Kapital bewahren – Der Schlüssel zum Trading-ErfolgIm Trading sind viele Menschen davon besessen, immer höhere Gewinne zu erzielen, unterschätzen dabei jedoch eine noch wichtigere Fähigkeit: das zu schützen, was sie bereits verdient haben. Ein Trader kann über mehrere Wochen hinweg starke Gewinne erzielen. Fehlt jedoch die finanzielle Disziplin, können schon eine Phase mit Drawdown oder einige emotionale Entscheidungen sämtliche Erfolge zunichtemachen.
Der Markt funktioniert nicht wie ein festes Einkommen. Es gibt Phasen mit zahlreichen Chancen, aber auch Zeiten, in denen der Markt unruhig ist, starke Schwankungen zeigt und kaum klare Setups bietet. Wer jede Handelssitzung mit dem Druck beginnt, unbedingt Geld verdienen zu müssen, läuft Gefahr, Kursen hinterherzujagen, qualitativ schlechte Trades einzugehen oder lediglich aus Angst, eine Chance zu verpassen (FOMO), Positionen zu eröffnen.
Deshalb ist ein finanzielles Polster von unschätzbarem Wert. Sparen bedeutet nicht Geiz, sondern dient als psychologischer Schutz. Wer nicht unter finanziellem Druck steht, kann geduldiger auf hochwertige Setups warten, zweifelhafte Chancen ignorieren und nur dann handeln, wenn die Wahrscheinlichkeiten eindeutig für ihn sprechen. Ein Trader mit finanzieller Reserve handelt nach einem Plan – ein Trader unter finanziellem Druck handelt oft aus Angst.
Finanzielle Disziplin beginnt außerdem mit einer klaren Begrenzung des Risikos. Bevor man darüber nachdenkt, wie hoch der Gewinn in diesem Monat sein soll, sollte man wissen, wie viel Verlust maximal akzeptabel ist. Wie hoch darf der Drawdown sein? Wann ist es Zeit, den Handel zu stoppen? Liegt ein Verlusttrade noch innerhalb des Handelsplans? Sind diese Fragen im Voraus beantwortet, bleibt die Trading-Psychologie deutlich stabiler.
Darüber hinaus sollten Gewinne nicht als Geld betrachtet werden, das unbegrenzt erneut riskiert werden kann. Professionelle Trader verwalten ihre Gewinne wie ein Unternehmen: Ein Teil bleibt zur Vergrößerung des Handelskapitals, ein Teil wird gespart und ein weiterer Teil deckt persönliche Ausgaben. Dieser Ansatz macht Trading zu einem nachhaltigen System, anstatt zu einem endlosen Kreislauf aus Gewinnen und anschließenden Verlusten.
Fazit:
Ein reifer Trader erkennt nicht nur gute Einstiegsmöglichkeiten, sondern weiß auch, wie man Kapital schützt, Risiken kontrolliert und erzielte Gewinne bewahrt. Langfristig überlebt nicht derjenige, der am schnellsten Geld verdient, sondern derjenige, der über die stabilste finanzielle Struktur verfügt. Geld zu verdienen ist das Ziel – es zu behalten ist jedoch das Fundament für nachhaltigen Erfolg im Trading.
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Pullback-Trading im DAX-Universum – Teil 7Trocknendes Angebot: Wie Volumen die Qualität eines Pullbacks verrät
Warum starke Aktien im Rücksetzer oft ruhiger werden, bevor sie wieder nach oben drehen
In Teil 6 dieser Serie ging es um die Anatomie eines gesunden Pullbacks.
Die wichtigste Aussage war:
Der Pullback ist ein Qualitätstest. Nicht jeder Rücksetzer besteht diesen Test.
Ein gesunder Pullback bleibt kontrolliert.
Ein schwacher Pullback zeigt zunehmenden Verkaufsdruck.
Heute gehen wir tiefer in einen der wichtigsten Bestandteile dieser Analyse:
Volumen.
Denn der Kurs allein erzählt nicht die ganze Geschichte.
Eine Aktie kann 5 % fallen und trotzdem konstruktiv aussehen.
Eine andere Aktie kann ebenfalls 5 % fallen und bereits echte Schwäche zeigen.
Der Unterschied liegt oft im Volumen.
Oder einfacher gesagt:
Wird die Aktie aktiv verkauft – oder trocknet das Angebot aus?
Genau darum geht es in diesem Teil.
1. WARUM VOLUMEN IM PULLBACK SO WICHTIG IST
Ein Pullback entsteht, weil eine Aktie nach einem starken Vorlauf pausiert.
Das ist normal.
Nach einer dynamischen Aufwärtsbewegung nehmen kurzfristige Trader Gewinne mit.
Einige Käufer warten ab.
Der Kurs kommt zurück.
Die Aktie testet Unterstützungen, gleitende Durchschnitte oder alte Ausbruchszonen.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie aggressiv wird verkauft?
Wenn eine Aktie im Pullback stark fällt und das Volumen deutlich steigt, kann das ein Warnsignal sein.
Wenn eine Aktie dagegen moderat zurückkommt und das Volumen abnimmt, ist das oft konstruktiv.
Dann sieht es eher so aus, als ob der Verkaufsdruck nachlässt.
Das ist der Kern der Idee vom trocknenden Angebot.
Die Aktie wird nicht mehr aggressiv verkauft.
Die Verkäufer verlieren Druck.
Der Kurs wird ruhiger.
Die Handelsspannen werden enger.
Ein neuer Pivot kann entstehen.
Das ist genau die Art von Verhalten, die ich bei hochwertigen Pullbacks sehen möchte.
2. WAS BEDEUTET „TROCKNENDES ANGEBOT“?
Trocknendes Angebot bedeutet:
Immer weniger Marktteilnehmer sind bereit, die Aktie zu niedrigeren Preisen zu verkaufen.
Das zeigt sich im Chart häufig durch:
fallendes Volumen im Rücksetzer
kleinere rote Kerzen
engere Tagesranges
weniger aggressive Abverkäufe
Stabilisierung an einer Unterstützungszone
keine großen Verkaufstage
schnelle Rückeroberung kleiner Schwächephasen
relative Stärke bleibt stabil
Die Aktie wirkt nicht mehr schwer.
Sie wirkt eher so, als ob sie eine Pause macht.
Das ist wichtig, weil ein Pullback nicht nur eine Frage des Preises ist.
Ein guter Pullback ist eine Kombination aus:
vorheriger Stärke
kontrolliertem Rücksetzer
abnehmendem Verkaufsdruck
stabiler relativer Stärke
enger werdender Struktur
klarem Pivot
definierbarem Risiko
Volumen hilft uns, diesen Unterschied besser zu erkennen.
3. PREIS UND VOLUMEN GEHÖREN ZUSAMMEN
Viele Trader betrachten nur den Kurs.
Sie fragen:
Wie weit ist die Aktie gefallen?
Wo liegt die 50-Tage-Linie?
Ist der Kurs nahe einer Unterstützung?
Wie weit ist der Abstand zum Stop?
Das ist wichtig.
Aber ohne Volumen fehlt ein zentraler Teil der Analyse.
Denn Preis ohne Volumen zeigt nur das Ergebnis.
Volumen zeigt, wie viel Beteiligung hinter dieser Bewegung steht.
Ein Rücksetzer mit hohem Volumen bedeutet:
Viele Aktien wechseln den Besitzer.
Es gibt aktiven Verkaufsdruck.
Möglicherweise steigen größere Marktteilnehmer aus.
Ein Rücksetzer mit geringem Volumen bedeutet:
Die Aktie kommt zurück, aber ohne aggressive Abgabe.
Verkäufer wirken weniger entschlossen.
Der Markt testet niedrigere Kurse, aber Angebot bleibt begrenzt.
Für Pullback-Trading ist der zweite Fall deutlich interessanter.
4. WIE EIN KONSTRUKTIVER VOLUMENVERLAUF AUSSIEHT
Ein idealer Pullback zeigt häufig folgenden Ablauf:
Vorheriger Anstieg mit erhöhtem oder zumindest solidem Volumen
Aktie erreicht ein neues Hoch oder Mehrmonatshoch
Rücksetzer beginnt
Volumen nimmt im Rücksetzer ab
Tagesranges werden kleiner
Aktie hält oberhalb wichtiger Unterstützungen
Relative Stärke bleibt stabil
Kurz vor dem Pivot ist die Aktivität oft sehr ruhig
Beim Ausbruch über den Pivot nimmt das Volumen wieder zu
Das ist ein sehr konstruktives Muster.
Es zeigt:
Beim Anstieg war Nachfrage vorhanden.
Im Rücksetzer nimmt das Angebot ab.
Beim neuen Ausbruch kommt Nachfrage zurück.
Genau diese Kombination ist interessant.
Nicht nur fallendes Volumen allein.
Sondern:
Starkes Volumen beim Impuls.
Nachlassendes Volumen im Pullback.
Wieder anziehendes Volumen beim Pivot.
5. WAS EIN SCHWACHER VOLUMENVERLAUF ZEIGT
Ein schwacher Pullback sieht oft anders aus.
Typische Warnsignale sind:
hohes Volumen an roten Tagen
mehrere große rote Kerzen
Volumen steigt, während der Kurs fällt
Erholungen erfolgen nur mit schwachem Volumen
Aktie verliert wichtige gleitende Durchschnitte
alte Ausbruchszonen werden klar unterschritten
relative Stärke kippt
Sektor wird ebenfalls verkauft
Das zeigt:
Der Rücksetzer ist nicht nur eine Pause.
Es kommt echter Verkaufsdruck in den Markt.
In solchen Situationen möchte ich vorsichtig sein.
Denn ein Pullback mit zunehmendem Verkaufsdruck ist oft kein Pullback mehr.
Er kann der Beginn einer größeren Korrektur sein.
Oder der Übergang von Stage 2 in Stage 3.
6. VOLUMEN IM DAX-UNIVERSUM RICHTIG EINORDNEN
Im DAX-Universum muss man Volumen etwas differenziert betrachten.
Nicht jede Aktie verhält sich gleich.
DAX-Werte
DAX-Aktien sind meist liquide.
Volumensignale sind hier oft besser interpretierbar, weil viele Marktteilnehmer aktiv sind.
Bei DAX-Werten achte ich besonders darauf:
ob rote Tage deutlich überdurchschnittliches Volumen zeigen
ob Ausbrüche von Volumen begleitet werden
ob Rücksetzer zur 21- oder 50-Tage-Linie ruhiger werden
ob die Aktie trotz Marktstress stabil bleibt
Bei sehr liquiden Werten ist ein einzelner Volumentag aber nicht immer entscheidend.
Wichtiger ist die Serie mehrerer Tage.
MDAX-Werte
Im MDAX findet man viele gute Pullback-Kandidaten.
Hier ist Volumen oft besonders hilfreich.
Ich achte auf:
klare Volumenanstiege bei Impulsen
sinkendes Volumen im Pullback
keine auffälligen Verkaufsblöcke
saubere Reaktion an Unterstützungen
ausreichende Liquidität für den geplanten Stop
Ein MDAX-Wert mit starkem Trend und trocknendem Volumen im Pullback kann sehr interessant sein.
SDAX-Werte
Bei SDAX-Werten ist Vorsicht wichtiger.
Das Volumen kann unregelmäßig sein.
Einzelne Orders können den Chart stärker beeinflussen.
Deshalb bewerte ich SDAX-Volumen nicht nur absolut, sondern im Kontext:
Ist das Handelsvolumen regelmäßig genug?
Sind die Spreads akzeptabel?
Gibt es viele Gaps?
Ist der Rücksetzer wirklich ruhig oder nur illiquide?
Kann ich den Stop praktisch sauber umsetzen?
Ein niedriger Volumentag ist bei illiquiden Aktien nicht automatisch konstruktiv.
Manchmal bedeutet es nur:
Es handelt kaum jemand.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
TecDAX-Werte
TecDAX-Aktien können stark auf Nachrichten, Nasdaq-Bewegungen und Zinsen reagieren.
Hier achte ich besonders auf:
Volumen nach Quartalszahlen
Reaktion auf US-Tech-Schwäche
Stabilität während Nasdaq-Korrekturen
ob Rücksetzer gekauft oder verkauft werden
ob relative Stärke trotz Volatilität stabil bleibt
Bei TecDAX-Werten kann ein hohes Volumen im Pullback ein besonders wichtiges Warnsignal sein.
Vor allem, wenn gleichzeitig der Nasdaq oder der Technologiesektor unter Druck steht.
7. EIN GUTER PULLBACK WIRD OFT LEISER
Eine einfache Beobachtung:
Gute Pullbacks werden oft leiser.
Das bedeutet:
weniger Volumen
kleinere Kerzen
weniger Drama
weniger Verkaufsdruck
weniger Volatilität
engere Struktur
Die Aktie wirkt nicht mehr hektisch.
Sie sammelt sich.
Das ist oft genau der Bereich, in dem ein Pivot entstehen kann.
Ein schlechter Pullback wird dagegen oft lauter:
größere rote Kerzen
steigendes Volumen
stärkere Intraday-Schwankungen
mehr Gaps
mehr Unsicherheit
schnellere Brüche wichtiger Marken
Für Pullback-Trading suche ich nicht den lautesten Chart.
Ich suche kontrollierte Stärke.
8. WARUM WENIG VOLUMEN ALLEIN NICHT REICHT
Wichtig ist:
Wenig Volumen allein ist kein Kaufsignal.
Ein Rücksetzer mit geringem Volumen ist nur dann interessant, wenn auch der Rest der Struktur passt.
Dazu gehören:
Stage 2
relative Stärke
starker Vorlauf
Nähe zum Hoch
kontrollierte Korrektur
wichtige Linien halten
keine klare Distribution
klarer Pivot
definierbarer Stop
Wenn eine Aktie in Stage 4 ist und mit wenig Volumen fällt, ist das nicht automatisch bullish.
Es kann einfach Desinteresse sein.
Wenn eine Aktie weit unter der 200-Tage-Linie liegt und kaum Volumen zeigt, ist das kein hochwertiger Pullback.
Das ist vielleicht nur eine schwache Aktie ohne Käufer.
Deshalb gilt:
Trocknendes Angebot ist nur in einer starken Aktie relevant.
9. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN „WENIG ANGEBOT“ UND „KEIN INTERESSE“
Das ist besonders wichtig.
Ein niedriger Volumentag kann zwei völlig unterschiedliche Dinge bedeuten.
Fall 1: Wenig Angebot
Die Aktie ist stark.
Sie ist in Stage 2.
Sie zeigt relative Stärke.
Sie kommt kontrolliert zurück.
Volumen nimmt ab.
Der Kurs bleibt nahe am Hoch.
Das ist konstruktiv.
Hier bedeutet wenig Volumen:
Verkäufer treten nicht aggressiv auf.
Fall 2: Kein Interesse
Die Aktie ist schwach.
Sie liegt unter wichtigen Durchschnitten.
Relative Stärke ist negativ.
Der Kurs bewegt sich träge.
Volumen ist niedrig.
Erholungen scheitern.
Das ist nicht konstruktiv.
Hier bedeutet wenig Volumen:
Es fehlt Nachfrage.
Der Kontext entscheidet.
Deshalb analysiere ich Volumen nie isoliert.
10. VOLUMEN UND DER VORHERIGE IMPULS
Ein Pullback ist interessanter, wenn der vorherige Impuls von Nachfrage begleitet wurde.
Ein guter Vorlauf zeigt häufig:
steigende Kurse mit erhöhtem Volumen
große grüne Tage mit klarer Nachfrage
mehrere Aufwärtstage mit überdurchschnittlichem Volumen
Ausbruch aus einer Base mit höherem Volumen
positive Reaktion auf Nachrichten oder Zahlen
relative Stärke verbessert sich gleichzeitig
Dann kommt der Rücksetzer.
Wenn dieser Rücksetzer mit weniger Volumen läuft, ist das konstruktiv.
Warum?
Weil vorher Käufer sichtbar waren.
Und im Rücksetzer keine starke Abgabe sichtbar ist.
Das ist eine bessere Ausgangslage als eine Aktie, die ohne Volumen steigt und dann mit hohem Volumen fällt.
11. VOLUMEN BEIM TEST EINER UNTERSTÜTZUNG
Viele Pullbacks laufen zu einer Unterstützung zurück.
Zum Beispiel:
21-Tage-Linie
50-Tage-Linie
alte Ausbruchszone
vorheriges Hoch
kleines Konsolidierungstief
kurzfristige Trendlinie
An diesen Punkten ist Volumen besonders wichtig.
Konstruktiv ist:
Kurs testet die Zone
Volumen bleibt moderat
keine große rote Kerze
Käufer kommen zurück
Aktie stabilisiert sich
nächster Aufwärtstag zeigt wieder Volumen
Problematisch ist:
Kurs fällt mit hohem Volumen durch die Zone
keine schnelle Rückeroberung
Erholung bleibt schwach
Volumen steigt bei weiteren roten Tagen
die Zone wird zum Widerstand
Die Unterstützung selbst ist also nicht entscheidend.
Entscheidend ist, wie die Aktie dort reagiert.
12. VOLUMEN UND DER PIVOT
Der Pivot ist der Punkt, an dem der Pullback wieder handelbar wird.
Vorher beobachte ich nur.
Der Pivot entsteht oft, wenn:
der Rücksetzer enger wird
Volumen im Rücksetzer abnimmt
die Aktie oberhalb einer Unterstützung bleibt
ein kleines Hoch entsteht, das überwunden werden kann
Käufer wieder aktiv werden
Beim Pivot möchte ich idealerweise wieder mehr Nachfrage sehen.
Das bedeutet:
Kurs bricht über einen kleinen Widerstand
Volumen zieht an
Aktie schließt stark
relative Stärke verbessert sich
Marktumfeld ist nicht klar negativ
Nicht jeder Pivot braucht extremes Volumen.
Aber ein Pivot ohne jede Nachfrage ist weniger überzeugend.
Besonders gut ist:
Leiser Pullback.
Dann lauter Pivot.
13. WANN HOHES VOLUMEN POSITIV IST
Hohes Volumen ist nicht automatisch schlecht.
Es kommt darauf an, wann es auftritt.
Hohes Volumen ist positiv, wenn es bei Stärke erscheint:
Ausbruch aus einer Base
starker Aufwärtstag
Rückeroberung einer wichtigen Linie
positive Reaktion nach Zahlen
Pivot aus engem Pullback
neue Hochs mit Nachfrage
Hohes Volumen ist negativ, wenn es bei Schwäche erscheint:
große rote Kerze
Bruch der 50-Tage-Linie
Rückfall in alte Base
Gap nach unten
starker Abverkauf nach Zahlen
mehrere Distributionstage hintereinander
Volumen ist also nicht gut oder schlecht.
Volumen verstärkt die Bedeutung der Kursbewegung.
14. WANN NIEDRIGES VOLUMEN POSITIV IST
Niedriges Volumen ist positiv, wenn es im richtigen Kontext erscheint.
Zum Beispiel:
Aktie ist in Stage 2
vorheriger Impuls war stark
Rücksetzer ist moderat
Kurs bleibt nahe am Hoch
wichtige Linien halten
Volumen nimmt im Pullback ab
Tagesranges werden enger
relative Stärke bleibt stabil
Dann bedeutet niedriges Volumen:
Verkäufer verlieren Druck.
