Wochenausblick KW27– Fundamental,Makro und technischer Ausblick!

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Fundamentaler, makroökonomischer und charttechnischer Ausblick für die Handelswoche KW 27.

Fundamentale und geopolitische Lage

Die neue Handelswoche startet mit einem spannenden, aber gleichzeitig fragilen Marktumfeld. Während sich die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen deutlich von den Höchstständen entfernt haben, bleibt die Kombination aus Geopolitik, Inflation und Geldpolitik der entscheidende Treiber für Risk Assets. Besonders der Nahe Osten dürfte auch in dieser Woche das größte kurzfristige Risiko bleiben.

Zwar konnten sich die USA und der Iran zuletzt auf ein zunächst 60 Tage umfassendes Übergangsabkommen einigen, dennoch kam es bereits kurz darauf erneut zu militärischen Zwischenfällen und gegenseitigen Vorwürfen. Auch die Lage zwischen Israel und dem Libanon bleibt angespannt. Die Straße von Hormus steht dabei weiterhin im Mittelpunkt. Laut aktuellen Schifffahrtsdaten normalisiert sich der Tankerverkehr zwar schrittweise wieder und zahlreiche Frachter passieren die Meerenge erneut, dennoch bleibt die Gefahr weiterer Störungen bestehen. Genau dieser Optimismus wurde zuletzt massiv in den Ölpreis eingepreist.

US Oil notiert mittlerweile wieder nahezu auf dem Niveau vor Beginn der Eskalation im Nahen Osten. Damit geht der Markt aktuell davon aus, dass es zu keiner nachhaltigen Unterbrechung der globalen Energieversorgung kommt. Sollte sich diese Annahme jedoch als falsch herausstellen und es erneut zu einer Eskalation oder Einschränkung des Schiffsverkehrs kommen, könnte sich die geopolitische Risikoprämie im Ölpreis sehr schnell wieder aufbauen. Höhere Energiepreise würden gleichzeitig neuen Inflationsdruck erzeugen und damit den Spielraum der Notenbanken weiter einschränken.

Neben der Geopolitik rückt langsam auch wieder die Berichtssaison in den Fokus. In dieser Woche stehen zwar noch keine marktbewegenden Mega-Cap-Earnings an, dennoch beginnt nun die Phase, in der Investoren ihre Erwartungen für die großen Technologieunternehmen zunehmend anpassen. Gerade Nvidia, Microsoft, Apple, Meta und Co. werden in wenigen Wochen erneut außergewöhnlich hohe Erwartungen erfüllen müssen. Nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Quartale dürfte die Messlatte entsprechend hoch liegen.

Zusätzlich bleibt SpaceX eines der spannendsten Themen. Nach der Aufnahme in die Russell-Indizes folgt in der kommenden Woche die Aufnahme in den Nasdaq-100. Dadurch werden Milliardenbeträge passiver ETF-Zuflüsse erwartet. Auch wenn dieses Ereignis erst nächste Woche ansteht, dürfte der Markt dieses Thema bereits in KW27 zunehmend einpreisen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Monats- und Quartalsende. Montag und Dienstag markieren die letzten beiden Handelstage des Monats Juni sowie des zweiten Quartals. Erfahrungsgemäß kommt es in dieser Phase häufig zu institutionellen Umschichtungen, Rebalancing und Window Dressing. Gerade nach den starken Quartalen vieler Risk Assets wären weitere Gewinnmitnahmen daher keineswegs überraschend.

Fundamentale Wirtschaftsdaten der KW27 im Überblick

Makroökonomisch startet die Woche zunächst noch vergleichsweise ruhig, nimmt ab Dienstag jedoch deutlich an Dynamik auf.

Am Montag stehen hauptsächlich Reden von EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Fokus. Marktbewegende Konjunkturdaten bleiben zunächst aus, wodurch institutionelle Umschichtungen zum Quartalsende wahrscheinlich den größten Einfluss auf die Kursentwicklung haben dürften.

Am Dienstag rücken mit dem Chicago PMI, den JOLTS Job Openings sowie dem US Consumer Confidence Index bereits die ersten wichtigen US-Daten in den Mittelpunkt. Während beim Chicago PMI ein leichter Rückgang erwartet wird, dürften insbesondere die JOLTS-Daten erste Hinweise auf die Verfassung des US-Arbeitsmarktes liefern. Gleichzeitig wird beim Verbrauchervertrauen ein leichter Anstieg erwartet, was erneut die Robustheit der US-Konjunktur unterstreichen würde.

