neuen Rekordschluss.
Der Markt scheint aktuell also einen erheblichen Teil der Inflations- und Zinsrisiken auszublenden und konzentriert sich stattdessen auf Wachstum, KI-Investitionen und die enorme Dynamik im Technologiesektor.
Zusätzlich bleiben die Gespräche zwischen den USA und China ein positiver Faktor. Im Vorfeld des geplanten Treffens zwischen Donald Trump und Xi Jinping wurden unter anderem Handel, Investitionen und künstliche Intelligenz diskutiert.
Politisch interessant ist außerdem eine aktuelle Reuters/Ipsos-Umfrage: Die Zustimmung zu Donald Trump liegt laut der am Montag veröffentlichten Erhebung bei 32 %, während 66 % seine Arbeit ablehnen. Unter registrierten Wählern lagen in der Umfrage die Demokraten bei der Frage nach der bevorzugten Partei für den Kongress bei 43 % gegenüber 35 % für die Republikaner. Die Erhebung bezieht sich auf 1.277 US-Erwachsene und hat eine Fehlermarge von drei Prozentpunkten. Das ist vor dem Hintergrund der im November anstehenden Midterm-Wahlen relevant, stellt aber selbstverständlich keine Prognose über den Wahlausgang dar.
Für die Märkte dürfte hier vor allem entscheidend sein, ob politische Themen in den kommenden Wochen stärker auf Wirtschafts-, Handels- oder Energiepolitik durchschlagen.
Fundamentale Wirtschaftsdaten heute
Auch heute ist der fundamentale Kalender vergleichsweise ruhig.
Auf der europäischen Seite stehen unter anderem Aussagen von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und Bundesbank-Vertreter Joachim Wuermeling beziehungsweise weitere Notenbank-Kommentare im Fokus. Dazu kommt später am Tag erneut EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Aus den USA ist unter anderem FOMC-Mitglied John Williams relevant.
Ansonsten bleibt die Woche insgesamt relativ datenarm. Für mich liegt der Fokus deshalb weniger auf einzelnen Konjunkturdaten, sondern weiterhin auf Headlines, Notenbank-Kommunikation und vor allem der geopolitischen Entwicklung.
Märkte und Korrelationen im Überblick
US Oil
Starten wir mit US Oil.
WTI hat gestern massiv korrigiert und rund 3,7 % verloren. Damit befinden wir uns jetzt genau an dem Support-Bereich, den ich gestern bereits genannt hatte: 91,67 USD.
Hier sehen wir aktuell bereits eine erste Reaktion. Deshalb wäre ich auf diesem Niveau zunächst vorsichtig mit neuen Shorts.
Sollte es zu einer weiteren geopolitischen Entspannung kommen, könnte für mich ein erneuter Short-Bereich weiter oben im Bereich um 99 USD interessant werden, insbesondere im dort noch offenen Gap.
Nach unten bleibt zunächst die Zone um 91,67 USD relevant. Darunter folgt das Wochentief aus KW 37 bei 90,87 USD. Sollte auch dieser Bereich nachhaltig brechen, wären anschließend Bewegungen in Richtung 89 USD und später 87,85 USD möglich.
Entscheidend bleibt hier aber die geopolitische Entwicklung. Öl ist momentan extrem headline-getrieben.
US Bonds / Treasuries
Bei den US-Staatsanleihen sehen wir heute erneut fallende Kurse beziehungsweise eine Entspannung auf der Renditeseite:
3-jährige US-Staatsanleihen: −0,56 %
5-jährige US-Staatsanleihen: −0,74 %
10-jährige US-Staatsanleihen: −0,98 %
30-jährige US-Staatsanleihen: −0,88 %
Damit sehen wir aktuell wieder einen deutlicheren Rückgang bei den Renditen.
Das passt zum gestrigen Marktbild: Der fallende Ölpreis nimmt kurzfristig etwas Inflationsdruck aus dem Markt, während gleichzeitig starke Aktienmärkte und die Erwartung einer verbesserten Energieversorgung die Nachfrage nach Anleihen unterstützen.
Interessant ist dabei allerdings, dass die Fed-Kommunikation weiterhin eher restriktiv ist. Der Rückgang der Renditen ist daher für mich aktuell eher ein Zeichen dafür, dass der Markt den kurzfristigen Inflationsimpuls durch Öl und die geopolitischen Risiken etwas stärker auspreist.
DXY
Beim DXY haben wir gestern wie erwartet relative Stärke gesehen und einen Push in Richtung 100.5 bekommen.