Das ist konstruktiv.
Niedriges Volumen ist aber nicht positiv, wenn:
die Aktie schwach ist
der Kurs unter der 200-Tage-Linie liegt
Erholungen ohne Volumen stattfinden
Käufer fehlen
der Chart träge und uninteressant wirkt
relative Stärke negativ bleibt
Dann bedeutet niedriges Volumen eher:
Es fehlt Nachfrage.
15. VOLUMEN NACH QUARTALSZAHLEN
Im DAX-Universum sind Quartalszahlen besonders wichtig.
Nach Zahlen kann Volumen stark ansteigen.
Das ist normal.
Die Frage lautet:
Wie reagiert der Kurs auf das hohe Volumen?
Konstruktiv:
Aktie steigt nach Zahlen
Volumen ist hoch
Kurs hält die Gewinne
Rücksetzer danach bleibt kontrolliert
Aktie bildet einen neuen Pivot
Problematisch:
Aktie eröffnet höher, fällt aber stark zurück
hohes Volumen ohne Kursfortschritt
langer oberer Docht
Bruch wichtiger Linien
schwache Folgetage
relative Stärke kippt
Ein hoher Volumentag nach Zahlen ist also nicht automatisch gut.
Die Reaktion danach ist entscheidend.
16. VOLUMEN UND GAPS
Gaps sind im deutschen Markt wichtig.
Eine Aktie kann mit einer Kurslücke eröffnen.
Danach ist entscheidend:
Wird das Gap gehalten?
Wird das Gap schnell verkauft?
Entsteht hohes Volumen ohne Fortschritt?
Schließt die Aktie stark oder schwach?
Wird der Gap-Bereich später verteidigt?
Ein Gap nach oben mit hohem Volumen kann stark sein, wenn der Kurs die Bewegung hält.
Ein Gap nach oben, das sofort verkauft wird, kann ein Warnsignal sein.
Ein Gap nach unten mit hohem Volumen ist meistens kritisch, vor allem wenn wichtige Linien brechen.
Für Pullback-Trading möchte ich keine Aktie kaufen, die gerade mit hohem Volumen nach unten aus der Struktur fällt.
17. MEHRERE KLEINE HINWEISE SIND WICHTIGER ALS EIN EINZELNER TAG
Ein einzelner Volumentag kann täuschen.
Deshalb schaue ich nicht nur auf einen Tag.
Ich betrachte das Muster.
Fragen:
Sind die roten Tage lauter als die grünen Tage?
Werden Rücksetzer gekauft?
Gibt es mehrere Verkaufstage mit hohem Volumen?
Nimmt Volumen im Pullback wirklich ab?
Zieht Volumen beim Pivot wieder an?
Bleibt die Aktie nahe am Hoch?
Was macht die relative Stärke?
Ein guter Pullback entsteht selten durch einen einzigen perfekten Tag.
Er entsteht durch ein Muster aus kontrolliertem Verhalten.
18. BEISPIEL FÜR EINEN KONSTRUKTIVEN VOLUMEN-PULLBACK
Stellen wir uns eine MDAX-Aktie vor.
Die Aktie ist in Stage 2.
Sie läuft stärker als das DAX-Universum.
Der Kurs liegt über der 50- und 200-Tage-Linie.
Der vorherige Impuls war dynamisch.
Jetzt kommt der Pullback.
Tag 1: leichter Rücksetzer, normales Volumen.
Tag 2: weitere kleine rote Kerze, Volumen niedriger.
Tag 3: Seitwärtsbewegung, noch weniger Volumen.
Tag 4: enger Handelstag nahe der 21-Tage-Linie.
Tag 5: Aktie bricht über das Hoch der letzten Tage, Volumen zieht an.
Das ist konstruktiv.
Nicht weil die Aktie gefallen ist.
Sondern weil der Rücksetzer kontrolliert war und das Angebot sichtbar nachgelassen hat.
19. BEISPIEL FÜR EINEN SCHWACHEN VOLUMEN-PULLBACK
Jetzt eine SDAX-Aktie.
Auch hier gab es vorher einen Anstieg.
Dann beginnt der Rücksetzer.
Tag 1: große rote Kerze mit hohem Volumen.
Tag 2: Bruch der 21-Tage-Linie.
Tag 3: Erholung mit schwachem Volumen.
Tag 4: erneuter Abverkauf mit höherem Volumen.
Tag 5: Bruch der 50-Tage-Linie.
Relative Stärke fällt deutlich.
Das ist kein gesunder Pullback.
Auch wenn der Kurs optisch „günstiger“ aussieht.
Das Volumen sagt:
Hier wird verkauft.
In solchen Situationen warte ich lieber.
20. MEINE VOLUMEN-CHECKLISTE FÜR PULLBACKS
Bevor ich einen Pullback als hochwertig einordne, stelle ich mir folgende Fragen:
War der vorherige Impuls von konstruktivem Volumen begleitet?
Nimmt das Volumen im Pullback ab?
Gibt es keine großen roten Volumentage?
Bleibt das Volumen an schwachen Tagen moderat?
Werden Unterstützungen ohne starken Verkaufsdruck getestet?
Werden Erholungen von besserem Volumen begleitet?
Werden die Tagesranges kleiner?
Bleibt die Aktie nahe am Hoch?
Bleibt relative Stärke stabil?
Hält die Aktie wichtige gleitende Durchschnitte?
Gibt es keine auffällige Distribution?
Gibt es keine starken Gaps nach unten?
Zieht das Volumen beim Pivot wieder an?
Ist die Aktie liquide genug?
Ist der Spread akzeptabel?
Ist das Volumenmuster über mehrere Tage konstruktiv?
Passt das Verhalten zum Marktumfeld?
Passt das Verhalten zum Sektor?
Ist der Stop logisch definierbar?
Ist das Chance-Risiko-Verhältnis attraktiv?
Je mehr dieser Fragen positiv beantwortet werden, desto besser ist die Qualität des Pullbacks.
21. WIE ICH MEINE INDIKATOREN DABEI NUTZE
Für diese Serie nutze ich zwei eigene TradingView-Indikatoren als Filter.
Stock Stage Analysis
Dieser Indikator hilft mir, die Marktphase einzuordnen.
Ich möchte Pullbacks vor allem in Stage 2 sehen.
Wenn eine Aktie bereits Stage 3 oder Stage 4 zeigt, wird ein Rücksetzer mit hohem Volumen besonders gefährlich.
Dann kann aus einem vermeintlichen Pullback schnell echte Schwäche werden.
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Dieser Indikator zeigt mir, ob die Aktie stärker oder schwächer läuft als das breite deutsche Aktienuniversum.
Während eines Pullbacks achte ich darauf:
bleibt die RS-Linie über 0?
bleibt sie über ihrem gleitenden Durchschnitt?
fällt die Aktie weniger stark als der Markt?
bleibt die relative Stärke trotz Rücksetzer stabil?
Wenn Volumen trocknet und relative Stärke stabil bleibt, ist das ein gutes Zeichen.
Wenn Volumen steigt und relative Stärke kippt, ist das ein Warnsignal.
22. DIE KERNREGEL FÜR BLOG 7
Die wichtigste Regel für diesen Teil lautet:
Ein guter Pullback zeigt nachlassenden Verkaufsdruck, bevor er wieder Stärke zeigt.
Oder noch kürzer:
Erst trocknet das Angebot. Dann entsteht der Pivot.
Das bedeutet:
Ich kaufe nicht einfach, weil der Kurs gefallen ist.
Ich warte darauf, dass der Rücksetzer ruhiger wird.
Dann warte ich auf ein Zeichen neuer Stärke.
Erst dann wird der Trade interessant.
23. FAZIT
Volumen ist einer der wichtigsten Hinweise für die Qualität eines Pullbacks.
Ein gesunder Pullback zeigt oft:
abnehmendes Volumen
kleinere Kerzen
engere Tagesranges
wenig Verkaufsdruck
stabile relative Stärke
Halten wichtiger Unterstützungen
anziehendes Volumen beim Pivot
Ein schwacher Pullback zeigt dagegen:
hohes Verkaufsvolumen
große rote Kerzen
Bruch wichtiger Linien
fallende relative Stärke
schwache Erholungen
Gaps nach unten
fehlende Stabilisierung
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Ein Pullback ist nicht deshalb gut, weil der Kurs gefallen ist.
Er ist gut, wenn der Verkaufsdruck nachlässt und neue Nachfrage sichtbar wird.
Für Pullback-Trading im DAX-Universum suche ich daher keine fallenden Aktien.
Ich suche starke Aktien, bei denen das Angebot im Rücksetzer trocknet.
Die Reihenfolge bleibt:
Stage 2.
Relative Stärke.
Starker Vorlauf.
Gesunder Pullback.
Trocknendes Angebot.
Pivot.
Definiertes Risiko.
Im nächsten Teil geht es um ein eng verwandtes Thema:
Volatilitätskontraktion und enge Handelsspannen.
Denn je ruhiger und enger ein Pullback wird, desto klarer lässt sich oft der Einstieg und das Risiko definieren.
HILFREICHE TOOLS AUF TRADINGVIEW
Für diese Serie nutze ich unter anderem meine eigenen TradingView-Indikatoren:
Stock Stage Analysis
zur Einordnung der Marktphase in Stage 1, Stage 2, Stage 3 oder Stage 4.
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
zur Messung relativer Stärke gegenüber einem gleichgewichteten Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.
Wichtig:
Diese Indikatoren sind keine Kaufsignale.
Sie sind Filter.
Der eigentliche Einstieg entsteht erst durch Pullback, Pivot und definiertes Risiko.
DISCLAIMER
Diese Analyse dient ausschließlich der Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Trader ist für seine eigenen Entscheidungen, sein Risikomanagement und seine Positionsgröße selbst verantwortlich.
Vertraue nicht blind auf zu offensichtliche Unterstützungen!Im Trading vermitteln klare Unterstützungszonen Tradern oft ein Gefühl von Sicherheit. Der Preis erreicht ein früheres Tief, hat dort bereits stark reagiert, und für viele sieht dieser Bereich wie der perfekte Ort zum Kaufen aus. Doch genau diese Offensichtlichkeit kann manchmal eine Falle sein.
Der Markt bewegt sich nicht einfach nur von Unterstützung zu Widerstand. Bevor eine Umkehr stattfindet, benötigt der Preis häufig Liquidität. Und wo befindet sich diese Liquidität? Oft liegt sie direkt unter den Unterstützungszonen, die von der Mehrheit verteidigt werden. Dort befinden sich die Stop-Loss-Orders der Käufer, wodurch Trader mit zu frühen Einstiegen leicht aus dem Markt gedrängt werden können.
Deshalb ist ein leichter Durchbruch unter eine Unterstützung nicht immer ein echtes Verkaufssignal. Manchmal handelt es sich nur um einen Liquidity Sweep – der Markt bewegt sich kurz unter die Unterstützung, löst Stop-Loss-Orders aus, nimmt Liquidität auf und zieht den Preis anschließend schnell wieder über die wichtige Zone zurück. Ungeduldige Käufer werden aus ihren Positionen ausgestoppt, während sich danach bessere Chancen ergeben können.
Der größte Fehler besteht nicht darin, eine Unterstützungszone falsch zu erkennen. Der Fehler liegt darin, Unterstützung als automatisches „Buy“-Signal zu betrachten. Eine Unterstützungszone sollte lediglich als Bereich gesehen werden, in dem die Reaktion des Preises beobachtet wird. Trader müssen abwarten, ob die Verkäufer tatsächlich genug Stärke besitzen, um den Preis weiter nach unten zu drücken, oder ob sie lediglich einen Liquiditäts-Sweep erzeugen, bevor die Käufer zurückkehren.
Ein hochwertiges Setup entsteht oft nicht beim ersten Kontakt mit einer Unterstützung. Es entsteht, wenn der Preis unter die Unterstützung fällt, eine deutliche Ablehnung durch eine lange Lunte zeigt, den Abwärtsdruck nicht fortsetzen kann und wieder oberhalb der wichtigen Zone schließt. In diesem Moment kauft der Trader nicht mehr, weil „der Preis die Unterstützung erreicht hat“, sondern weil der Markt gezeigt hat, dass die Verkäufer gescheitert sind und die Käufer beginnen, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Erfahrene Trader reagieren nicht sofort auf ein attraktives Preisniveau. Sie warten darauf, dass der Markt seine eigene Geschichte offenlegt: Wer steckt fest? Wo wurde Liquidität abgeholt? Und welche Seite kontrolliert den Markt nach dem Sweep tatsächlich?
Fazit:
Eine Unterstützung ist kein automatischer Einstiegspunkt. Sie ist ein Test für die Geduld eines Traders. Kaufen Sie nicht nur, weil der Preis eine bekannte Zone erreicht. Warten Sie auf die Reaktion, warten Sie auf die Bestätigung und handeln Sie erst, wenn der Markt zeigt, dass der Durchbruch unter die Unterstützung lediglich eine Liquiditätsfalle war – und keine Fortsetzung des Abwärtstrends.
Je lauter die Masse wird, desto klarer muss der Trader bleibenIm Trading beginnen nicht alle falschen Entscheidungen mit einer schlechten Analyse. Oft liegt der Fehler darin, dass Trader von der Psychologie der Masse mitgerissen werden. Wenn sie sehen, dass alle kaufen, haben sie Angst, eine Chance zu verpassen. Wenn der Markt in Panik gerät, verkaufen sie hastig mit, weil sie nicht der Letzte sein wollen, der feststeckt.
Genau hier entsteht der Herdentrieb – eine psychologische Falle, die Trader dazu bringt, der Mehrheit zu folgen, anstatt ihrem eigenen System zu vertrauen. Das Gefühl, mit der Masse zu handeln, vermittelt oft eine falsche Sicherheit. Trader denken, dass eine Entscheidung richtig sein muss, wenn viele Menschen dasselbe tun. Doch an den Finanzmärkten verliert die Mehrheit häufig gerade an extremen Punkten die Kontrolle: wenn Preise zu stark steigen oder wenn der Markt übermäßig stark fällt.
Starke FOMO-Bewegungen entstehen oft gegen Ende einer Aufwärtsbewegung, wenn jeder davon überzeugt ist, dass der Preis noch viel weiter steigen wird. Umgekehrt treten heftige Abverkäufe häufig dann auf, wenn die Angst den Markt dominiert und Trader ihre objektive Analyse verlieren. Genau in solchen Momenten entstehen oft Liquiditätsjagden, Breakout-Fallen oder plötzliche Umkehrbewegungen, nachdem die Mehrheit bereits emotional gehandelt hat.
Ein erfahrener Trader muss nicht immer gegen die Masse handeln. Viel wichtiger ist, dass er nicht zulässt, dass die Masse für ihn entscheidet. Er beobachtet, ob die Mehrheit gerade von Euphorie oder Angst getrieben wird, wo sich die Liquidität befindet, ob die Marktstruktur den aktuellen Trend weiterhin unterstützt und ob das Risiko-Rendite-Verhältnis noch sinnvoll ist.
Bevor du eine Position eröffnest, solltest du dich fragen:
„Trade ich aufgrund eines wirklich klaren Setups oder habe ich nur Angst, zurückgelassen zu werden?“
Wenn der Grund für einen Einstieg aus Ungeduld, dem Druck der Community oder FOMO entsteht, ist es keine disziplinierte Trading-Entscheidung mehr.
Fazit:
Die Masse kann Momentum erzeugen, aber sie kann auch Fallen schaffen. Professionelle Trader hören auf den Markt, aber sie laufen nicht der Lautstärke der Masse hinterher. Sie beobachten die Emotionen der Mehrheit, handeln jedoch nur dann, wenn ihre Analyse, ihr Trading-Plan und ihr Risikomanagement dies tatsächlich bestätigen.
Verlieren mit System statt Handeln ohne PlanIm Trading sind Verluste nichts Ungewöhnliches. Sie sind ein natürlicher Bestandteil eines Wahrscheinlichkeitsgeschäfts. Kein Trader, egal wie erfahren er ist, kann bei jeder einzelnen Position richtig liegen. Was einen professionellen Trader von einem emotional handelnden Trader unterscheidet, ist nicht die Fähigkeit, Verluste vollständig zu vermeiden, sondern der Umgang mit ihnen und die Kontrolle über das Risiko.
Ein geplanter Verlust ist kein Misserfolg. Wenn ein Trader vor dem Einstieg klare Regeln für den Entry-Bereich, den Stop-Loss, das Gewinnziel, die Positionsgröße und das akzeptierte Risiko festgelegt hat, dann ist dieser Verlust lediglich ein Bestandteil seines Handelssystems. Er ist vergleichbar mit Betriebskosten in einem Unternehmen: nicht angenehm, aber einkalkuliert und nicht in der Lage, den gesamten Prozess zu zerstören.
Die wahre Gefahr entsteht bei einem Trade, der ohne klare Struktur und ohne Vorbereitung eröffnet wird. Das passiert, wenn ein Trader aus FOMO handelt, die Positionsgröße erhöht, um Verluste schnell zurückzugewinnen, den Stop-Loss verschiebt, weil er seinen Fehler nicht akzeptieren möchte, oder Entscheidungen nur aufgrund kurzfristiger Emotionen trifft. Solche Trades reduzieren nicht nur das Kontoguthaben, sondern zerstören auch die Disziplin, schwächen das Vertrauen in das eigene System und führen dazu, dass zukünftige Entscheidungen immer unkontrollierter werden.
Ein reifer Trader versteht, dass jeder Verlust wertvolle Daten enthält. Statt ihn nur als negatives Ergebnis zu betrachten, analysiert er den Grund für den Einstieg, die Reaktion des Marktes, seinen emotionalen Zustand während des Trades und ob der ursprüngliche Plan eingehalten wurde. Durch eine ernsthafte Auswertung kann ein Verlust Schwächen in der Strategie, Fehler im Risikomanagement oder psychologische Probleme beim Trading aufdecken.
Auch die mentale Gesundheit ist ein wichtiger Teil des Risikomanagements. Wenn eine Verlustserie dazu führt, dass man gestresst, ungeduldig oder vom Wunsch getrieben wird, den Markt „zurückzuzahlen“, ist die beste Entscheidung nicht, weitere Trades zu eröffnen, sondern eine Pause einzulegen. Der Markt wird immer da sein. Aber die eigene Klarheit, Disziplin und Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen, müssen zuerst geschützt werden.
Fazit:
Ein verlorener Trade bedeutet nicht, dass du ein schlechter Trader bist. Problematisch ist ein Verlust, bei dem du nicht weißt, warum er entstanden ist, keinen Plan hattest und keine Erkenntnisse daraus gewinnst. Professionelle Trader versuchen nicht, jeden Verlust zu vermeiden. Sie lernen, Verluste zu begrenzen, zu dokumentieren und in wertvolle Daten zur Verbesserung ihres Systems umzuwandeln. Im Trading entsteht Fortschritt nicht dadurch, dass man immer richtig liegt, sondern dadurch, dass man lernt, seine Fehler kontrolliert zu managen.