Am Mittwoch richtet sich der Blick zunächst auf die europäischen Inflationsdaten. Während bei der Gesamtinflation ein leichter Rückgang erwartet wird, dürfte die Kerninflation weitgehend stabil bleiben. Zusätzlich stehen mehrere Reden hochrangiger Notenbankvertreter auf dem Programm, darunter Philip Lane, Christine Lagarde sowie Fed-Chef Kevin Warsh. Ergänzt wird der Handelstag durch den ISM Manufacturing PMI, den S&P Global Manufacturing PMI sowie die US-Rohöllagerbestände.

Der absolute Höhepunkt der Woche folgt am Donnerstag. Aufgrund des Independence Day am Freitag werden die US-Arbeitsmarktdaten bereits einen Tag früher veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen die Nonfarm Payrolls, die Arbeitslosenquote, die durchschnittlichen Stundenlöhne sowie die Initial Jobless Claims. Nach den zuletzt überraschend starken BIP- und Inflationsdaten könnten robuste Arbeitsmarktzahlen den restriktiven Kurs der Federal Reserve erneut bestätigen und den US-Dollar weiter stärken. Schwächere Daten würden dagegen kurzfristig für Entlastung bei Risk Assets sorgen, gleichzeitig aber Fragen hinsichtlich der weiteren Konjunkturdynamik aufwerfen.

Der Freitag dürfte aufgrund des US-Feiertags deutlich ruhiger verlaufen. Zwar stehen noch einige europäische PMI-Daten sowie weitere EZB-Statements auf dem Kalender, insgesamt dürfte das Handelsvolumen jedoch deutlich geringer ausfallen.

Märkte und Korrelationen im Überblick

US Oil

US Oil verlor in der vergangenen Woche rund sieben Prozent und schloss bei 70,25 US-Dollar. Damit wurden nahezu sämtliche geopolitischen Risikoaufschläge der vergangenen Wochen vollständig wieder abgebaut. Für die neue Woche bleibt die Zone zwischen 68 und 72 US-Dollar entscheidend. Kann sich Öl oberhalb dieses Bereichs stabilisieren und verschärft sich die Lage im Nahen Osten erneut, wäre eine Erholung in Richtung 77 bis 80 US-Dollar durchaus denkbar. Bleibt die geopolitische Entspannung dagegen bestehen, könnten sogar Kurse im Bereich von 65 US-Dollar möglich werden. Aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage wäre ich allerdings vorsichtig, die zuletzt stark gefallenen Ölpreise als selbstverständlich anzusehen.

US-Staatsanleihen

Auch bei den US-Staatsanleihen kam es zuletzt zu deutlichen Rückgängen. Trotz hawkischer Fed, robuster Wirtschaftsdaten und steigender Inflation gingen die Renditen über die gesamte Laufzeitenstruktur zurück. Nun wird entscheidend sein, ob sich dieser Trend fortsetzt oder die Renditen nach den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten wieder anziehen. Höhere Renditen würden insbesondere Technologie- und Wachstumswerte erneut unter Druck setzen.

DXY/USD

Der US-Dollar bleibt weiterhin einer der stärksten Märkte. Nach einem Monatsplus von rund 2,5 Prozent befindet sich der DXY weiterhin klar im Aufwärtstrend. Solange der Dollar oberhalb der 101-Punkte-Marke notiert, bleibt die Dollar-Dominanz intakt. Ein Ausbruch über 101,50 Punkte könnte den Weg in Richtung 102 Punkte freimachen. Erst ein nachhaltiger Rückfall unter 101 würde das kurzfristig bullische Bild leicht eintrüben.

VIX

Der Volatilitätsindex VIX notiert mit rund 18 Punkten weiterhin unter der wichtigen 20er-Marke. Die Volatilität bleibt damit kontrolliert, erste Warnsignale sind jedoch erkennbar. Gerade im Zusammenhang mit Quartalsende, NFP-Daten und geopolitischen Risiken dürfte der VIX in dieser Woche besonders interessant bleiben.

Risk Assets im Überblick

Nvidia

Bei Nvidia setzte sich die Korrektur in der vergangenen Woche fort. Die Aktie verlor knapp neun Prozent im Monatsvergleich und schloss erstmals wieder klar unter der wichtigen Unterstützungszone zwischen 198 und 200 US-Dollar. Der nächste relevante Support befindet sich nun im Bereich von 190 bis 187 US-Dollar. Solange Nvidia diese Zone nicht nachhaltig zurückerobert, bleibt das kurzfristige Risiko weiterer Gewinnmitnahmen bestehen. Langfristig bleibt der KI-Trend zwar vollkommen intakt, kurzfristig könnten jedoch Bewertungsanpassungen und Quartalsumschichtungen weiterhin Druck ausüben.