Heute wird sich für mich zeigen, ob wir diesen Bereich beziehungsweise die Zone um 100,5–100,6 halten und darüber schließen können.
Sollte der Dollar dort abgewiesen werden, wäre für mich auf der Unterseite zunächst wieder 100,1 und anschließend die psychologisch wichtige 100er-Marke relevant.
Risk Assets im Überblick
Nvidia
Bei Nvidia hat sich an meinem übergeordneten Szenario zunächst nichts verändert. Der Chipboom bleibt intakt.
Ich hatte den Long-Bereich bis 230 USD beziehungsweise sogar bis zum neuen Allzeithoch bei rund 236 USD genannt. Diese Bewegung hat entsprechend gut funktioniert.
Nach dem starken Lauf wäre ich jetzt allerdings vorsichtiger mit neuen Longs und würde insbesondere Richtung Monats- und Quartalsende auch mögliche Gewinnmitnahmen berücksichtigen.
Wir befinden uns schließlich im September und damit am Ende des dritten Quartals. Entsprechend können Rebalancing und Gewinnmitnahmen gerade bei den sehr stark gelaufenen Technologiewerten eine größere Rolle spielen.
Bitcoin
Auch Bitcoin hatte gestern einen extrem starken Tag und konnte rund 6,66 % zulegen.
Dabei haben wir genau am Jahresschlusskurs 2025 bei etwa 87.511 USD reagiert.
Für mich hat sich die Struktur auf Tagesbasis mit dem neuen Hoch etwas verändert. Deshalb würde ich jetzt nicht einfach versuchen, Bitcoin nach dieser Bewegung zu shorten.
Viel interessanter wäre für mich ein vernünftiger Retest.
Aggressivere Kaufbereiche sehe ich aktuell zwischen etwa 82.900 und 82.500 USD, beziehungsweise grundsätzlich um die 82.000er-Zone.
Bevorzugen würde ich persönlich allerdings einen etwas größeren Rücksetzer, der anschließend eine saubere Einstiegsmöglichkeit bietet. Ob dieser Retest kommt oder Bitcoin direkt weiter nach oben zieht, wird sich zeigen.
S&P 500
Beim S&P 500 haben wir gestern ebenfalls einen extrem starken bullischen Handelstag gesehen.
Der Index legte rund 1,6 % zu und markierte neue Allzeithochs beziehungsweise schloss sehr nahe an diesen.
Aktuell notieren wir bei etwa 7.834 Punkten.
Nach einer solchen Bewegung wäre ich mit neuen Longs zunächst vorsichtig und würde lieber auf einen Rücksetzer warten.
Für mich sind dabei insbesondere zwei Bereiche interessant:
7.782 Punkte – Wochenhoch KW 35
7.768 Punkte – Wochenhoch KW 36
Diese Bereiche könnten bei einem Retest interessant werden.
Wer aggressiver handeln möchte, könnte alternativ einen nachhaltigen Breakout über den aktuellen Daily-Schlusskurs beziehungsweise das aktuelle Hoch handeln.
Übergeordnet kann ich mir durchaus vorstellen, dass der S&P 500 perspektivisch die 8.000-Punkte-Marke erreicht, sollte sich das fundamentale Umfeld entsprechend weiterentwickeln.
Was aktuell allerdings auffällt: Wir haben weiterhin eine vergleichsweise hohe Inflation, eine eher hawkishe Fed, Ölpreise in der Nähe von 100 USD und geopolitische Risiken – und trotzdem notieren die US-Indizes auf beziehungsweise nahe Allzeithochs.
Der Markt steckt diese Faktoren momentan außergewöhnlich gut weg.
Nasdaq 100
Beim Nasdaq ist die Bewegung sogar noch extremer.
Gestern ging es rund 2,75 % nach oben. Die 30.000er-Marke wurde klar überwunden und der Index lief direkt bis in Richtung 30.500 Punkte. Auch darüber konnten wir schließen.
Nach dieser Bewegung würde ich jetzt allerdings nicht mehr hinterherlaufen.
Für mich wäre zunächst der Bereich um 30.243 Punkte interessant. Noch interessanter wäre ein sauberer Retest der 30.000er-Marke.
Seit letztem Mittwoch hat der Nasdaq von seinem Tief bis zum aktuellen Hoch bereits rund 6,5 % zugelegt. Nach einem solchen Move steigt für mich entsprechend das Risiko einer zwischenzeitlichen Korrektur beziehungsweise Gewinnmitnahmen.