S&P 500: Deshalb ist die Marke von 8.000 Punkten so wichtigDer langfristige Trend des S&P 500 ist weiterhin aufwärtsgerichtet. Korrekturphasen dauern in der Regel nie länger als einige Wochen, wobei sich die Rückgänge meist auf 10 % bis 20 % beschränken. Bei jeder Korrektur des S&P 500 sprechen die Pessimisten erneut von einem Börsencrash, doch bisher stellte jeder Rückgang letztlich eine Kaufgelegenheit dar, bevor sich der Aufwärtstrend fortsetzte.
Dieser Aufwärtstrend hält an, weil die fundamentalen Rahmenbedingungen solide sind und auch die langfristigen Perspektiven überzeugend bleiben.
Eines steht jedoch fest: Irgendwann wird der US-Aktienmarkt ein Bewertungsniveau erreichen, das so hoch ist, dass sich schließlich ein bedeutendes langfristiges Markthoch ausbilden wird.
Solange die Gewinnaussichten der Unternehmen – insbesondere durch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz – außergewöhnlich stark bleiben, stellt jede Korrektur eine Chance dar.
Genau darauf habe ich bereits vergangene Woche in meiner Analyse zum Forward-KGV des S&P 500 hingewiesen.
Bei der Bewertung des Aktienmarktes ist jedoch ein ausgewogener Ansatz entscheidend. Eine sinnvolle Methode besteht darin, das Forward-KGV (die erwarteten zukünftigen Gewinne) mit dem Shiller-KGV (den inflationsbereinigten Unternehmensgewinnen der vergangenen zehn Jahre) zu kombinieren.
Die nachstehende Grafik stammt von GuruFocus und zeigt die Bewertung des S&P 500 anhand des Shiller-KGVs (auch CAPE-Ratio genannt).
Das Shiller-KGV (CAPE-Ratio) des S&P 500 liegt derzeit bei rund 40. Der historische Höchstwert wurde im Dezember 1999 mit einem Wert von 44 erreicht.
Unterstellt man eine einfache Fortschreibung, würde eine Rückkehr auf ein CAPE-Ratio von 44 einen S&P 500 zwischen etwa 8.000 und 8.200 Punkten implizieren.
Die Marke von 8.000 Punkten ist daher nicht nur aufgrund ihrer psychologischen Bedeutung als runde Zahl von besonderem Interesse. Sie sollte äußerst aufmerksam beobachtet werden, da der S&P 500 dann wieder seine historische Höchstbewertung gemessen am Shiller-KGV erreichen würde.
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Pullback-Trading im DAX-Universum – Teil 6Die Anatomie eines gesunden Pullbacks: Wie man normale Rücksetzer von echter Schwäche unterscheidet
Tiefe, Volumen, Tagesranges, gleitende Durchschnitte und Unterstützungsbereiche richtig einordnen
In Teil 5 dieser Serie ging es um den idealen Vorlauf vor einem Pullback.
Die wichtigste Aussage war:
Die Qualität eines Pullbacks wird vor dem Pullback entschieden.
Ein Rücksetzer ist nur dann interessant, wenn vorher Stärke vorhanden war.
Jetzt gehen wir einen Schritt weiter.
Wenn eine Aktie bereits in Stage 2 ist, relative Stärke zeigt und einen dynamischen Vorlauf hatte, stellt sich die nächste Frage:
Ist der aktuelle Rücksetzer gesund – oder beginnt die Aktie bereits zu kippen?
Genau darum geht es in diesem Teil.
Denn nicht jeder Rücksetzer ist ein Kaufsignal.
Ein Pullback kann eine normale Pause innerhalb eines Aufwärtstrends sein.
Er kann aber auch der erste Hinweis sein, dass der Trend an Qualität verliert.
Der Unterschied ist entscheidend.
Ein gesunder Pullback gibt uns eine mögliche Einstiegschance.
Ein schwacher Pullback warnt uns davor, in eine beginnende Distribution hineinzukaufen.
1. EIN PULLBACK IST EIN TEST
Ein Pullback ist nicht einfach ein Kursrückgang.
Ein Pullback ist ein Test.
Der Markt testet, ob die vorherige Stärke Bestand hat.
Die Aktie hatte vorher Käufer.
Sie ist gestiegen.
Sie hat relative Stärke gezeigt.
Sie wurde auf der Watchlist interessant.
Dann kommt der Rücksetzer.
Jetzt zeigt sich:
Bleiben Käufer aktiv?
Trocknet das Verkaufsvolumen aus?
Werden Rücksetzer schnell gekauft?
Hält die Aktie wichtige Unterstützungen?
Bleibt die relative Stärke stabil?
Oder entsteht plötzlich echter Verkaufsdruck?
Genau deshalb ist der Pullback so wichtig.
Er zeigt uns, ob die vorherige Stärke nur kurzfristig war – oder ob die Aktie wirklich weiter akkumuliert wird.
2. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN PULLBACK UND SCHWÄCHE
Viele Trader verwechseln einen Pullback mit Schwäche.
Das liegt daran, dass beides auf den ersten Blick gleich aussieht:
Der Kurs fällt.
Aber die Ursache und die Struktur sind unterschiedlich.
Ein gesunder Pullback entsteht nach einem starken Vorlauf.
Die Aktie nimmt eine Pause.
Der Verkaufsdruck bleibt begrenzt.
Das Volumen nimmt ab.
Die Tagesranges werden enger.
Die Aktie bleibt oberhalb wichtiger Unterstützungen.
Relative Stärke bleibt stabil.
Echte Schwäche sieht anders aus.
Die Aktie fällt stärker als der Markt.
Volumen nimmt auf roten Tagen zu.
Wichtige Linien werden gebrochen.
Erholungen scheitern schnell.
Die Aktie verliert relative Stärke.
Der Chart wirkt nicht mehr kontrolliert.
Der Unterschied liegt also nicht darin, ob der Kurs fällt.
Der Unterschied liegt darin, wie der Kurs fällt.
3. DIE IDEALE AUSGANGSLAGE
Bevor ich einen Pullback überhaupt bewerte, muss die Ausgangslage stimmen.
Ein gesunder Pullback braucht vorher:
Stage-2-Aufwärtstrend
Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
steigende oder zumindest konstruktive 50-Tage-Linie
stabile oder steigende 200-Tage-Linie
relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
vorherigen dynamischen Impuls
Nähe zum 52-Wochen-Hoch
keinen chaotischen oder komplett überdehnten Vorlauf
ausreichende Liquidität
kein unmittelbares Event-Risiko
Ohne diese Basis ist der Rücksetzer für mich meistens kein hochwertiges Pullback-Setup.
Dann ist es eher eine beliebige Korrektur.
Oder noch schlimmer:
Ein Rücksetzer in einer schwachen Aktie.
4. WIE TIEF DARF EIN GESUNDER PULLBACK SEIN?
Eine der häufigsten Fragen lautet:
Wie weit darf eine Aktie zurückkommen, damit der Pullback noch gesund ist?
Es gibt darauf keine feste Prozentzahl, die immer gilt.
Eine volatile SDAX-Aktie bewegt sich anders als ein liquider DAX-Wert.
Eine TecDAX-Aktie kann größere Schwankungen haben als ein defensiver Dividendentitel.
Trotzdem gibt es eine wichtige Grundregel:
Je stärker und sauberer der Trend, desto weniger tief sollte der Pullback idealerweise sein.
Ein sehr starker Leader muss oft gar nicht weit zurückkommen.
Er konsolidiert vielleicht nur einige Tage seitwärts.
Oder er zieht kontrolliert zur 10- oder 21-Tage-Linie zurück.
Oder er testet einen alten Ausbruchsbereich.
Ein schwächerer Wert fällt dagegen oft deutlich tiefer.
Er verliert die 50-Tage-Linie.
Er fällt stärker als der Markt.
Er wirkt schwer und unkontrolliert.
Das ist kein Qualitätsmerkmal.
5. ORIENTIERUNG AN GLEITENDEN DURCHSCHNITTEN
Für die Pullback-Analyse nutze ich gerne gleitende Durchschnitte als Orientierung.
Nicht als starre Kaufmarken.
Sondern als Zonen, an denen man Verhalten beobachten kann.
Wichtige Linien sind zum Beispiel:
10-Tage-Linie
21-Tage-Linie
50-Tage-Linie
150-Tage-Linie
200-Tage-Linie
Ein sehr starker Pullback endet oft bereits im Bereich der 10- oder 21-Tage-Linie.
Ein normaler, etwas tieferer Pullback kann zur 50-Tage-Linie laufen.
Ein Rücksetzer deutlich unter die 50-Tage-Linie ist dagegen ein Warnsignal, vor allem wenn er mit hohem Volumen passiert.
Für meine Pullback-Logik gilt:
Je näher der Kurs an der 50-Tage-Linie stabilisiert, ohne sie aggressiv zu brechen, desto interessanter kann das Setup werden.
Aber:
Die Linie allein ist kein Kaufsignal.
Entscheidend ist die Reaktion.
6. EIN TOUCH DER 50-TAGE-LINIE IST NICHT AUTOMATISCH EIN KAUF
Viele Trader kaufen automatisch, sobald eine Aktie die 50-Tage-Linie erreicht.
Das ist gefährlich.
Die 50-Tage-Linie ist keine magische Unterstützung.
Sie ist nur ein Referenzpunkt.
Die entscheidenden Fragen lauten:
Wie kommt die Aktie zur Linie zurück?
Fällt sie ruhig oder aggressiv?
Nimmt das Volumen ab oder zu?
Gibt es lange rote Kerzen?
Wird die Linie schnell zurückerobert?
Bleibt relative Stärke vorhanden?
Gibt es einen klaren Pivot?
Ist der Stop sinnvoll definierbar?
Ein kontrollierter Test der 50-Tage-Linie kann interessant sein.
Ein harter Bruch der 50-Tage-Linie mit hohem Volumen ist dagegen oft ein Warnsignal.
Der Unterschied liegt im Verhalten.
Nicht in der Linie selbst.
7. VOLUMEN: WIRD VERKAUFT ODER NUR PAUSIERT?
Volumen ist einer der wichtigsten Hinweise im Pullback.
Ein gesunder Pullback zeigt häufig:
abnehmendes Volumen während des Rücksetzers
keine massiven roten Volumentage
geringere Aktivität an schwachen Tagen
steigendes Volumen bei Erholungstagen
schnelle Nachfrage an Unterstützungszonen
Das deutet darauf hin, dass die Aktie nicht aggressiv verkauft wird.
Sie pausiert eher.
Ein problematischer Pullback zeigt dagegen:
hohes Volumen an roten Tagen
deutliche Verkaufswellen
große rote Kerzen
schwache Erholungen auf geringem Volumen
Bruch wichtiger Linien mit erhöhtem Umsatz
Das deutet auf echten Verkaufsdruck hin.
Für mich ist das einer der wichtigsten Unterschiede.
Ein Pullback mit fallendem Volumen ist potenziell konstruktiv.
Ein Pullback mit steigendem Verkaufsvolumen ist verdächtig.
8. TAGESRANGES: WIRD DIE AKTIE RUHIGER ODER WILDER?
Neben dem Volumen achte ich stark auf die Tagesranges.
Ein gesunder Pullback wird oft mit der Zeit ruhiger.
Die Kerzen werden kleiner.
Die Spanne zwischen Tageshoch und Tagestief nimmt ab.
Der Kurs bewegt sich enger.
Verkäufer verlieren Druck.
Käufer beginnen, Rücksetzer aufzufangen.
Das ist konstruktiv.
Ein schwacher Pullback sieht anders aus:
große rote Tageskerzen
lange untere und obere Dochte
starke Richtungswechsel
viele Gaps
hohe Intraday-Volatilität
keine klare Stabilisierung
Solche Bewegungen zeigen Unsicherheit.
Und Unsicherheit ist für einen engen, risikoarmen Einstieg oft schlecht.
Ein gutes Pullback-Setup fühlt sich im Chart oft enger und kontrollierter an.
Nicht chaotischer.
9. DER PULLBACK SOLLTE STRUKTUR BEHALTEN
Ein gesunder Pullback zerstört die Struktur nicht.
Er kann zurückkommen.
Aber er sollte nicht alles kaputt machen, was vorher aufgebaut wurde.
Konstruktiv ist zum Beispiel:
die Aktie bildet ein höheres Tief
der Kurs bleibt über dem letzten wichtigen Ausbruchsniveau
die 50-Tage-Linie bleibt intakt
die Aktie bleibt nahe am Hoch
der Rücksetzer bleibt innerhalb einer normalen Korrektur
relative Stärke bleibt stabil
Problematisch ist:
die Aktie fällt unter das letzte höhere Tief
der alte Ausbruch wird vollständig negiert
die 50-Tage-Linie wird klar gebrochen
die Aktie fällt stärker als der Markt
die RS-Linie kippt deutlich
der Chart geht zurück in eine alte Seitwärtsrange
Ein Pullback darf atmen.
Aber er sollte den Trend nicht zerstören.
10. RELATIVE STÄRKE WÄHREND DES PULLBACKS
Ein sehr gutes Zeichen ist relative Stärke während des Rücksetzers.
Das bedeutet:
Der Markt fällt vielleicht deutlich.
Die Aktie kommt aber nur leicht zurück.
Oder:
Der DAX korrigiert.
Die Aktie bleibt nahe am Hoch.
Oder:
Das DAX-Universum wird schwächer.
Die Aktie hält ihre 21- oder 50-Tage-Linie.
Das ist interessant.
Denn es zeigt, dass die Aktie weiterhin besser läuft als ihr Umfeld.
Für diese Einschätzung nutze ich meinen Indikator:
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Während eines Pullbacks achte ich besonders darauf:
bleibt die RS-Linie über 0?
bleibt sie über ihrem gleitenden Durchschnitt?
steigt sie sogar, obwohl der Kurs leicht zurückkommt?
fällt sie weniger stark als der Kurs?
bleibt die Aktie stärker als das DAX-Universum?
Ein Pullback mit stabiler relativer Stärke ist deutlich interessanter als ein Pullback, bei dem die relative Stärke sofort zusammenbricht.
11. DER IDEALE PULLBACK IST OFT LANGWEILIG
Viele gute Pullbacks sehen nicht spektakulär aus.
Sie sind eher langweilig.
Das ist positiv.
Ein idealer Pullback wirkt oft so:
wenige Tage bis wenige Wochen Rücksetzer
moderate Tiefe
kleiner werdende Kerzen
abnehmendes Volumen
keine Panik
keine großen Gaps
keine heftigen roten Tage
Kurs bleibt oberhalb wichtiger Durchschnitte
enger Bereich entsteht
Pivot wird erkennbar
Das ist genau die Art von Struktur, die ich sehen möchte.
Denn je enger und kontrollierter der Pullback wird, desto besser lässt sich das Risiko definieren.
Ein chaotischer Pullback macht den Stop schwierig.
Ein enger Pullback macht das Risiko klarer.
12. WIE LANGE DARF EIN PULLBACK DAUERN?
Auch die Dauer ist wichtig.
Ein Pullback darf Zeit brauchen.
Aber wenn er zu lange dauert, kann er seinen Charakter verändern.
Ein kurzer Rücksetzer nach einem starken Impuls kann eine normale Pause sein.
Eine längere Seitwärtsphase kann ebenfalls konstruktiv sein, wenn die Aktie eng bleibt und relative Stärke hält.
Aber eine lange, träge Bewegung mit fallender RS-Linie und schwacher Struktur ist oft kein Pullback mehr.
Dann wird daraus eher:
eine Base
eine Distribution
eine Stage-3-Struktur
oder ein beginnender Abwärtstrend
Die Frage lautet also:
Konsolidiert die Aktie konstruktiv – oder verliert sie langsam ihre Qualität?
Wenn eine Aktie wochenlang nicht mehr nach oben kommt, während der Markt steigt, ist das kein gutes Zeichen.
13. PULLBACK ZUR 10- ODER 21-TAGE-LINIE
Bei sehr starken Aktien findet der Rücksetzer oft nur zur 10- oder 21-Tage-Linie statt.
Das kann ein Zeichen von Stärke sein.
Der Markt gibt der Aktie kaum Zeit, tiefer zu fallen.
Käufer greifen früh zu.
Solche Pullbacks sind oft besonders interessant, wenn:
der Vorlauf stark war
die Aktie nahe am Hoch bleibt
Volumen abnimmt
die RS-Linie stark bleibt
ein kleiner Pivot entsteht
das Risiko eng definierbar ist
Aber auch hier gilt:
Nicht blind kaufen.
Ein Rücksetzer zur 21-Tage-Linie ist nur dann interessant, wenn die Struktur konstruktiv bleibt.
14. PULLBACK ZUR 50-TAGE-LINIE
Ein Pullback zur 50-Tage-Linie ist tiefer.
Er kann trotzdem gesund sein.
Vor allem nach einem stärkeren Anstieg.
Aber hier wird die Analyse wichtiger.
Ich möchte sehen:
der Kurs fällt nicht panisch
die 50-Tage-Linie steigt
das Volumen nimmt im Rücksetzer ab
die Aktie stabilisiert sich im Bereich der Linie
der Kurs erholt sich zügig
relative Stärke bleibt stabil
der Stop ist logisch definierbar
Ein kurzer Unterschuss unter die 50-Tage-Linie kann vorkommen.
Aber wenn die Aktie mehrere Tage darunter bleibt und der Markt gleichzeitig besser läuft, ist Vorsicht angebracht.
Dann ist der Pullback möglicherweise nicht mehr gesund.
15. PULLBACK UNTER DIE 200-TAGE-LINIE
Ein Pullback unter die 200-Tage-Linie ist für meine Strategie meistens kein Pullback-Setup mehr.
Warum?
Weil die 200-Tage-Linie eine wichtige langfristige Orientierung ist.
Wenn eine Aktie in einem angeblichen Pullback unter diese Linie fällt, hat sich die Struktur deutlich verschlechtert.
Es kann später wieder ein neues Setup entstehen.
Aber dann braucht die Aktie Zeit.
Sie muss sich neu aufbauen.
Für kurzfristige Pullback-Trades in Stage 2 ist das meist nicht mehr attraktiv.
Meine Regel:
Ein Pullback unter die 200-Tage-Linie ist meistens kein Pullback mehr, sondern ein Strukturbruch.
16. UNTERSCHIED: NORMALER PULLBACK VS. FAILED BREAKOUT
Ein besonders wichtiger Fall ist der Rücksetzer nach einem Ausbruch.
Die Aktie bricht über ein Hoch aus.
Dann fällt sie zurück.
Jetzt stellt sich die Frage:
Ist das ein normaler Test des Ausbruchsbereichs?
Oder war der Ausbruch ein Fehlsignal?
Ein konstruktiver Test sieht so aus:
der Ausbruchsbereich wird gehalten
Volumen nimmt ab
der Rücksetzer bleibt moderat
die Aktie stabilisiert sich schnell
es entsteht ein neuer kleiner Pivot
relative Stärke bleibt positiv
Ein fehlgeschlagener Ausbruch sieht so aus:
die Aktie fällt klar zurück in die alte Base
hohes Volumen auf dem Rückweg
schnelle Aufgabe des Ausbruchsniveaus
keine Stabilisierung
RS-Linie kippt
andere Aktien im Sektor laufen besser
Ein Pullback nach einem Ausbruch kann sehr interessant sein.