Bitcoin

Bitcoin zeigte ebenfalls einen schwachen Monatsverlauf und notiert weiterhin im Bereich der 60.000 US-Dollar. Entscheidend bleibt nun die Unterstützung zwischen 58.000 und 60.000 US-Dollar. Sollte diese Zone nachhaltig brechen, rückt der Bereich um 57.000 US-Dollar als nächstes Ziel in den Fokus. Erst eine Rückeroberung der 61.000 US-Dollar würde das kurzfristige Bild wieder etwas aufhellen.

SPX

Im S&P 500 wurden in der vergangenen Woche erstmals seit längerer Zeit keine neuen Hochs mehr erreicht. Die Korrektur wirkt bislang gesund, dennoch bleibt die Zone um 7.350 Punkte kurzfristig entscheidend. Fällt der Index darunter, könnte sich die Bewegung bis in den Bereich von 7.250 Punkten ausweiten. Erst oberhalb von 7.500 Punkten würde sich das technische Bild wieder deutlich verbessern.

NASDAQ

Der Nasdaq bleibt aufgrund seiner hohen Gewichtung im Technologiesektor weiterhin der schwächste der großen US-Indizes. Nach den deutlichen Gewinnmitnahmen im KI-Sektor und den Rückgängen bei Nvidia steht nun die Unterstützung im Bereich von 28.800 bis 28.500 Punkten im Mittelpunkt. Sollte diese brechen, rückt das Monatstief sowie der Bereich um 27.500 Punkte in den Fokus. Eine nachhaltige Stabilisierung sehe ich erst wieder oberhalb der 30.000-Punkte-Marke.

US30

Der Dow Jones zeigte sich zuletzt deutlich robuster. Zwar wurde in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch markiert, dieses konnte jedoch nicht verteidigt werden. Solange der Index unter 52.000 Punkten handelt, bleibt das kurzfristige Chancen-Risiko-Verhältnis eher auf der Short-Seite. Unterstützungen liegen zunächst bei 51.500 sowie anschließend im Bereich von 51.000 Punkten.

DAX – Charttechnischer Ausblick

Auch der DAX beendete die vergangene Woche schwächer und schloss klar unter der wichtigen 25.000-Punkte-Marke sowie unter dem Jahreshoch 2025 und dem Monatshoch April im Bereich von 24.800 Punkten. Damit hat sich das kurzfristige Chartbild spürbar eingetrübt.

Für die neue Woche bleibt zunächst das Wochentief der Vorwoche im Bereich von 24.540 Punkten entscheidend. Sollte diese Unterstützung brechen, rückt die Zone um 24.500 Punkte unmittelbar in den Fokus. Gelingt dort keine Stabilisierung, sehe ich gute Chancen auf eine Ausweitung der Korrektur in Richtung 24.000 Punkte.

Bullisch würde sich das Bild erst wieder aufhellen, wenn der DAX zunächst die 24.800 Punkte zurückerobert und sich anschließend wieder oberhalb der psychologisch wichtigen 25.000-Punkte-Marke etablieren kann. Erst dann wären erneut Angriffe auf die bisherigen Jahreshochs realistisch.

Fazit

Die KW27 dürfte eine erneut sehr spannende Börsenwoche werden. Monats- und Quartalsende treffen auf eine weiterhin fragile geopolitische Lage, eine hawkische Federal Reserve sowie einen der wichtigsten US-Arbeitsmarktberichte des Quartals. Gleichzeitig befinden sich viele Risk Assets nach den starken Anstiegen der vergangenen Monate erstmals wieder in einer technischen Korrektur.

Ich bleibe deshalb kurzfristig eher defensiv eingestellt und achte insbesondere auf die Reaktion der Märkte auf die NFP-Daten sowie die Entwicklung im Nahen Osten. Sollten sich geopolitische Risiken erneut verschärfen oder die US-Daten stärker als erwartet ausfallen, könnte sich die aktuelle Korrektur zunächst weiter ausdehnen. Gleichzeitig bleiben Rücksetzer innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends aus meiner Sicht interessante Bereiche, um mittelfristig wieder nach Long-Setups Ausschau zu halten.

Im Laufe der Woche werde ich zusätzlich eine ausführliche NFP-Vorbereitung mit den wichtigsten Szenarien veröffentlichen. Außerdem folgen ein Monatsrückblick für Juni sowie ein neuer Monatsausblick für Juli.

Keine Anlageberatung – lediglich meine persönliche Markteinschätzung.

Ich wünsche euch einen erfolgreichen Start in die neue Handelswoche und wie immer: stabile Trades!

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