US30
Beim US30 haben wir ebenfalls einen positiven Handelstag gesehen, allerdings deutlich weniger extrem als bei Nasdaq und S&P 500.
Der Index legte rund 0,64 % zu und konnte wieder oberhalb der wichtigen 52.000-Punkte-Marke schließen.
Wie bereits zuvor gesagt, würde ich hier weiterhin gerne einen bullishen Weekly Close sehen, bevor ich das Setup aggressiver handeln möchte.
Wir befinden uns zwar grundsätzlich in einem interessanten Kaufbereich, trotzdem würde ich hier aktuell noch etwas Geduld mitbringen.
DAX Tagesausblick
Kommen wir damit zum DAX.
Auch hier hatten wir gestern einen sehr starken bullishen Handelstag mit einem Plus von rund 1,13 %.
Für heute sehe ich mehrere mögliche Szenarien.
Wenn wir die Hochs von gestern beziehungsweise vom vergangenen Freitag herausnehmen und den Bereich um 25.690 Punkte nachhaltig überwinden, wäre für mich zunächst die 25.775er-Marke das nächste Ziel.
Dort würde ich allerdings definitiv auf die Reaktion achten.
Sollte der DAX an dieser Marke weiteres Momentum entwickeln, würde ich mich nicht dagegenstellen, dass wir heute sogar die 26.000-Punkte-Marke erreichen.
Die 25.775 wäre für mich dabei die erste relevante Reaktionszone und bei 26.000 würde ich ebenfalls sehr genau beobachten, wie der Markt reagiert.
Auf der anderen Seite kann ich mir im DAX auch einen Retest der 25.500er-Zone vorstellen.
Das wäre für mich sogar ein interessanterer Einstieg, sofern wir diese Zone halten und dort wieder Käufer in den Markt kommen.
Wichtig ist für mich, dass der DAX oberhalb dieser Zone bleibt. Sollte die 25.500 nachhaltig verloren gehen, würde sich das kurzfristige Bild für mich wieder deutlich eintrüben.
Gleichzeitig wäre ich heute vorsichtig mit einem einfachen Hinterherlaufen bei Longs. Die US-Indizes haben gestern extrem viel Bewegung gemacht und wir müssen sehen, ob diese Stärke heute bestätigt wird oder ob wir zunächst Gewinnmitnahmen sehen.
Denn fundamental haben wir weiterhin einige widersprüchliche Faktoren: eine hawkishe Fed, weiterhin hohe Inflation, geopolitische Risiken und einen Ölpreis, der trotz der jüngsten Korrektur noch immer in der Nähe von 100 USD liegt.
Auf der anderen Seite steht der enorme KI-Boom, die Stärke der US-Technologiewerte, fallende Renditen und aktuell ein deutlich positives Risk-On-Sentiment.
Genau deshalb würde ich beim DAX heute vor allem auf die Reaktion an meinen technischen Schlüsselzonen achten.
Fazit
Wir starten heute nach einem außergewöhnlich starken Montag in den Handel.
Der wichtigste Treiber war für mich ganz klar der erneute KI-Boom. AMD hat erstmals die Marke von einer Billion US-Dollar Marktkapitalisierung überschritten, der Nasdaq hat einen neuen Rekordschluss erreicht und auch der S&P 500 notiert auf Allzeithochs.
Gleichzeitig sind die US-Renditen zurückgekommen und der Ölpreis deutlich gefallen. Damit hat der Markt aktuell einige potenzielle Belastungsfaktoren sehr gut absorbiert.
Für den DAX bleibt für mich zunächst die 25.690er-Marke entscheidend. Bei einem nachhaltigen Breakout sehe ich zunächst die 25.775 und bei weiterem Momentum anschließend auch die Möglichkeit eines Laufs in Richtung 26.000 Punkte.
Auf der Unterseite bleibt für mich die 25.500er-Zone entscheidend. Ein sauberer Retest und eine Stabilisierung dort wären für mich ein deutlich interessanterer Long-Ansatz, als nach der gestrigen Bewegung einfach hinterherzulaufen.
Insgesamt würde ich heute also nicht versuchen, den Markt zu erzwingen. Wir haben aktuell sehr starke Risk Assets, aber gleichzeitig genügend fundamentale und geopolitische Unsicherheiten, die jederzeit für eine Gegenbewegung sorgen können, dazu kommt das Monats/Quartalsende, hier sind Gewinnmitnahmen von ATHs sehr wahrscheinlich!!!
Das stellt wie immer keine Anlageberatung, sondern ausschließlich meine persönliche Markteinschätzung dar.
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