Aber nur, wenn der Ausbruch nicht komplett negiert wird.
17. DER PIVOT ENTSTEHT AUS DER VERENGUNG
Der eigentliche Einstieg entsteht nicht einfach am Tief des Pullbacks.
Er entsteht oft erst, wenn der Pullback enger wird und ein kleiner Pivot sichtbar wird.
Ein Pivot kann zum Beispiel entstehen durch:
Ausbruch über das Hoch der letzten Tage
Bruch einer kleinen Abwärtstrendlinie
Rückeroberung der 10- oder 21-Tage-Linie
enger Seitwärtsbereich nahe am Hoch
Reversal nach kontrolliertem Rücksetzer
neues Kaufinteresse nach Volumentrocknung
Der Pivot ist wichtig, weil er zeigt:
Die Aktie beginnt wieder nach oben zu drehen.
Ohne Pivot kauft man oft nur in fallende Kurse hinein.
Mit Pivot wartet man auf ein erstes Zeichen neuer Stärke.
Das ist der Unterschied zwischen Hoffnung und Bestätigung.
18. WARUM DER TIEFSTE PUNKT NICHT DAS ZIEL IST
Viele Trader wollen den tiefsten Punkt des Pullbacks kaufen.
Das klingt attraktiv.
In der Praxis ist es aber schwierig.
Der tiefste Punkt ist erst im Nachhinein sichtbar.
Während des Rücksetzers weiß niemand, ob die Aktie dort wirklich dreht.
Deshalb ist mein Ziel nicht, den Tiefpunkt zu erwischen.
Mein Ziel ist:
Eine starke Aktie nach einem kontrollierten Rücksetzer zu kaufen, wenn sie wieder Stärke zeigt – mit klar definiertem Risiko.
Das ist etwas völlig anderes.
Der Einstieg ist vielleicht nicht am tiefsten Punkt.
Aber er ist oft besser planbar.
19. WARNZEICHEN: WANN EIN PULLBACK KIPPT
Ein Pullback wird für mich problematisch, wenn mehrere Warnzeichen zusammenkommen.
Dazu gehören:
Bruch der 50-Tage-Linie mit hohem Volumen
mehrere große rote Tageskerzen
stark fallende RS-Linie
Aktie fällt stärker als der Gesamtmarkt
Sektor wird ebenfalls verkauft
Erholungen scheitern sofort
Ausbruchsbereich wird klar unterschritten
altes höheres Tief wird gebrochen
hohe Gaps nach unten
schlechte Reaktion auf Nachrichten
Volumen steigt an Abwärtstagen
Kurs bleibt längere Zeit unter wichtigen Linien
Stage-2-Struktur geht verloren
Ein einzelnes Warnsignal ist nicht immer entscheidend.
Aber mehrere zusammen verändern die Qualität des Setups.
Dann ist es oft besser, die Aktie von der aktiven Watchlist zu nehmen.
20. SPEZIELL IM DAX-UNIVERSUM: GAPS UND EVENT-RISIKEN
Bei deutschen Aktien muss man Pullbacks immer auch im Zusammenhang mit Gaps und Nachrichtenrisiken betrachten.
Gerade bei MDAX-, SDAX- und TecDAX-Werten können einzelne Meldungen starke Bewegungen auslösen.
Deshalb prüfe ich vor einem Einstieg:
Stehen Quartalszahlen an?
Gibt es einen Kapitalmarkttag?
Gab es zuletzt Gewinnwarnungen?
Ist die Aktie stark von Analystenkommentaren abhängig?
Ist der Sektor newsgetrieben?
Hat der Chart viele Gaps?
Ist das Handelsvolumen ausreichend?
Ist der Spread akzeptabel?
Ein technisch schöner Pullback kurz vor Quartalszahlen kann riskant sein.
Dann wird aus einem Chart-Setup schnell ein Event-Trade.
Das muss man bewusst entscheiden.
21. BEISPIEL: GESUNDER PULLBACK
Stellen wir uns eine Aktie aus dem MDAX vor.
Die Ausgangslage:
Stage 2
Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
50-Tage-Linie steigt
Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch
relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum positiv
vorheriger Impuls war dynamisch
Sektor ist konstruktiv
Jetzt kommt die Aktie 6 % zurück.
Der Rücksetzer läuft zur 21-Tage-Linie.
Das Volumen nimmt ab.
Die Tagesranges werden kleiner.
Die Aktie bleibt über dem letzten höheren Tief.
Die RS-Linie bleibt über 0.
Nach einigen Tagen entsteht ein kleiner Pivot.
Das ist ein potenziell gesunder Pullback.
Nicht automatisch ein Kauf.
Aber ein Setup, das auf die Watchlist gehört.
22. BEISPIEL: UNGESUNDER PULLBACK
Jetzt ein anderes Beispiel.
Eine Aktie aus dem SDAX steigt kurzzeitig stark an.
Dann fällt sie zurück.
Auf den ersten Blick sieht es nach Pullback aus.
Aber bei genauerem Hinsehen:
Aktie ist nur knapp über der 200-Tage-Linie
50-Tage-Linie ist flach
relative Stärke ist schwach
Rücksetzer erfolgt mit hohem Volumen
große rote Kerzen
Spread ist groß
Aktie fällt stärker als der Markt
alte Ausbruchszone wird klar unterschritten
Quartalszahlen stehen kurz bevor
Das ist kein A-Setup.
Der Kurs ist zwar zurückgekommen.
Aber die Struktur ist nicht konstruktiv.
Hier ist Vorsicht besser als Aktionismus.
23. MEINE PULLBACK-CHECKLISTE
Bevor ich einen Pullback als potenzielles Setup betrachte, gehe ich folgende Fragen durch:
Befindet sich die Aktie in Stage 2?
War der Vorlauf stark genug?
Zeigt die Aktie relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum?
Liegt die RS-Linie über 0?
Bleibt die RS-Linie während des Pullbacks stabil?
Ist der Rücksetzer moderat?
Bleibt die Aktie oberhalb wichtiger gleitender Durchschnitte?
Wird die 50-Tage-Linie gehalten oder schnell zurückerobert?
Nimmt das Volumen im Rücksetzer ab?
Sind die roten Tage kontrolliert?
Werden die Tagesranges enger?
Gibt es keine massiven Gaps nach unten?
Bleibt das letzte höhere Tief intakt?
Wird der Ausbruchsbereich gehalten?
Entsteht ein klarer Pivot?
Ist der Stop logisch definierbar?
Ist die Aktie ausreichend liquide?
Ist der Spread akzeptabel?
Gibt es keine unmittelbaren Quartalszahlen?
Passt das Chance-Risiko-Verhältnis?
Je mehr dieser Fragen mit Ja beantwortet werden, desto interessanter wird das Setup.
Wenn viele Antworten Nein sind, ist der Rücksetzer wahrscheinlich kein gesunder Pullback.
24. WIE ICH MEINE INDIKATOREN DABEI NUTZE
Für meine Analyse nutze ich zwei eigene TradingView-Indikatoren.
Stock Stage Analysis
Dieser Indikator hilft mir, die Marktphase einzuordnen.
Für Pullback-Trades suche ich vor allem Stage 2.
Wenn der Indikator bereits Stage 3 oder Stage 4 zeigt, bin ich vorsichtig.
Dann kann ein Rücksetzer schnell mehr sein als nur eine normale Pause.
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Dieser Indikator zeigt mir, ob die Aktie stärker oder schwächer läuft als das breite deutsche Aktienuniversum.
Während eines Pullbacks ist besonders wichtig:
bleibt die relative Stärke stabil?
bleibt die Linie über 0?
bleibt die Aktie stärker als DAX, MDAX, SDAX und TecDAX im Durchschnitt?
verbessert sich die RS-Linie sogar während der Konsolidierung?
Wenn ja, ist das ein gutes Zeichen.
Wenn nein, verliert das Setup an Qualität.
25. DIE KERNREGEL FÜR BLOG 6
Die wichtigste Regel für diesen Teil lautet:
Ein gesunder Pullback wird mit der Zeit ruhiger – ein schwacher Pullback wird mit der Zeit gefährlicher.
Ein guter Pullback zeigt Kontrolle.
Ein schlechter Pullback zeigt Druck.
Ein guter Pullback hält Struktur.
Ein schlechter Pullback zerstört Struktur.
Ein guter Pullback liefert einen Pivot.
Ein schlechter Pullback liefert Warnsignale.
Deshalb kaufe ich nicht einfach den Rücksetzer.
Ich beobachte, ob der Rücksetzer Qualität zeigt.
26. FAZIT
Ein Pullback ist nur dann interessant, wenn er gesund ist.
Gesund bedeutet nicht, dass die Aktie gar nicht fallen darf.
Gesund bedeutet:
der Rücksetzer bleibt kontrolliert
Volumen nimmt eher ab
Tagesranges werden enger
wichtige Linien halten
relative Stärke bleibt stabil
der Trend bleibt intakt
ein klarer Pivot entsteht
das Risiko ist definierbar
Ein schwacher Pullback sieht anders aus:
hohes Verkaufsvolumen
große rote Kerzen
Bruch wichtiger Linien
fallende relative Stärke
starke Schwäche gegenüber dem Markt
keine Stabilisierung
kein sauberer Pivot
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Der Pullback ist ein Qualitätstest.
Nicht jeder Rücksetzer besteht diesen Test.
Für Pullback-Trading im DAX-Universum suche ich nicht einfach gefallene Aktien.
Ich suche starke Aktien, die kontrolliert pausieren und danach wieder Stärke zeigen.
Die Reihenfolge bleibt:
Stage 2.
Relative Stärke.
Starker Vorlauf.
Gesunder Pullback.
Klarer Pivot.
Definiertes Risiko.
Im nächsten Teil geht es tiefer in ein besonders wichtiges Thema:
Volumen, Verkaufsdruck und trocknendes Angebot.
Denn oft entscheidet nicht nur der Preisverlauf, sondern vor allem das Verhältnis von Preis und Volumen darüber, ob ein Pullback wirklich konstruktiv ist.
HILFREICHE TOOLS AUF TRADINGVIEW
Für diese Serie nutze ich unter anderem meine eigenen TradingView-Indikatoren:
Stock Stage Analysis
zur Einordnung der Marktphase in Stage 1, Stage 2, Stage 3 oder Stage 4.
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
zur Messung relativer Stärke gegenüber einem gleichgewichteten Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.
Wichtig:
Diese Indikatoren sind keine Kaufsignale.
Sie sind Filter.
Der eigentliche Einstieg entsteht erst durch Pullback, Pivot und definiertes Risiko.
DISCLAIMER
Diese Analyse dient ausschließlich der Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Trader ist für seine eigenen Entscheidungen, sein Risikomanagement und seine Positionsgröße selbst verantwortlich.
Price Action oder Indikatoren: Was schafft wirklich den Vorteil?Im Trading glauben viele Anfänger, dass mehr Indikatoren auch präzisere Signale bedeuten. Der EMA zur Trendbestätigung, der RSI für Überkauft-/Überverkauft-Zonen, der MACD für das Momentum und die Bollinger Bänder zur Volatilitätsmessung… Doch nach einer Weile ist der Chart völlig überladen und die Handelsentscheidungen werden immer unklarer.
Das Problem ist: Indikatoren sagen die Zukunft nicht voraus. Die meisten von ihnen basieren auf mathematischen Berechnungen von Vergangenheitsdaten. Das bedeutet, sie spiegeln nur wider, was der Markt bereits getan hat, garantieren aber nicht, was als Nächstes passiert. Wenn Trader Indikatoren als absolutes Kauf- oder Verkaufs-Signal betrachten, steigen sie oft zu spät ein oder werden bei einem plötzlichen Trendwechsel auf dem falschen Fuß erwischt.
Price Action hingegen ermöglicht es Tradern, das Marktverhalten direkt zu lesen. Statt nur auf das Kreuzen zweier Linien zu warten, beobachten sie die Marktstruktur, den übergeordneten Trend, Support- und Resistance-Zonen, Candlestick-Muster und das Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern. Das ist der Grund, warum viele erfahrene Trader einen "cleanen" (sauberen) Chart bevorzugen: Sie wollen die Geschichte sehen, die der Markt erzählt, anstatt sie hinter unzähligen Werkzeugen zu verstecken.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man Indikatoren komplett verbannen muss. Ein guter Indikator hat durchaus seinen Wert, wenn er richtig eingesetzt wird: als Bestätigung, nicht als Ersatz für das eigene Denken. Zum Beispiel kann Price Action den genauen Einstieg (Entry) bestimmen, während ein EMA den Trend filtert, der RSI das Momentum bewertet oder der ATR bei der Berechnung des Stop-Loss basierend auf der Volatilität hilft. Selektiv eingesetzt, bringen Indikatoren Klarheit in ein System, anstatt eine Abhängigkeit zu schaffen.
Am Ende ist die Frage nicht, ob Price Action oder Indikatoren besser sind. Entscheidend ist, ob Sie ein klares System haben: Wann steigen Sie ein? Wann bleiben Sie an der Seitenlinie? Wo liegt der Stop-Loss? Ist das Risk-Reward-Ratio (CRV) sinnvoll und unter welchen Bedingungen ist das Setup ungültig?
Fazit:
Price Action liefert Ihnen den Kontext. Indikatoren geben Ihnen die Bestätigung. Aber Disziplin, Risikomanagement und Beständigkeit sind es, die über den langfristigen Erfolg entscheiden. Professionelle Trader wählen ihre Werkzeuge nicht, um komplexer zu wirken, sondern um ihre Entscheidungen klarer zu machen.
Warten Sie auf den Abschluss!Ein Docht über dem Widerstand kann wie ein Ausbruch aussehen, aber es beweist nur, dass der Preis für einen Moment über dem Niveau gehandelt wurde.
Diese Unterscheidung ist wichtig, da sich eine unfertige Kerze dramatisch verändern kann, bevor sie schließt. Der Preis kann über den Widerstand steigen, Ausbruchseinstiege und Kaufstopps auslösen, dann an Schwung verlieren und wieder unter dem Niveau abschließen.
Der Kerzenschluss liefert nützlichere Informationen, da er zeigt, wo der Kampf zwischen Käufern und Verkäufern endete. Ein Schlusskurs über dem Widerstand deutet darauf hin, dass der Markt höhere Preise akzeptiert hat. Ein langer Docht über dem Widerstand, gefolgt von einem Schlusskurs darunter, deutet darauf hin, dass es den Käufern nicht gelungen ist, die Kontrolle zu behalten, und Händler, die spät ausbrechen, nun in der Falle sitzen könnten.
Dies bedeutet nicht, dass jeder Docht ignoriert werden sollte oder dass jeder Abschluss einen gültigen Handel erzeugt. Der Kontext ist immer noch wichtig. Das Niveau sollte aussagekräftig sein, der Ausbruch sollte zur breiteren Struktur passen und die nächste Kerze sollte einen Durchbruch zeigen, anstatt sofort in die Spanne zurückzukehren.
Eine praktische Regel besteht darin, die Bewegung von der Bestätigung zu trennen. Beobachten Sie, während die Kerze geöffnet ist. Bewerten Sie nach dem Schließen, ob der Körper über das Niveau hinaus gehalten wird, ob der Docht eine Ablehnung zeigt und ob der Markt genügend Platz hat, um fortzufahren.
Ein Einstieg vor Handelsschluss bietet möglicherweise einen besseren Preis, bedeutet aber auch, mehr Unsicherheit in Kauf zu nehmen. Das Abwarten kann zu einem etwas späteren Einstieg führen, verhindert jedoch oft, dass ein vorübergehender Anstieg mit einem echten Ausbruch verwechselt wird.
Der Docht zeigt, wohin der Preis gereist ist.
Der Schluss zeigt, wo die Kontrolle verblieben ist.
Ein bestätigter Abschluss garantiert keine Fortsetzung. Definieren Sie daher vor dem Eintritt immer die Ungültigkeitserklärung und verwalten Sie das Risiko.
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Private Credit?Private Credit hat sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einem der wichtigsten Segmente der alternativen Finanzwirtschaft entwickelt. Darunter versteht man Kredite, die von spezialisierten Investmentfonds direkt an Unternehmen vergeben werden – außerhalb des traditionellen Bankensystems. Nach einer Phase starken Wachstums, die von niedrigen Zinsen und einer hohen Nachfrage nach Fremdkapitalhebeln getragen wurde, stellt sich heute die zentrale Frage, ob dieser Markt nach den deutlichen Kursrückgängen der vergangenen Monate einen zyklischen Tiefpunkt erreicht.
Die aktuellen Risiken sind vorhanden, bleiben jedoch begrenzt. Die Ausfallraten sind gegenüber den Jahren 2020–2021 gestiegen, ohne jedoch systemische Ausmaße anzunehmen. Das eigentliche Risiko liegt weniger in den sichtbaren Zahlungsausfällen als vielmehr in subtileren Warnsignalen: der zunehmenden Nutzung von PIK-Krediten (bei denen die Zinsen dem bestehenden Kreditbetrag zugeschlagen werden, anstatt bar gezahlt zu werden), der Zunahme diskreter Umschuldungen sowie dem wachsenden Druck auf hochverschuldete Unternehmen, die während des Booms von 2021 bis 2023 finanziert wurden.
In diesem Umfeld sind die Marktteilnehmer unterschiedlich stark betroffen. Der Sektor wird von wenigen großen börsennotierten Plattformen dominiert, die Vermögensverwaltung mit direkter Unternehmensfinanzierung verbinden. Dabei lassen sich zwei Gruppen unterscheiden.
Die nachstehende Tabelle zeigt die führenden US-Unternehmen aus den Bereichen Private Equity und Private Credit sowie den jeweiligen Anteil dieser beiden Aktivitäten an ihrem Geschäftsmodell. Diese fünf Unternehmen gelten als der wichtigste Gradmesser für den Zustand des Private-Credit-Marktes. Die technische Analyse ihrer Aktien kann daher besonders interessante Signale liefern.
Auf der einen Seite stehen diversifizierte Großplattformen wie Apollo Global Management, Blackstone und KKR, die neben Private Equity auch Private Credit, Immobilien und Infrastruktur abdecken. Ihre Diversifizierung federt Marktschwankungen ab, macht sie jedoch zugleich anfällig für den gesamten Zyklus alternativer Anlagen.
Auf der anderen Seite stehen Spezialisten für Private Credit wie Ares Management und Blue Owl Capital, deren Geschäftsmodell überwiegend auf Direct Lending basiert. Diese Unternehmen sind unmittelbarer von einer Verschlechterung der Kreditqualität betroffen, bieten jedoch zugleich einen klareren Einblick in den Kreditzyklus.
Entscheidend ist, dass Private Credit noch immer ein vergleichsweise junger Markt ist, der inzwischen in eine reifere Phase seines Zyklus eintritt. Nach Jahren äußerst günstiger Rahmenbedingungen befindet sich der Markt in einem schrittweisen Normalisierungsprozess. Frühindikatoren wie der steigende Anteil von PIK-Krediten und die Zunahme von Restrukturierungen sprechen nicht für eine Krise, sondern vielmehr für eine Phase lokal begrenzter Spannungen.
Sollten sich die makroökonomischen Bedingungen stabilisieren und die Zinssätze wieder sinken, könnte sich der Private-Credit-Markt schrittweise in ein gesünderes Umfeld entwickeln. Sollte sich die Konjunktur jedoch abschwächen, könnten sich bestehende Schwachstellen zunächst weiter verschärfen.
Aus Sicht der technischen Analyse zeigen die langfristigen Monatscharts der oben genannten Unternehmen, dass ihre Aktien inzwischen wieder wichtige Unterstützungszonen erreicht haben. Allerdings dürfte der Markt noch mehrere Wochen oder Monate benötigen, um den langfristigen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen – insbesondere bis Klarheit darüber besteht, dass die US-Notenbank keinen neuen Zinserhöhungszyklus bei den Federal Funds Rates einleitet.
Die folgende Grafik zeigt die monatlichen japanischen Kerzen der Aktie ARES.
Die folgende Grafik zeigt die monatlichen japanischen Kerzen der Aktie Blue Owl Capital.
Die folgende Grafik zeigt die monatlichen japanischen Kerzen der Aktie Blackstone.
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Pullback-Trading im DAX-Universum – Teil 5Erst Stärke, dann Rücksetzer: Warum der Vorlauf über die Qualität des Pullbacks entscheidet
Warum ein starker Impuls, relative Stärke und saubere Trendstruktur wichtiger sind als der perfekte Einstieg
In den ersten vier Teilen dieser Serie haben wir die wichtigsten Grundlagen gelegt.
Teil 1: Warum Pullbacks oft bessere Einstiege liefern können als Breakouts.
Teil 2: Warum der Stage-2-Aufwärtstrend die Grundvoraussetzung für hochwertige Setups ist.
Teil 3: Wie relative Stärke hilft, echte Leader von durchschnittlichen Aktien zu unterscheiden.
Teil 4: Warum deutsche Aktien eigene Pullback-Regeln brauchen.
Jetzt geht es um einen entscheidenden Punkt:
Nicht jeder Rücksetzer ist ein Pullback-Setup.
Ein Pullback ist nur dann interessant, wenn vorher echte Stärke vorhanden war.
Viele Trader schauen zuerst auf den Rücksetzer.
Ich schaue zuerst auf den Vorlauf.
Denn der Vorlauf entscheidet, ob der spätere Pullback überhaupt Qualität hat.
Die zentrale Frage lautet also nicht:
Ist die Aktie zurückgekommen?
Sondern:
Von welcher Art von Stärke kommt die Aktie zurück?
1. DER PULLBACK BEGINNT NICHT BEIM RÜCKSETZER
Ein häufiger Fehler ist, dass Trader erst aufmerksam werden, wenn eine Aktie fällt.
Die Aktie kommt 5 %, 8 % oder 10 % zurück.
Der Kurs nähert sich einer gleitenden Durchschnittslinie.
Der Chart sieht kurzfristig „günstiger“ aus.
Dann entsteht schnell der Gedanke:
Das könnte ein Pullback sein.
Aber das ist zu spät gedacht.
Ein hochwertiger Pullback beginnt nicht mit dem Rücksetzer.
Er beginnt mit dem vorherigen Trend.
Oder noch genauer:
Er beginnt mit einem starken Vorlauf innerhalb eines intakten Stage-2-Aufwärtstrends.
Ohne vorherige Stärke ist der Rücksetzer oft nur Schwäche.
Ein echter Pullback ist dagegen eine Pause nach Stärke.
Das ist ein großer Unterschied.
2. WARUM DER VORLAUF SO WICHTIG IST
Der Vorlauf zeigt uns, ob Käufer bereit waren, die Aktie aggressiv nach oben zu treiben.
Er zeigt, ob institutionelle Nachfrage vorhanden sein könnte.
Er zeigt, ob die Aktie stärker läuft als der Markt.
Er zeigt, ob die Aktie Leadership zeigt oder nur zufällig mit dem Gesamtmarkt steigt.
Ein guter Vorlauf bedeutet:
die Aktie steigt schneller als der Markt
sie erreicht neue Hochs oder Mehrmonatshochs
sie bildet höhere Hochs und höhere Tiefs
sie hält sich oberhalb wichtiger gleitender Durchschnitte
sie zeigt relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
Aufwärtstage wirken kraftvoller als Abwärtstage
Rücksetzer werden schnell gekauft
Volumen bestätigt zumindest teilweise die Bewegung
Ein schwacher Vorlauf bedeutet dagegen:
die Aktie steigt nur langsam mit dem Markt
sie bleibt unter alten Hochs hängen
sie ist weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt
sie zeigt keine relative Stärke
jeder Anstieg wird schnell verkauft
die Bewegung wirkt chaotisch
der Kurs hängt an oder unter wichtigen Durchschnitten
In beiden Fällen kann es später einen Rücksetzer geben.
Aber nur der erste Fall ist für Pullback-Trading wirklich interessant.
3. ERST STÄRKE, DANN RÜCKSETZER
Die wichtigste Regel für diesen Teil lautet:
Erst Stärke. Dann Rücksetzer. Nicht umgekehrt.
Ich möchte keine Aktie kaufen, nur weil sie gefallen ist.
Ich möchte eine Aktie beobachten, weil sie vorher stark war.
Der Rücksetzer ist dann nur der mögliche Einstiegspunkt.
Das eigentliche Setup entsteht vorher.
Ein idealer Ablauf sieht so aus:
Aktie befindet sich in Stage 2
Aktie zeigt relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
Aktie läuft dynamisch nach oben
Aktie erreicht ein neues Hoch oder Mehrmonatshoch
Danach folgt ein kontrollierter Rücksetzer
Der Verkaufsdruck bleibt begrenzt
Die Aktie hält wichtige Unterstützungsbereiche
Ein kleiner Pivot entsteht
Der Einstieg erfolgt erst bei neuer Stärke nach oben
Das ist die Logik eines hochwertigen Pullback-Trades.
Nicht billig kaufen.
Sondern Stärke kaufen, nachdem sie eine gesunde Pause gemacht hat.
4. WIE EIN GUTER VORLAUF AUSSIEHT
Ein guter Vorlauf ist nicht einfach irgendein Anstieg.
Er sollte bestimmte Qualitätsmerkmale haben.
1. Die Aktie befindet sich in Stage 2
Das ist die Grundvoraussetzung.
Der Kurs sollte idealerweise über wichtigen gleitenden Durchschnitten liegen.
Die 50-Tage-Linie sollte konstruktiv verlaufen.
Die 200-Tage-Linie sollte nicht deutlich fallen.
Die Aktie sollte näher am Hoch als am Tief handeln.
Ohne Stage-2-Struktur ist der spätere Rücksetzer für mich meistens kein A-Setup.
2. Die Aktie zeigt relative Stärke
Der Vorlauf sollte besser sein als der Gesamtmarkt.
Dafür nutze ich meinen TradingView-Indikator:
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Ideal ist eine Aktie, deren relative Stärke bereits vor dem Pullback positiv ist.
Noch besser ist es, wenn die RS-Linie über 0 liegt, über ihrem gleitenden Durchschnitt notiert und weiter steigt.
Das zeigt:
Die Aktie läuft nicht nur mit dem Markt.
Sie läuft besser als das DAX-Universum.
3. Der Anstieg ist sichtbar, aber nicht völlig überdehnt
Ein starker Vorlauf ist gut.
Aber ein komplett überdehnter Vorlauf kann gefährlich sein.
Wenn eine Aktie zu schnell, zu weit und ohne Pausen steigt, ist der nächste Rücksetzer oft schärfer.
Ich suche daher keine Aktie, die völlig parabolisch nach oben schießt.
Ich suche eine Aktie mit:
dynamischem Anstieg
klarer Trendstruktur
geordneten Zwischenpausen
höheren Tiefs
kontrollierten Rücksetzern
stabiler relativer Stärke
Der Vorlauf soll stark sein.
Aber nicht chaotisch.
4. Die Aktie bleibt oberhalb wichtiger Durchschnittslinien
Ein guter Vorlauf respektiert häufig wichtige gleitende Durchschnitte.
Zum Beispiel:
10-Tage-Linie
21-Tage-Linie
50-Tage-Linie
150-Tage-Linie
200-Tage-Linie
Nicht jede Aktie hält immer jede Linie perfekt.
Aber bei hochwertigen Setups sieht man oft:
Der Kurs läuft oberhalb der 50-Tage-Linie.
Rücksetzer zur 10- oder 21-Tage-Linie werden gekauft.
Die 50-Tage-Linie steigt.
Die 200-Tage-Linie ist stabil oder steigend.
Das zeigt eine gesunde Trendstruktur.
5. DER VORLAUF IM DAX-UNIVERSUM
Im DAX-Universum muss man den Vorlauf etwas differenzierter betrachten.
Eine DAX-Aktie läuft oft anders als eine SDAX- oder TecDAX-Aktie.
DAX-Werte
Bei DAX-Werten ist der Vorlauf oft etwas ruhiger.
Hier achte ich besonders auf:
relative Stärke trotz großer Indexnähe
klare Bewegung gegenüber anderen DAX-Werten
stabile Trendstruktur
saubere Reaktion auf Quartalszahlen
geringere Gap-Risiken als bei kleineren Werten
Ein DAX-Wert muss nicht extrem steigen, um interessant zu sein.
Aber er sollte besser laufen als der Markt und eine klare Führungsrolle zeigen.
MDAX-Werte
Im MDAX findet man oft sehr gute Pullback-Kandidaten.
Hier kann der Vorlauf dynamischer sein.
Wichtig sind:
ausreichende Liquidität
starke Sektorposition
relative Stärke gegenüber DAX und MDAX
keine zu wilden Gaps
saubere Konsolidierungen nach starken Bewegungen
Viele interessante deutsche Swing-Trades entstehen im MDAX.
Aber die Aktie muss handelbar bleiben.
SDAX-Werte
Im SDAX kann ein Vorlauf sehr stark aussehen.
Aber hier ist Vorsicht besonders wichtig.
Ich achte stärker auf:
Handelsvolumen
Spread
Gap-Verhalten
Nachrichtenrisiken
saubere Kerzenstruktur
verlässliche Stop-Marken
Ein schöner Chart reicht nicht.
Wenn die Aktie zu illiquide ist, kann der Pullback praktisch schwer handelbar sein.
TecDAX-Werte
Im TecDAX können starke Trends entstehen.
Gleichzeitig reagieren viele Werte empfindlich auf:
Nasdaq-Bewegungen
Zinsen
Bewertung
Quartalszahlen
internationale Tech-Sektorrotation
Ein guter Vorlauf im TecDAX sollte daher nicht nur stark aussehen.
Er sollte auch relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum und idealerweise gegenüber internationalen Tech-Werten zeigen.
6. STARKER VORLAUF ODER NUR ERHOLUNG?
Ein wichtiger Unterschied:
Nicht jeder Anstieg ist ein starker Vorlauf.
Manchmal erholt sich eine Aktie nur nach einem vorherigen Einbruch.
Das kann optisch beeindruckend aussehen.
Aber es ist nicht automatisch ein Leader-Setup.
Eine Aktie, die von 100 auf 50 gefallen ist und danach auf 60 steigt, hat zwar 20 % gewonnen.
Aber sie ist möglicherweise weiterhin in einer schwachen Struktur.
Eine Aktie, die von 80 auf 100 steigt und nahe am Hoch konsolidiert, zeigt oft eine deutlich bessere Qualität.
Deshalb frage ich:
Kommt der Anstieg aus einer starken Struktur?
Oder ist es nur eine Erholung nach starkem Kursverlust?
Liegt die Aktie über der 200-Tage-Linie?
Ist die relative Stärke positiv?
Gibt es höhere Hochs und höhere Tiefs?
Ist der Kurs nahe am 52-Wochen-Hoch?
Wird der Anstieg durch Volumen bestätigt?
Ein Rebound ist nicht dasselbe wie Leadership.
Für Pullback-Trading suche ich Leadership.
7. DER IDEALE VORLAUF VOR EINEM PULLBACK
Ein idealer Vorlauf hat für mich mehrere Bausteine.
Er muss nicht perfekt sein.
Aber je mehr Punkte erfüllt sind, desto besser.
Ein starker Vorlauf zeigt idealerweise:
Stage-2-Struktur
Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
steigende 50-Tage-Linie
stabile oder steigende 200-Tage-Linie
Nähe zum 52-Wochen-Hoch
positive relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt
dynamische Aufwärtsbewegung
höhere Hochs und höhere Tiefs
Rücksetzer werden schnell gekauft
kein unmittelbares negatives Nachrichtenrisiko
ausreichende Liquidität
kein völlig parabolischer Kursverlauf
Wenn danach ein kontrollierter Rücksetzer entsteht, wird die Aktie interessant.
Nicht vorher.
Und auch nicht automatisch.
Erst wenn der Pullback selbst konstruktiv ist und ein Pivot entsteht, kann daraus ein Trade werden.
8. VORLAUF UND VOLUMEN
Volumen ist ein wichtiger Hinweis, aber nicht immer perfekt zu interpretieren.
Ein guter Vorlauf zeigt häufig:
erhöhte Umsätze an starken Aufwärtstagen
geringeres Volumen an schwächeren Tagen
keine massiven Verkaufsvolumen direkt nach Ausbrüchen
steigende Aktivität bei neuen Hochs
schnelle Erholung nach Rücksetzern
Besonders interessant ist es, wenn ein starker Impuls mit erhöhtem Volumen beginnt.
Das kann zeigen, dass größere Marktteilnehmer aktiv werden.
Aber man sollte Volumen nicht isoliert betrachten.
Ein einzelner starker Volumentag macht noch keinen Leader.
Wichtiger ist das Zusammenspiel:
Preis steigt.
Volumen bestätigt.
Relative Stärke verbessert sich.
Trendstruktur bleibt intakt.
Dann wird der Vorlauf interessant.
9. DER VORLAUF SOLLTE NICHT ZU ALT SEIN
Ein weiterer Fehler ist, alte Stärke zu kaufen.
Eine Aktie war vielleicht vor sechs oder zwölf Monaten stark.
Aber heute ist sie nur noch seitwärts oder schwach.
Das reicht nicht.
Für Pullback-Trading interessiert mich aktuelle Stärke.
Deshalb ist die IBD-inspirierte Gewichtung der relativen Stärke so hilfreich.
Sie legt mehr Gewicht auf die jüngere Entwicklung, ohne die längere Entwicklung komplett zu ignorieren.
Ich möchte sehen:
Stärke über die letzten Wochen
Stärke über die letzten Monate
keine starke Verschlechterung der RS-Linie
keine klare Distribution
kein Bruch wichtiger Trendlinien
kein Übergang in Stage 3 oder Stage 4
Alte Gewinner können gefährlich sein, wenn sie bereits gebrochen sind.
Ein ehemaliger Leader ist nicht automatisch ein aktueller Leader.
10. VORLAUF UND 52-WOCHEN-HOCH
Viele Trader haben Angst, Aktien nahe am Hoch zu kaufen.
Sie denken:
Die Aktie ist schon zu weit gelaufen.
Sie ist teuer.
Sie muss doch bald fallen.
Aber starke Aktien handeln oft nahe an ihren Hochs.
Das ist kein Warnsignal an sich.
Es kann sogar ein Qualitätsmerkmal sein.
Eine Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch zeigt:
Käufer akzeptieren höhere Preise
Verkäufer dominieren nicht
die Aktie hat eine starke Struktur
sie läuft besser als viele schwächere Werte
sie könnte Leadership zeigen
Natürlich darf man nicht blind jedes Hoch kaufen.
Aber für Pullback-Trading ist Nähe zum Hoch oft besser als Nähe zum Tief.
Ein Pullback nahe am Hoch ist häufig konstruktiver als ein Rücksetzer in einer Aktie, die weit unter alten Hochs notiert.
11. DER VORLAUF DARF NICHT ZU CHAOTISCH SEIN
Ein starker Vorlauf ist gut.
Aber ein chaotischer Vorlauf ist problematisch.
Warnsignale sind:
extreme Tagesausschläge
viele große Gaps
lange obere Dochte
starke Abverkäufe direkt nach neuen Hochs
sehr unregelmäßiges Volumen
fehlende Unterstützung an gleitenden Durchschnitten
wilde Nachrichtenbewegungen
ständige Richtungswechsel
Solche Aktien können zwar spannend aussehen.
Aber sie sind oft schwer zu handeln.
Ein Pullback-Setup braucht Kontrolle.
Wenn bereits der Vorlauf unkontrolliert ist, wird auch der Rücksetzer oft schwer planbar.
Ich bevorzuge daher Aktien, die stark, aber geordnet steigen.
12. BEISPIEL: ZWEI UNTERSCHIEDLICHE VORLÄUFE
Stellen wir uns zwei Aktien aus dem DAX-Universum vor.
Aktie A
Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
Stage-2-Struktur
steigende 50-Tage-Linie
Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch
relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum positiv
RS-Linie steigt
vorheriger Anstieg war dynamisch
Rücksetzer im Vorlauf wurden schnell gekauft
Volumen an Aufwärtstagen war konstruktiv
Sektor ebenfalls stark
Wenn diese Aktie jetzt 4 % bis 8 % kontrolliert zurückkommt, bleibt sie interessant.
Der Pullback entsteht nach Stärke.
Aktie B
Kurs unter der 200-Tage-Linie
Aktie weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt
relative Stärke negativ
vorheriger Anstieg war nur eine Erholung nach starkem Kursverlust
50-Tage-Linie flach oder fallend
Volumen zeigt keine klare Nachfrage
Aktie scheitert mehrfach an Widerständen
Sektor ist schwach
Wenn diese Aktie jetzt 4 % bis 8 % zurückkommt, ist das kein hochwertiger Pullback.
Es ist eher ein Rücksetzer in einer schwachen Struktur.
Der Unterschied liegt nicht im Rücksetzer.
Der Unterschied liegt im Vorlauf.
13. DER VORLAUF ALS FILTER GEGEN SCHLECHTE TRADES
Wenn man den Vorlauf konsequent prüft, vermeidet man viele schlechte Trades.
Man kauft weniger Aktien, die nur optisch günstig aussehen.
Man handelt weniger Turnaround-Hoffnungen.
Man reduziert Einstiege in schwache Strukturen.
Man konzentriert sich stärker auf Aktien, die bereits Leadership zeigen.
Der Vorlauf ist deshalb ein Filter.
Er schützt vor der Frage:
Wie tief ist die Aktie gefallen?
Und lenkt den Fokus auf die bessere Frage:
Wie stark war die Aktie, bevor sie zurückkam?
Das ist eine völlig andere Denkweise.
14. MEINE PRAKTISCHE VORLAUF-CHECKLISTE
Bevor ich einen Pullback überhaupt weiter analysiere, prüfe ich den Vorlauf.
Meine Fragen:
Befindet sich die Aktie in Stage 2?
Liegt der Kurs über der 50-Tage-Linie?
Liegt der Kurs über der 200-Tage-Linie?
Steigt die 50-Tage-Linie?
Ist die 200-Tage-Linie stabil oder steigend?
Ist die Aktie näher am 52-Wochen-Hoch als am 52-Wochen-Tief?
Zeigt die Aktie relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum?
Liegt die RS-Linie über 0?
Liegt die RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt?
War der vorherige Impuls dynamisch?
Gab es höhere Hochs und höhere Tiefs?
Wurden frühere Rücksetzer schnell gekauft?
Gab es konstruktives Volumen an Aufwärtstagen?
Ist der Sektor ebenfalls stark oder zumindest neutral?
Ist die Aktie ausreichend liquide?
Ist der Spread akzeptabel?
Ist der Vorlauf nicht völlig überdehnt?
Gibt es keine unmittelbaren Quartalszahlen oder Event-Risiken?
Ist die Bewegung geordnet und nicht chaotisch?
Würde ich die Aktie auch ohne aktuellen Rücksetzer auf die Watchlist nehmen?
Die letzte Frage ist besonders wichtig.
Wenn ich eine Aktie nur interessant finde, weil sie gefallen ist, ist das meistens kein A-Setup.
Wenn ich sie schon vor dem Rücksetzer interessant fand, wird der Pullback relevant.
15. WIE ICH DEN VORLAUF MIT MEINEN INDIKATOREN PRÜFE
Für meine Analyse nutze ich zwei eigene TradingView-Indikatoren.
Stock Stage Analysis
Dieser Indikator hilft mir zu erkennen, ob sich die Aktie in einer konstruktiven Stage-2-Struktur befindet.
Ich möchte vor allem wissen:
Ist die Aktie in Stage 2?
Oder befindet sie sich bereits in Stage 3?
Ist die Struktur noch sauber?
Oder beginnt der Trend zu kippen?
Stage 2 ist die Grundvoraussetzung.
Ohne Stage 2 ist der Pullback meistens nicht interessant.
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Dieser Indikator hilft mir zu prüfen, ob die Aktie stärker läuft als das breite deutsche Aktienuniversum.
Ich achte besonders auf:
RS-Linie über 0
RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt
steigende RS-Struktur
stabile relative Stärke während Marktschwäche
Wenn eine Aktie vor dem Pullback relative Stärke zeigt, steigt die Qualität des Setups deutlich.
16. WAS KEIN GUTER VORLAUF IST
Ein Vorlauf ist für mich nicht attraktiv, wenn mehrere dieser Punkte auftreten:
Aktie kommt aus einem starken Abwärtstrend
Kurs liegt unter der 200-Tage-Linie
50-Tage-Linie fällt
relative Stärke ist negativ
Aktie ist weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt
Anstieg ist nur eine technische Erholung
Volumen bestätigt die Bewegung nicht
Aktie scheitert an alten Widerständen
Sektor ist schwach
Chart zeigt viele Gaps und unruhige Kerzen
der Kurs ist extrem überdehnt
die Aktie reagiert fast nur auf Nachrichten
Quartalszahlen stehen unmittelbar bevor
Solche Aktien können irgendwann interessant werden.
Aber meistens nicht als klassisches Pullback-Setup.
17. DER BESTE PULLBACK ENTSTEHT OFT NACH EINEM QUALITÄTSTEST
Ein starker Vorlauf bringt die Aktie auf die Watchlist.
Der Pullback testet dann die Qualität dieser Stärke.
Während des Pullbacks frage ich:
Bleibt die Aktie oberhalb wichtiger Durchschnitte?
Bleibt die relative Stärke stabil?
Nimmt das Volumen im Rücksetzer ab?
Werden die Tagesranges enger?
Vermeidet die Aktie große rote Kerzen?
Hält sie frühere Unterstützungsbereiche?
Entsteht ein klarer Pivot?
Wenn ja, wird der Pullback interessant.
Wenn nein, wird die Aktie gestrichen oder weiter beobachtet.
Der Rücksetzer ist also kein Grund zum Kaufen.
Er ist ein Test.
Nur wenn die Aktie diesen Test besteht, entsteht ein mögliches Setup.
18. FAZIT
Der wichtigste Punkt dieses Artikels lautet:
Die Qualität eines Pullbacks wird vor dem Pullback entschieden.
Ein Rücksetzer allein ist kein Setup.
Ein hochwertiger Pullback braucht vorherige Stärke.
Für das DAX-Universum bedeutet das:
erst Stage 2
dann relative Stärke
dann dynamischer Vorlauf
dann kontrollierter Rücksetzer
dann Pivot
dann Einstieg mit definiertem Risiko
Wer nur auf den Rücksetzer schaut, kauft oft Schwäche.
Wer zuerst den Vorlauf analysiert, findet eher echte Leader.
Der beste Pullback entsteht nicht in einer Aktie, die einfach nur gefallen ist.
Er entsteht in einer Aktie, die vorher stark war, sich besser als der Markt gehalten hat und nach einer gesunden Pause wieder Stärke zeigt.
Der wichtigste Satz für Blog 5 ist deshalb:
Erst Stärke. Dann Rücksetzer. Dann Pivot.
Im nächsten Teil geht es um die Anatomie eines konstruktiven Pullbacks:
Wie tief darf ein Rücksetzer sein? Welche Rolle spielen Volumen, Tagesranges, gleitende Durchschnitte und Unterstützungsbereiche? Und woran erkennt man, ob ein Pullback gesund ist oder bereits kippt?
HILFREICHE TOOLS AUF TRADINGVIEW
Für diese Serie nutze ich unter anderem meine eigenen TradingView-Indikatoren:
Stock Stage Analysis
zur Einordnung der Marktphase in Stage 1, Stage 2, Stage 3 oder Stage 4.
DAX Universe Relative Strength & Volume Quality
zur Messung relativer Stärke gegenüber einem gleichgewichteten Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.
Wichtig:
Diese Indikatoren sind keine Kaufsignale.
Sie sind Filter.
Der eigentliche Einstieg entsteht erst durch Pullback, Pivot und definiertes Risiko.
DISCLAIMER
Diese Analyse dient ausschließlich der Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Trader ist für seine eigenen Entscheidungen, sein Risikomanagement und seine Positionsgröße selbst verantwortlich.
Zwei psychologische Fallen, die Trader ihre Objektivität kostenIm Trading liegt das Problem manchmal nicht im Markt, sondern darin, wie Trader den Markt wahrnehmen. Zwei der häufigsten und zugleich gefährlichsten psychologischen Fehler sind Selbstüberschätzung und Bestätigungsfehler. Sie führen dazu, dass Trader nicht mehr auf der Grundlage von Daten analysieren, sondern Entscheidungen aufgrund ihres Egos, ihrer Emotionen und persönlichen Erwartungen treffen.
Selbstüberschätzung tritt häufig nach einer Serie erfolgreicher Trades auf. Wenn alles gut läuft, glauben viele Trader, den Markt besonders gut lesen zu können. Dadurch erhöhen sie ihre Positionsgröße, verzichten auf Stop-Loss-Orders oder unterschätzen das Risikomanagement. Doch der Markt interessiert sich nicht dafür, wie viele Trades Sie zuvor gewonnen haben. Schon eine einzige subjektive Entscheidung kann alle bisherigen Gewinne zunichtemachen. Deshalb gilt: Je erfolgreicher Sie sind, desto disziplinierter sollten Sie handeln – nur nach Plan einsteigen, ein konstantes Risiko pro Trade beibehalten und jede Entscheidung dokumentieren.
Der Bestätigungsfehler ist auf eine andere Weise gefährlich. Dabei suchen Trader nur nach Signalen, die ihre eigene Meinung unterstützen, und ignorieren widersprüchliche Informationen. Wer auf steigende Kurse hofft, sieht nur Kaufsignale. Wer bereits eine Short-Position hält, sucht nach Gründen, warum der Markt weiter fallen sollte – selbst wenn sich die Marktstruktur bereits verändert hat. In diesem Moment analysieren Trader den Markt nicht mehr objektiv, sondern versuchen lediglich zu beweisen, dass sie recht haben.
Um dies zu vermeiden, sollten Sie sich vor jedem Trade bewusst Gegenfragen stellen: „Was passiert, wenn sich der Markt in die entgegengesetzte Richtung bewegt?“, „Welches Signal würde meine Analyse ungültig machen?“ und „Übersehe ich wichtige Unterstützungs- oder Widerstandszonen oder eine entscheidende Marktstruktur?“ Solche Fragen helfen dabei, einen klaren Kopf zu bewahren und nicht in einer einseitigen Sichtweise gefangen zu bleiben.
Ein professioneller Trader muss nicht immer recht haben. Entscheidend ist die Fähigkeit, zu erkennen, wann man falsch liegen könnte, das Risiko zu kontrollieren, bevor der Markt dies bestätigt, und bereit zu sein, die eigene Einschätzung anzupassen, sobald neue Daten vorliegen.
Fazit:
Der Markt belohnt nicht die selbstbewusstesten Trader, sondern diejenigen, die diszipliniert, flexibel und objektiv bleiben. Wer sich im Trading kontinuierlich verbessern möchte, sollte lernen, das eigene Ego zu kontrollieren, die eigene Marktmeinung regelmäßig zu hinterfragen und vor jedem Trade einen klar definierten Invalidierungspunkt festzulegen.
Der S&P 500 ist auf Basis des Forward-KGV nicht teuerDie Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 beginnt im Juli 2026, und erneut stehen der Technologiesektor sowie der Halbleitersektor besonders im Fokus.
Der S&P 500 bewegt sich weiterhin nahe seinem Allzeithoch, und ich lade dich ein, die folgende Analyse zu lesen, um das technische und fundamentale Potenzial bis zum Jahresende für den S&P 500 zu beurteilen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich Anfang Juli, im Vorfeld der Quartalszahlen, erneut die Frage: Ist der S&P 500 aus Bewertungssicht zu teuer?
Der Aktienmarkt antizipiert stets die Zukunft, weshalb das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward KGV) das relevanteste Bewertungsmaß ist, um festzustellen, ob der S&P 500 überbewertet oder noch relativ günstig ist.
Die gute Nachricht: Das Forward-KGV liegt derzeit auf seinem 5-Jahres-Durchschnitt, sodass der S&P 500 im Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen nicht überbewertet ist.
Zunächst sollte erklärt werden, was das Forward-KGV bedeutet.
Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis misst das Verhältnis zwischen dem aktuellen Indexstand und den erwarteten Unternehmensgewinnen pro Aktie in den kommenden zwölf Monaten. Im Gegensatz zum klassischen KGV, das auf vergangenen Gewinnen basiert, spiegelt das Forward-KGV die Gewinnerwartungen der Analysten wider und ist daher ein sehr guter Indikator für die zukünftige Bewertung des Marktes.
Die folgende Grafik (Quelle: FactSet) zeigt die Entwicklung des Forward-KGV des S&P 500. Trotz neuer Rekordstände ist der S&P 500 im Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen für die nächsten zwölf Monate nicht teuer. Das Forward-KGV liegt derzeit auf seinem 5-Jahres-Durchschnitt und deutlich unter seinem Rekordniveau von 23,5.
Wie die obige Grafik zeigt, liegt das Forward-KGV des S&P 500 aktuell bei etwa 20-fachen erwarteten Gewinnen, ein Niveau, das nahezu identisch mit dem 5-Jahres-Durchschnitt ist. Es liegt zwar leicht über dem 10-Jahres-Durchschnitt von rund 19-fachen Gewinnen, doch dieser Abstand ist begrenzt und deutet nicht auf eine extreme Überbewertung hin.
Diese Einschätzung ist umso wichtiger, da die Gewinnerwartungen der US-Unternehmen weiterhin nach oben revidiert werden, insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur und Halbleiter. Sollten die Quartalsergebnisse diese Erwartungen bestätigen, könnte das Gewinnwachstum einen Teil des jüngsten Kursanstiegs absorbieren und das Forward-KGV auf einem angemessenen Niveau halten.
Mit anderen Worten: Der US-Aktienmarkt bleibt anspruchsvoll, ist jedoch im Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum nicht überbewertet. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein: Besser als erwartete Ergebnisse würden das Szenario eines anhaltenden Aufwärtstrends beim S&P 500 bis Jahresende unterstützen, während Enttäuschungen bei Gewinnen oder Ausblicken eine Konsolidierungsphase auslösen könnten, ohne den übergeordneten Aufwärtstrend infrage zu stellen, solange die Gewinnerwartungen solide bleiben.
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Pullback-Trading im DAX-Universum – Teil 4Warum deutsche Aktien eigene Pullback-Regeln brauchen
Liquidität, Sektorrotation, Gaps und Nachrichtenrisiken im deutschen Aktienmarkt verstehen
In den ersten drei Teilen dieser Serie haben wir die Grundlagen gelegt.
Teil 1:
Warum Pullbacks oft bessere Einstiege liefern können als klassische Breakouts.
Teil 2:
Warum der Stage-2-Aufwärtstrend die Grundlage für hochwertige Pullback-Setups ist.
Teil 3:
Warum relative Stärke hilft, echte Leader von durchschnittlichen Aktien zu unterscheiden.
Jetzt geht es um einen wichtigen Punkt:
Diese Logik darf man nicht blind vom US-Momentum-Markt auf deutsche Aktien übertragen.
Das DAX-Universum – also DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – funktioniert in vielen Bereichen anders als der US-Markt.
Deutsche Aktien können sehr gute Pullback-Setups liefern.
Aber sie haben eigene Besonderheiten:
weniger echte High-Growth-Leader
mehr zyklische Geschäftsmodelle
stärkere Abhängigkeit von Konjunktur und Zinsen
teilweise geringere Liquidität
stärkere Gap-Risiken
hohe Bedeutung von Quartalszahlen
starke Sektorrotation
deutlicher Einfluss der US-Märkte
Deshalb brauchen wir für deutsche Aktien eigene Pullback-Regeln.
Die Grundidee bleibt gleich:
Stärke kaufen.
Nicht Schwäche.
Pullback nur in Stage 2.
Einstieg nur mit definiertem Risiko.
Aber die Umsetzung muss an das DAX-Universum angepasst werden.
1. WARUM DAS DAX-UNIVERSUM ANDERS IST
Wenn man über Pullback-Trading nach Minervini-inspirierter Logik spricht, denken viele sofort an US-Momentum-Aktien.
Dort gibt es häufig starke Wachstumswerte, neue Geschäftsmodelle, junge Branchenführer und Aktien, die über Monate oder Jahre sehr dynamisch steigen.
Im deutschen Aktienmarkt ist das anders.
Das DAX-Universum besteht aus sehr unterschiedlichen Unternehmen:
große Industrieunternehmen
Autobauer
Chemiewerte
Versicherungen
Banken
Softwareunternehmen
Halbleiterwerte
Medizintechnik
Maschinenbau
Konsumwerte
Rüstungswerte
Energie- und Infrastrukturwerte
kleinere Spezialwerte
zyklische Nebenwerte
Viele dieser Aktien können starke Trends bilden.
Aber sie bewegen sich oft anders als klassische US-Growth-Leader.
Manche laufen sehr trendstark.
Andere laufen langsam und zyklisch.
Einige reagieren stark auf Makrodaten.
Andere springen vor allem durch Nachrichten, Analystenkommentare oder Quartalszahlen.
Deshalb reicht es nicht, einfach zu fragen:
Sieht der Chart nach einem Pullback aus?
Die bessere Frage lautet:
Passt dieser Pullback zur Struktur, Liquidität und Nachrichtenlage dieser Aktie?
2. DAX, MDAX, SDAX UND TECDAX: EIN UNIVERSUM, ABER VIER UNTERSCHIEDE
Das DAX-Universum ist kein homogener Markt.
Jeder Index hat seine eigenen Eigenschaften.
DAX
Der DAX enthält die größten und liquidesten deutschen Aktien.
Vorteile:
hohe Liquidität
enge Spreads
gute Handelbarkeit
viele institutionelle Marktteilnehmer
meist bessere Chartqualität
Nachteile:
viele Werte sind stark makrogetrieben
große Abhängigkeit von Zinsen, Konjunktur, Währungen und Weltwirtschaft
viele Aktien bewegen sich mit dem Gesamtmarkt
nicht jede DAX-Aktie ist ein echter Leader
DAX-Werte eignen sich gut für Pullback-Trading, wenn sie echte relative Stärke zeigen.
Aber bekannte Namen allein reichen nicht.
MDAX
Der MDAX enthält viele mittelgroße deutsche Unternehmen.
Hier findet man oft interessante Trend- und Momentum-Kandidaten.
Vorteile:
mehr Wachstums- und Spezialwerte als im DAX
oft stärkere Einzeltiteltrends
gute Mischung aus Qualität, Zyklik und Momentum
häufig bessere Chancen auf überdurchschnittliche Bewegungen
Nachteile:
teilweise stärker zyklisch
höhere Abhängigkeit von Konjunktur und Sektorstimmung
teils größere Gaps
Liquidität nicht immer so gut wie im DAX
Viele interessante Pullback-Setups entstehen im MDAX.
Aber hier muss man stärker auf Volumen, Spreads und Nachrichtenrisiken achten.
SDAX
Der SDAX enthält kleinere Unternehmen.
Hier können sehr starke Trends entstehen, aber auch deutlich höhere Risiken.
Vorteile:
mehr Spezialwerte
teilweise starke Trends bei Nebenwerten
Chancen auf frühe Leadership
weniger Aufmerksamkeit als bei DAX-Werten
Nachteile:
geringere Liquidität
größere Spreads
stärkere Kursausschläge
höhere Gap-Risiken
einzelne Nachrichten können den Chart stark verändern
Bei SDAX-Werten muss das Risikomanagement besonders sauber sein.
Ein Pullback kann gut aussehen, aber ein einzelner schwacher Handelstag oder eine Unternehmensmeldung kann das Setup schnell zerstören.
TecDAX
Der TecDAX ist für Momentum-Trader oft besonders interessant.
Hier findet man mehr Technologie-, Software-, Halbleiter- und Wachstumswerte.
Vorteile:
oft trendstärkere Aktien
bessere Momentum-Strukturen
stärkere Reaktion auf Wachstum, Innovation und Sektortrends
häufig klare Leader-Laggard-Unterschiede
Nachteile:
teilweise hohe Bewertung
stärkere Reaktion auf Zinsen
starke Abhängigkeit vom Nasdaq-Umfeld
höhere Volatilität
größere Gaps nach Quartalszahlen
Der TecDAX kann sehr gute Pullback-Kandidaten liefern.
Aber hier muss man besonders darauf achten, ob die relative Stärke stabil bleibt oder nur kurzfristig durch einen Hype entstanden ist.
3. LIQUIDITÄT: WARUM NICHT JEDER SCHÖNE CHART HANDELBAR IST
Ein Chart kann technisch sehr gut aussehen.
Aber wenn die Aktie schlecht handelbar ist, wird das Setup schwieriger.
Gerade im SDAX und bei kleineren TecDAX- oder Nebenwerten können Spreads und Handelsvolumen ein Problem sein.
Ein Pullback-Setup ist weniger attraktiv, wenn:
der Spread sehr groß ist
das tägliche Handelsvolumen niedrig ist
einzelne Orders den Kurs stark bewegen
die Aktie stark springt
Kerzen viele Lücken und Dochte zeigen
Stop-Loss-Marken technisch sauber aussehen, aber praktisch schwer handelbar sind
Bei Pullback-Trading ist ein enger Stop wichtig.
Aber ein enger Stop funktioniert nur, wenn der Markt auch sauber handelbar ist.
Wenn der Spread bereits 1 % oder mehr beträgt, wird ein 4 %-Stop schnell unattraktiv.
Dann ist der reale Risikoabstand größer als der theoretische Risikoabstand im Chart.
Deshalb ist mein erster Anpassungspunkt für das DAX-Universum:
Nur Setups handeln, die ausreichend liquide sind.
Besonders bei SDAX-Werten ist das entscheidend.
4. GAPS: DAS UNTERSCHÄTZTE RISIKO BEI DEUTSCHEN AKTIEN
Ein weiterer wichtiger Punkt sind Gaps.
Deutsche Aktien eröffnen oft mit deutlichen Kurslücken.
Gründe können sein:
US-Marktbewegungen nach Xetra-Schluss
Nasdaq-Entwicklung am Abend
asiatische Märkte über Nacht
Unternehmensnachrichten
Analystenkommentare
Quartalszahlen
Gewinnwarnungen
politische Nachrichten
Zins- oder Konjunkturdaten
Das Problem:
Ein Stop-Loss schützt nicht immer exakt dort, wo er im Chart liegt.
Wenn eine Aktie mit einem Gap unter dem Stop eröffnet, wird der reale Verlust größer als geplant.
Das ist besonders wichtig bei:
Nebenwerten
Quartalszahlen
Aktien mit geringer Liquidität
stark newsgetriebenen Branchen
volatilen TecDAX-Werten
zyklischen Aktien
Deshalb gilt für deutsche Pullback-Trades:
Vor dem Einstieg immer prüfen, ob kurzfristig wichtige Termine anstehen.
Dazu gehören vor allem:
Quartalszahlen
Kapitalmarkttage
Hauptversammlungen
wichtige Unternehmensmeldungen
größere Analysten- oder Branchenereignisse
relevante Makrodaten bei zyklischen Werten
Ein Setup kann technisch gut aussehen.
Aber wenn am nächsten Morgen Zahlen kommen, ist der Trade eher ein Event-Trade als ein sauberer Pullback-Trade.
5. QUARTALSZAHLEN: CHANCE UND RISIKO ZUGLEICH
Quartalszahlen können starke Trends auslösen.
Sie können aber auch gute Setups zerstören.
Eine Aktie kann vor den Zahlen perfekt aussehen:
Stage 2
relative Stärke
enger Pullback
Volumen trocknet aus
klarer Pivot
Dann kommen Zahlen.
Die Aktie eröffnet 8 % tiefer.
Der schöne Pullback ist weg.
Deshalb würde ich vor Quartalszahlen sehr vorsichtig sein.
Meine Regel:
Ich kaufe Pullbacks nicht blind kurz vor Quartalszahlen.
Es gibt Ausnahmen.
Aber grundsätzlich möchte ich nicht, dass mein Trade direkt von einem einzelnen Event abhängt.
Besser ist oft:
Zahlen abwarten
Reaktion beobachten
prüfen, ob die Aktie Stärke zeigt
nach einem neuen Setup suchen
erst bei bestätigtem Verhalten handeln
Besonders interessant sind Aktien, die nach Zahlen stark steigen und danach einen kontrollierten Pullback bilden.
Dann hat der Markt die neue Information bereits verarbeitet.
Der Pullback entsteht nicht vor dem Event, sondern nach dem bestätigten Impuls.
Das ist oft die bessere Situation.
6. SEKTORROTATION: WARUM EIN STARKER CHART PLÖTZLICH SCHWACH WERDEN KANN
Im DAX-Universum spielt Sektorrotation eine große Rolle.
Kapital wandert häufig von einem Bereich in einen anderen.
Zum Beispiel:
von Technologie in Banken
von Zyklikern in defensive Werte
von Industrie in Rüstung
von Nebenwerten in Large Caps
von Growth in Value
von zinssensitiven Aktien in defensive Dividendenwerte
Eine Aktie kann gut aussehen, aber wenn der gesamte Sektor plötzlich unter Druck kommt, verliert das Setup an Qualität.
Deshalb betrachte ich nicht nur die Einzelaktie.
Ich frage auch:
Ist der Sektor stark?
Laufen vergleichbare Aktien ebenfalls gut?
Gibt es mehrere Leader in der Gruppe?
Oder ist die Aktie nur eine Ausnahme?
Wird der Sektor gerade gekauft oder verkauft?
Hält die relative Stärke auch gegen den Sektor?
Ein Pullback in einer starken Aktie ist besser, wenn auch die Gruppe stark ist.
Ein Pullback in einer starken Aktie innerhalb eines schwachen Sektors ist schwieriger.
Die Aktie kann trotzdem steigen.
Aber das Setup hat weniger Rückenwind.
7. MAKROFAKTOREN: DER DEUTSCHE MARKT IST STARK KONJUNKTURABHÄNGIG
Viele deutsche Aktien sind zyklisch.
Das bedeutet:
Sie reagieren stark auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Wichtige Einflussfaktoren sind:
Zinsen
Inflation
Euro-Dollar-Wechselkurs
Energiepreise
China-Nachfrage
globale Industrieproduktion
Exportnachfrage
politische Entscheidungen
Lieferketten
Rohstoffpreise
Das betrifft besonders:
Autobauer
Chemiewerte
Maschinenbau
Industrieausrüster
Banken
Versicherungen
Halbleiterwerte
Konsumzykliker
Ein Pullback in einer zyklischen Aktie kann technisch gut aussehen.
Aber wenn der makroökonomische Gegenwind zunimmt, kann der Trade schwieriger werden.
Deshalb gilt:
Bei zyklischen Aktien muss der Gesamtmarkt- und Sektorkontext besonders beachtet werden.
Nicht jede zyklische Aktie mit einem Rücksetzer ist ein Leader.
Manche sind nur optisch günstig.
Und genau das wollen wir vermeiden.
8. US-MÄRKTE: WARUM DEUTSCHE AKTIEN OFT NICHT ALLEIN LAUFEN
Viele deutsche Aktien werden stark von den US-Märkten beeinflusst.
Besonders wichtig sind:
S&P 500
Nasdaq 100
US-Zinsen
US-Futures
US-Technologiesektor
US-Sektorrotation
Das gilt vor allem für TecDAX- und wachstumsorientierte Werte.
Wenn der Nasdaq stark fällt, geraten oft auch deutsche Technologieaktien unter Druck.
Selbst wenn der lokale Chart vorher gut aussah.
Deshalb sollte man bei Pullback-Setups im TecDAX zusätzlich prüfen:
Wie verhält sich der Nasdaq?
Sind US-Tech-Aktien stark oder schwach?
Steigen oder fallen die US-Zinsen?
Zeigt der Sektor international relative Stärke?
Entstehen Gaps durch US-Bewegungen nach Xetra-Schluss?
Das bedeutet nicht, dass man deutsche Aktien nur wegen des US-Marktes handeln sollte.
Aber man sollte den US-Einfluss nicht ignorieren.
9. WARUM BREAKOUTS IM DAX-UNIVERSUM OFT RÜCKSETZER PRODUZIEREN
Ein wichtiger Grund für diese Blogserie ist:
Viele Breakouts im DAX-Universum funktionieren nicht sofort sauber.
Häufig sieht man folgendes Muster:
Aktie bricht über ein Hoch aus
Trader springen auf
Kurs läuft kurz weiter
Aktie zieht zurück
Breakout-Käufer werden verunsichert
Aktie testet den Ausbruchsbereich
Erst danach entscheidet sich, ob der Trend wirklich hält
Das ist einer der Gründe, warum Pullback-Trading so interessant ist.
Wir müssen nicht jedem Breakout hinterherlaufen.
Wir können warten.
Ein guter Pullback nach einem Breakout zeigt uns:
ob Käufer wirklich verteidigen
ob Verkaufsdruck gering bleibt
ob Volumen austrocknet
ob die Aktie oberhalb wichtiger Linien bleibt
ob relative Stärke erhalten bleibt
ob ein neuer Pivot entsteht
Der Pullback ist damit ein Qualitätstest.
Nicht jeder Breakout besteht diesen Test.
Und genau deshalb ist Geduld im DAX-Universum besonders wichtig.
10. DIE ANGEPASSTEN PULLBACK-REGELN FÜR DAS DAX-UNIVERSUM
Für deutsche Aktien würde ich meine Pullback-Regeln etwas strenger formulieren.
Ein gutes Setup sollte idealerweise mehrere dieser Kriterien erfüllen:
1. Stage-2-Struktur
Die Aktie sollte sich in einem klaren Aufwärtstrend befinden.
Keine fallenden Messer.
Keine Aktien unter wichtigen Durchschnitten.
Keine Stage-4-Strukturen.
2. Relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
Die Aktie sollte stärker laufen als der breite deutsche Markt.
Hierfür nutze ich meinen Indikator:
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Idealerweise liegt die RS-Linie über 0 und über ihrem gleitenden Durchschnitt.
3. Ausreichende Liquidität
Der Chart sollte handelbar sein.
Ich möchte keine Aktie handeln, bei der Spread, Volumen oder Gaps das Risiko unkontrollierbar machen.
4. Kein direkter Einstieg vor Quartalszahlen
Kurz vor wichtigen Unternehmenszahlen bin ich vorsichtig.
Ein technisches Setup kann durch ein Event komplett verändert werden.
5. Kontrollierter Pullback
Der Rücksetzer sollte geordnet sein.
Gute Zeichen:
moderate Tiefe
kleinere Tagesranges
abnehmendes Volumen
keine Panikverkäufe
Aktie bleibt oberhalb wichtiger Durchschnitte
relative Stärke bleibt stabil
6. Klarer Pivot
Der Einstieg sollte nicht aus Langeweile erfolgen.
Ich möchte einen klaren Trigger sehen:
Break über kleinen Pivot
Rückeroberung einer kurzfristigen Linie
Reversal nach engem Pullback
Ausbruch aus kleiner Konsolidierung
7. Definierter Stop
Vor dem Einstieg muss klar sein, wo die Idee falsch ist.
Mögliche Stop-Bereiche:
unter dem Pullback-Tief
unter einer engen Konsolidierung
unter dem letzten höheren Tief
unter einer wichtigen gleitenden Durchschnittslinie
unter einem technischen Invalidation-Level
8. Positionsgröße an Gap-Risiko anpassen
Bei deutschen Aktien ist das besonders wichtig.
Je höher das Gap-Risiko, desto kleiner sollte die Positionsgröße sein.
Ein enger Stop nützt wenig, wenn die Aktie am nächsten Morgen deutlich darunter eröffnet.
11. DAX-UNIVERSUM: WAS EIN A-SETUP BRAUCHT
Ein A-Setup im DAX-Universum sieht für mich ungefähr so aus:
Aktie in Stage 2
Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
50-Tage-Linie steigend
Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch
positive relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
starker Sektor oder zumindest kein klarer Sektorgegenwind
vorheriger dynamischer Impuls
kontrollierter Pullback
Volumen nimmt im Rücksetzer ab
Tagesranges werden enger
kein unmittelbares Event-Risiko
ausreichende Liquidität
klarer Pivot
sinnvoller Stop
attraktives Chance-Risiko-Verhältnis
Je mehr dieser Punkte erfüllt sind, desto interessanter ist die Aktie.
Wenn viele Punkte fehlen, ist der Trade meistens kein A-Setup.
Dann ist Geduld die bessere Entscheidung.
12. BEISPIEL: WARUM ZWEI ÄHNLICHE PULLBACKS UNTERSCHIEDLICH SIND
Stellen wir uns zwei Aktien aus dem DAX-Universum vor.
Aktie A
MDAX-Aktie
Stage-2-Aufwärtstrend
Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
Sektor ebenfalls stark
Pullback zur 21-Tage-Linie
Volumen nimmt ab
enger Pivot entsteht
keine Quartalszahlen in den nächsten Tagen
Spread ist eng
Stop ist sauber definierbar
Diese Aktie ist ein potenzielles A-Setup.
Aktie B
SDAX-Aktie
optisch ähnlicher Pullback
Kurs aber nahe der 200-Tage-Linie
relative Stärke schwach
Sektor unter Druck
nächster Quartalsbericht steht kurz bevor
Spread ist groß
mehrere Gaps im Chart
Volumen unregelmäßig
Stop wäre schwer sauber umzusetzen
Diese Aktie ist deutlich weniger attraktiv.
Auf den ersten Blick sehen beide Charts vielleicht ähnlich aus.
Aber die Qualität des Setups ist komplett unterschiedlich.
Das zeigt:
Ein Pullback ist nicht nur eine Chartform.
Ein Pullback ist ein Zusammenspiel aus Trend, Stärke, Liquidität, Risiko und Timing.
13. WANN ICH BEI DEUTSCHEN AKTIEN BESONDERS VORSICHTIG BIN
Bei Pullback-Setups im DAX-Universum werde ich besonders vorsichtig, wenn mehrere dieser Punkte auftreten:
Aktie unter der 50-Tage-Linie
Aktie unter der 200-Tage-Linie
fallende 50-Tage-Linie
negative relative Stärke
schwacher Sektor
hohes Verkaufsvolumen im Pullback
große rote Tageskerzen
viele Gaps
sehr geringer Umsatz
großer Spread
Quartalszahlen stehen unmittelbar bevor
Aktie fällt stärker als der Markt
Pullback kehrt direkt in die alte Base zurück
Ausbruch ist bereits mehrfach gescheitert
Ein einzelnes Warnsignal ist nicht immer entscheidend.
Aber mehrere Warnsignale zusammen machen das Setup deutlich schwächer.
Dann lautet meine Entscheidung oft:
Nicht handeln.
Weiter beobachten.
Auf ein besseres Setup warten.
14. WARUM GEDULD IM DAX-UNIVERSUM EIN VORTEIL IST
Viele Trader handeln zu früh.
Sie sehen einen Rücksetzer und wollen sofort kaufen.
Im DAX-Universum ist Geduld besonders wertvoll.
Warum?
Weil viele Aktien nach dem ersten Pullback noch nicht bereit sind.
Sie brauchen oft:
mehr Zeit
engere Struktur
bessere Bestätigung
neue relative Stärke
einen klareren Pivot
ein stabileres Marktumfeld
Der beste Einstieg ist selten der tiefste Punkt.
Der beste Einstieg ist oft der Punkt, an dem die Aktie wieder Stärke zeigt und das Risiko klar begrenzt werden kann.
Deshalb lautet die Reihenfolge:
Stage 2 erkennen
relative Stärke prüfen
Pullback beobachten
Volumen analysieren
Event-Risiken prüfen
Pivot abwarten
Risiko definieren
erst dann handeln
Wer diese Reihenfolge einhält, reduziert viele unnötige Trades.
15. PRAKTISCHE CHECKLISTE FÜR DEUTSCHE PULLBACK-SETUPS
Bevor ich einen Pullback im DAX-Universum plane, stelle ich mir folgende Fragen:
Befindet sich die Aktie in Stage 2?
Liegt der Kurs über der 50-Tage-Linie?
Liegt der Kurs über der 200-Tage-Linie?
Steigt die 50-Tage-Linie?
Zeigt die Aktie relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum?
Ist die RS-Linie positiv oder verbessert sie sich?
Ist der Sektor konstruktiv?
War der vorherige Anstieg dynamisch?
Ist der Pullback kontrolliert?
Nimmt das Volumen im Rücksetzer ab?
Werden die Tagesranges enger?
Gibt es einen klaren Pivot?
Ist der Stop logisch definierbar?
Ist die Aktie liquide genug?
Ist der Spread akzeptabel?
Gibt es kurzfristige Quartalszahlen oder Event-Risiken?
Ist das Gap-Risiko vertretbar?
Passt die Positionsgröße zum Risiko?
Ist das Chance-Risiko-Verhältnis attraktiv?
Ist das Marktumfeld zumindest neutral bis konstruktiv?
Wenn viele dieser Fragen mit Nein beantwortet werden, ist es wahrscheinlich kein A-Setup.
16. MEINE ANGEPASSTE KERNREGEL
Für Pullback-Trading im DAX-Universum würde ich die zentrale Regel so formulieren:
Nur weil eine deutsche Aktie zurückkommt, ist sie noch kein Pullback-Setup.
Ein hochwertiger Pullback braucht:
vorherige Stärke
Stage-2-Struktur
relative Stärke
ausreichende Liquidität
kontrollierte Korrektur
keine unmittelbaren Event-Risiken
klaren Pivot
definiertes Risiko
Der Pullback allein reicht nicht.
Er ist nur ein möglicher Einstiegspunkt innerhalb eines stärkeren Gesamtkontextes.
17. FAZIT
Deutsche Aktien können sehr gute Pullback-Setups liefern.
Aber das DAX-Universum funktioniert anders als der US-Momentum-Markt.
DAX, MDAX, SDAX und TecDAX haben eigene Besonderheiten:
unterschiedliche Liquidität
mehr zyklische Geschäftsmodelle
stärkere Sektorrotation
höhere Gap-Risiken
große Bedeutung von Quartalszahlen
starker Einfluss von Makrodaten
deutlicher Einfluss der US-Märkte
weniger echte High-Growth-Leader
Deshalb müssen Pullback-Setups bei deutschen Aktien selektiver bewertet werden.
Die wichtigsten Anpassungen sind:
Stage-2-Filter konsequent nutzen
relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum prüfen
Liquidität und Spread beachten
keine blinden Einstiege vor Quartalszahlen
Gap-Risiko in der Positionsgröße berücksichtigen
Sektorrotation beobachten
Pivot und Stop klar definieren
Der wichtigste Satz dieses Artikels lautet:
Ein Pullback im DAX-Universum ist nur dann interessant, wenn Trend, relative Stärke, Liquidität und Risiko zusammenpassen.
Im nächsten Teil geht es um den idealen Trend vor dem Pullback – und warum ein starker Vorlauf oft wichtiger ist als der Rücksetzer selbst.
DISCLAIMER
Diese Analyse dient ausschließlich der Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Trader ist für seine eigenen Entscheidungen, sein Risiko-Management und seine Positionsgröße selbst verantwortlich.
DXY - USDollar - Die Sixtinische Kapelle der FinanzweltIch habe den DXY🟢 aufgeschnitten wie einen fetten Biologie-Frosch🐸 in der 8. Klasse und ihm alle Geheimnisse rausgequetscht!
Wir springen direkt in die Zeitmaschine und ballern durch die verrückteste Finanz-Achterbahn der Geschichte – den US-Dollar, diese Sixtinische Kapelle der Finanzwelt.
Es wartet eine Blockbuster-Trilogie auf dich – wild & wahnsinnig!
Zeilen aus Jalapeños🌶️ für deine Augen, oder du starrst einfach nur auf den Chart wie 'n gelangweilter Hamster. (Wie laaaangweilig!)
Für diese Zeitreise und den ultimativen Geschichtsunterricht: Hol dir 'n großes Getränk! 🍺
Für mich war das eine epische Deep-Dive-Reise durch die Google-Archive. Ich habe die nackten Zahlen und historischen Fakten für dich in lebendige Bilder verwandelt und die trockene Finanzwelt in eine verständliche Metaphern-Story verpackt.
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Der Inhalt:
Teil 1: Die wilden 70er bis Mitte der 90er Jahre
"WTF happened in 1971" - "Volcker-Shock" - "Das Plaza-Abkommen" - "Bond Massacre"
Teil 2: Tech-Blasen & Die totale Kernschmelze Mitte 90er bis 2009
"Dotcom-Blase" - "9/11 Terroranschläge" - "Lehman-Brothers-Pleite" / "Finanzkrise"
Teil 3: Druckerpressen, Viren, Zölle & Geopolitisches Chaos (2015 bis heute)
"0% Zinspolitik" - "Corona" - "Ukraine" - "Trumps Zollspiele" - "Irankonflikt"
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"Die Fed als die Feuerwehr, welches den Brand selber legt und mit einem Flammenwerfer (Zinsen) bekämpft."🔥
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Grobes zum Chart: (auf die Schnelle)
Die Fed wartet immer, bis der Markt komplett überhitzt ist (Inflation frisst uns auf), dann kommt die Fed panisch mit der Zins-Schaufel und haut drauf (rote Sprechblasen) – und wenn dann alles in Schutt und Asche liegt, flutet sie den Raum mit billigem Geld (Blau Sprechblasen).
Wenn ich mir den Chart so anschaue und überfliege, dann stell ich folgendes fest:
Sobald die Zinsen kommen und hoch geschraubt werden, wertet das den US-Dollar auf.
Siehe dazu die roten Sprechblasen.
"America First" 💪📈
Aktuell eher eine Tendenz nach oben, was weitere Zinserhöhungen angeht.
Sechs der Währungshüter stellten zuletzt zwei oder mehr Zinserhöhungen noch für 2026 in Aussicht, um der hartnäckigen Inflation (unter anderem getrieben durch globale Konflikte und Energiepreise) entgegenzuwirken.
Das Pondon dazu sind die blauen Sprechblasen, da wird die Droge „mehr billiges Geld“ verteilt, um die Wirtschaft wieder aufzumotzen.
Orange Sprechblasen = hier haben andere unfreiwillig dazu beigetragen, dass der Dollar an stärke gewonnen hat.
🔎Der Fed Chart 1Monat - Seit 1970 :
Man sieht klar und deutlich, wie aggressiv die Zinsen kürzlich angehoben wurden. Und man rechnet eher mit weiteren Erhöhungen, da die Inflation immer noch als hartnäckig gilt.
Das wirft meine Analysen ein bisschen auf den Kopf und zwingt mich, den ein oder anderen Chart nochmal durch den Reißwolf zu jagen.
Was bedeutet überhaupt ein starker Dollar für uns?
Rohstoffe & Forex haben alle den USD als Tracker.
Wenn der Dollar 📈💪Muskeln zeigt:
📉XAU/USD → runter
📉BTC/USD → runter
📉EUR/USD, GBP/USD → runter
📉Rohstoffe → runter
📉Aktien (Indizes) → 80% runter
Im Gegenzug:
📈US10Y - rauf (weiter rauf)
📈USD/CHF - rauf
📈USD/JPY - rauf
📈USD/CAD - rauf
In meiner letzten EUR/USD Analyse schon erwähnt:
Wenn die Fed die Daumenschrauben anzieht, mutiert der Greenback zum unersättlichen Liquiditäts-🦍King-Kong-Vampir🧛♂️ und saugt der Weltwirtschaft das Geld direkt aus der Halsschlagader!
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TEIL 1
Bereit für den Wahnsinn?
Zur Dollar-Geschichte! Die Sixtinische Kapelle der Finanzwelt!
Teil 1: Die wilden 70er bis Mitte der 90er Jahre
"WTF happened in 1971" - "Volcker-Shock" - "Das Plaza-Abkommen" - "Bond Massacre"
Akt 1
WTF happened in 1971?! (Der Nixon-Schock) 🤯
Dafür müssen wir der wichtigkeitshalber noch etwas weiter zurück vor diesem Fall, damit man versteht warum Nixon das überhaupt gemacht hat.
Das "Bretton-Woods-System" war eine nach dem Zweiten Weltkrieg entworfene internationale Währungsordnung. Es band die Währungen aller Teilnehmerländer fest an den US-Dollar als Leitwährung. Der Dollar war seinerseits zum Festkurs von $35 pro Feinunze an das Gold gekoppelt. Ziel war es, den Welthandel durch feste Wechselkurse zu stabilisieren und Wirtschaftskrisen zu verhindern. Jeder wusste: Dollar = eine feste Menge Gold.
Bis dann der absolute Brandbeschleuniger für Nixons Panik-Aktion kam.
Vor den 70er pumpte die US-Regierung astronomische Summen in den Vietnamkrieg – ein absolutes finanzielles und menschliches schwarzes Loch.
Auf der anderen Seite wollten sie zu Hause den braven Bürgern riesige Sozialprogramme ( "Great Society" ) spendieren.
Das Problem? Sie hatten gar nicht das Geld dafür!
Also warfen sie die Gelddruckmaschinen an, bis diese glühten und rauchten.
Und der damalige französische Präsident Charles de Gaulle war kein Dummkopf.
Er roch den Braten, der da aus Washington rüberwehte.
Er dachte sich: "Oh, Mon Dieu, diese Amerikaner drucken mehr Konfetti-Geld, als sie Gold im Keller haben! Wenn alle gleichzeitig anklopfen, geht denen das glänzende Zeug aus!"
Also machten die Franzosen etwas unfassbar Gangster-mäßiges:
Ab 1965 tauschenten sie systematisch ihre angehäuften Dollar-Papiere bei der US-Notenbank in physisches Gold ein. Die französische Zentralbank Banque de France benutze dafür wirklich Transatlantik-Linienschiffe und Flugzeuge von Air France.
"Merci für die Papierschnipsel, wir nehmen jetzt unser Gold mit. Au revoir!"
Kein Witz! Die haben sich das Gold physisch per Schiff und Flugzeug nach Hause geholt!
Andere Länder sahen das und gerieten in Panik. Plötzlich entstand ein Bank Run der Nationen.
Nun zu US-President Nixon.
Amerikas Goldreserven bluteten aus wie ein abgestochenes Capri-Sun Trinkpäckchen.
Fort Knox drohte leer zu werden. Nixon schwitzte im Oval Office wahrscheinlich wie ein Schneemann im Solarium.
Wenn er so weitergemacht hätte, wäre den USA das Gold ausgegangen und das Land wäre de facto bankrotto gewesen.
Also was machen Sachen, wenn man beim Monopoly-Spiel am Verlieren ist?
Genau, man schmeißt das verdammte Spielbrett um! 🎲💥
WTF happened in 1971?! (Der Nixon-Schock)🤯
Nixon trat am 15. August 1971 ans Fernsehen und machte den Vorhang zu:
"Ätsch! Ab heute tauschen wir eure Dollar nicht mehr in Gold um."
Damit war der Dollar plötzlich nicht mehr durch echtes Gold gedeckt, sondern nur noch durch das Versprechen der US-Regierung ( "Ihr könnt mir Vertrau, Bro" ).
Das war die Geburtsstunde unseres heutigen, wilden "Fiat-Geld"-Systems.
Mit dem Nixon-Schock ist damit der erste Dominostein gefallen.
Der Chart nochmal für diesen Zeitraum:
Akt 2
Der Volcker-Schock (1979 - frühe 80er) – Der Zins-Vorschlaghammer
Nachdem Nixon den Dollar vom Gold befreit hatte, passierte genau das, wovor alle Angst hatten: Die Inflation geriet komplett außer Kontrolle. Gepaart mit den Ölkrise-Schocks der 70er Jahre steckte die Welt in der "Stagflation" fest – die Wirtschaft stagnierte (kein Wachstum), aber die Preise schossen trotzdem nach oben.
Das Geld verlor im Rekordtempo an Wert. Die Menschen verloren das Vertrauen.
Da betritt Paul Volcker 1979 als neuer Fed-Chef die Bühne. Ein Mann, so groß wie ein Kleiderschrank, der beschloss, dass Schluss ist mit lustig.
Er wusste: Wenn du eine Inflation von über 13 % einfangen willst, musst du der Wirtschaft die Droge "billiges Geld" komplett entziehen. Also zog er die Zügel so extrem an wie noch nie jemand zuvor:
Er hob den Leitzins in den USA in der Spitze auf unmenschliche 20 % an! (Zum Vergleich: Heute jammern wir schon bei 4 % oder 5 %). Kredite waren plötzlich so teuer wie Platin.
Das war ein brutaler Entzug für die Wirtschaft . Die USA und die Weltwirtschaft rutschten Anfang der 80er in eine schwere Rezession. Firmen gingen pleite, die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft an, und die Menschen gingen wütend auf die Straße.
(wieso kommt mir das gerade nur so bekannt vor...?!)
Aber der Plan ging auf: Volcker brach der Inflation das Rückgrat. Die Teuerungsrate sank drastisch. Er rettete den US-Dollar vor dem Totalabsturz. Der Preis dafür war die wirtschaftliche Vollbremsung mit quietschenden Reifen.
Akt 3
Das Plaza-Abkommen (1985) – Währungs-Kosmetik
Weil Volcker die Zinsen so hochgejagt hatte, passierte eine logische Kettenreaktion: Investoren aus aller Welt wollten ihre Kohle in den USA anlegen, um die fetten 20 % Zinsen abzugreifen. Um das zu tun, mussten sie alle ihre Währungen (Yen, D-Mark, Pfund) in Dollar umtauschen.
Die Folge: Der US-Dollar wurde extrem stark. Er war der absolute König der Währungen.
Das Problem dabei: Ein zu starker Dollar ist Gift für die heimische Wirtschaft. Amerikanische Autos, Maschinen und Textilien waren im Ausland plötzlich unbezahlbar teuer. Gleichzeitig überschwemmten billige Produkte aus Japan und Deutschland den US-Markt. Die US-Handelsbilanz rutschte tief ins Minus, und die US-Industrie drohte zu kollabieren.
Am 22. September 1985 trafen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G5 (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, UK) im legendären Plaza Hotel in New York.
Sie unterschrieben ein Abkommen, das man heute als kontrollierte Währungsmanipulation bezeichnen würde:
Sie beschlossen, den Dollar künstlich abzuwerten.
Die Notenbanken warfen gemeinsam gigantische Mengen Dollar auf den Markt und kauften im Gegenzug Yen und D-Mark.
Das Ergebnis: Innerhalb von zwei Jahren verlor der Dollar gegenüber dem Yen und der D-Mark fast 50 % seines Wertes! Die amerikanische Industrie konnte wieder durchatmen, aber für Japan hatte das verheerende Spätfolgen – es legte den Grundstein für die dortige gigantische Blasenökonomie der späten 80er.
Akt 4
Das Bond Massacre (1994) – Das Blutbad auf dem Anleihenmarkt
Die wilden 70er und die volatilen 80er waren vorbei. Die Inflation war besiegt, die Zinsen waren jahrelang brav gesunken. Anleger weltweit fühlten sich extrem sicher. Sie kauften massenhaft Staatsanleihen (Bonds), weil diese als sichere, ruhige Renditebringer galten. Der Markt war träge, satt und absolut unvorbereitet auf das, was folgte.
Der neue Fed-Chef hieß mittlerweile Alan Greenspan. Er sah, dass die Wirtschaft im Aufschwung war, und bekam Angst, dass die Inflation wie ein Zombie wieder auferstehen könnte.
Im Februar 1994 tat Greenspan etwas, womit niemand an den Märkten gerechnet hatte:
Er erhöhte den Leitzins komplett ohne Vorwarnung um 0,25 % – und legte in den Monaten darauf in Rekordtempo nach, bis der Zins um insgesamt 3 % gestiegen war.
Für den Anleihenmarkt war das ein absoluter Asteroideneinschlag.
Wenn die Zinsen für neue Anleihen steigen, will niemand mehr die alten Anleihen haben, die einen niedrigeren Zins garantieren. Die Kurse der alten Anleihen stürzen ab.
Die Konsequenzen
Es kam zum "Bond Massacre" (Anleihen-Massaker). Die Kurse von Staatsanleihen weltweit brachen historisch stark ein.
Investoren, Banken und Hedgefonds, die tonnenweise auf diesen vermeintlich "sicheren" Papieren saßen, erlitten Verluste in Höhe von schätzungsweise 1.000 Milliarden Dollar weltweit. Es war die Geburtsstunde der modernen Erkenntnis, dass auch der "sicherste" Markt der Welt dich innerhalb weniger Tage in den Ruin treiben kann, wenn die Notenbank überraschend den Zinshebel umlegt.
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TEIL 2
Teil 2: Tech-Blasen & Die totale Kernschmelze Mitte 90er bis 2009
"Dotcom-Blase" - "9/11 Terroranschläge" - "Lehman-Brothers-Pleite" / "Finanzkrise"
Akt 5
Die Dotcom-Blase (Mitte 90er - 2000)
Mitte der 90er Jahre passierte etwas Magisches: Das Internet wurde massentauglich.
Und die Wall Street reagierte darauf wie Teenager auf Energy-Drinks.
Es war völlig egal, ob eine Firma Gewinn machte, ein echtes Produkt hatte oder überhaupt wusste, wie man ein Unternehmen führt. Solange eine Firma ein ".com" im Namen hatte, schossen die Aktienkurse in den Himmel. So wie es aktuell heute zu sein scheint, reichtes wenn die Firma was mit "KI" macht, hat oder sagt.
Der Nasdaq-Index stieg von 1995 bis 2000 um gigantische 400 % !
Im März 2000 ging der Party das Bier aus. Die US-Notenbank hatte die Zinsen leicht erhöht , und die ersten Investoren merkten plötzlich: "Moment mal... diese Firmen machen ja gar kein Geld!"
Es kam zur Massenpanik. Die Blase platzte. Der Nasdaq verlor rund 80 % seines Wertes und brauchte 15 Jahre, um sich davon zu erholen. Berühmte Internet-Pioniere verdampften über Nacht.
Akt 6
"9/11 Terroranschläge" – Der Schockmoment
Die Tech-Blase war gerade erst mühsam am Abklingen, da passierte das Unfassbare. Am 11. September 2001 trafen die Terroranschläge das World Trade Center im Herzen des New Yorker Finanzdistrikts.
Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg blieben die US-Börsen für fast eine Woche komplett geschlossen, um eine totale Panik-Kernschmelze zu verhindern. Als die Wall Street am 17. September wieder öffnete, erlebte der Dow Jones den bis dahin größten Punktverlust an einem einzelnen Tag seiner Geschichte.
Die Reaktion der Fed (Die Saat für die nächste Krise)
Um die geschockte Wirtschaft vor dem Kollaps zu retten, tat der damalige Fed-Chef Alan Greenspan das, was Notenbanker am besten können:
Er senkte die Zinsen radikal – bis auf 1 %.
Da Aktien nach der Dotcom-Blase out waren, suchte dieses billige Geld ein neues Zuhause. Und wo fand es das? Auf dem Immobilienmarkt. Die Saat für die nächste Megakrise von 2008 war gesät.
Akt 7
"Lehman-Brothers-Pleite" & Die große Finanzkrise (2007 - 2009) – Die totale Kernschmelze
Weil das Geld nach 9/11 so billig war, fingen US-Banken an, Immobilienkredite an absolut jeden zu verteilen. Und mit "jeden" meine ich Menschen ohne Job, ohne Einkommen und ohne Vermögen (sogenannte Subprime-Kredite). Die Banken schnürten diese Schrott-Kredite in schicke Finanzpakete, klebten ein falsches "Premium-Siegel" drauf und verkauften sie an ahnungslose Banken weltweit. Ein gigantisches Kartenhaus aus faulen Krediten.
2007 begannen die ersten Hausbesitzer, ihre Kredite nicht mehr zu bedienen. Das Kartenhaus fing an zu wackeln. Und am 15. September 2008 stürzte es komplett ein: Die traditionsreiche Investmentbank Lehman Brothers meldete Insolvenz an.
Die US-Regierung weigerte sich, Lehman zu retten. Das war der Moment, in dem das weltweite Finanzsystem einen Herzinfarkt erlitt. Das Vertrauen zwischen den Banken war komplett tot. Niemand lieh dem anderen mehr auch nur einen Cent, weil keiner wusste, welche Bank als nächstes hochgeht.
"Die Rettung im letzten Atemzug"
Die Welt stand sprichwörtlich Zentimeter vor dem Abgrund zum Tauschhandel. Die globalen Aktienmärkte halbierten sich . Um den totalen Systemkollaps zu verhindern, mussten Staaten weltweit einspringen. Sie verstaatlichten Banken und pumpten Billionen von Dollar und Euro in den Markt (das Zeitalter des "Quantitative Easing" begann) - (blaue Sprechbalsen).
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TEIL 3
Teil 3: Druckerpressen, Viren, Zölle & Geopolitisches Chaos (2015 bis heute)
"0% Zinspolitik" - "Trumps Zollspiele" - "Corona" - "Ukraine" - "Irankonflikt"
Nachdem die Finanzwelt 2008 fast an ihrer eigenen Gier erstickt wäre, betreten wir nun die Epoche, in der die Spielregeln komplett neu geschrieben wurden.
Akt 8
"0% Zinspolitik" – Die Ära des Gratis-Geldes
Um das System nach der Finanzkrise 2008 künstlich am Leben zu erhalten, griffen die Notenbanken (allen voran die EZB unter Mario "Whatever it takes" Draghi) zu einer historischen Extremmaßnahme : Sie senkten den Leitzins auf 0 % (und zeitweise sogar in den Negativbereich).
Geld hatte plötzlich keinen Preis mehr. Wer Schulden machte, wurde belohnt; wer sparte, wurde durch die schleichende Entwertung bestraft. Die Notenbanken warfen zusätzlich die Druckerpressen an und kauften Staatsanleihen für Billionen von Euro und Dollar.
Die Folgen:
Da es auf dem Sparbuch nichts mehr zu holen gab, flutete dieses "Gratis-Geld" die Märkte. Es entstand eine "Alles-Blase" (Everything Bubble):
Immobilienpreise verdoppelten sich in kürzester Zeit, Aktien jagten von einem Rekordhoch zum nächsten, und neue Vermögenswerte wie Krypto wurden für Millionen gehandelt.
Die Wirtschaft wurde regelrecht mit billiger Liquidität gemästet.
Akt 9
"Trumps Zollspiele" - 1ste Amtszeit und exzessiv in der aktuellen 2ten Amtszeit
Staffel 1
Das "Vorgeplänkel" (Erste Amtszeit: 2018) damals schon. "America First"
Er verhängte damals Zölle auf Stahl (25 %) und Aluminium (10 %) – und zwar weltweit.
Er belegte chinesische Waren im Wert von Hunderten Milliarden Dollar mit Strafzöllen.
Er zwang Kanada und Mexiko, das alte Freihandelsabkommen aufzulösen und das neue USMCA zu unterschreiben.
Staffel 2
Der totale "Zoll-Exzess"
Er verhängte gigantische "Liberation Day"-Zölle – pauschal 10 % auf fast alle US-Importe und schwindelerregende bis zu 145 % auf bestimmte Waren aus China.
Er verhängte 25 % Zölle auf alle Importe der beiden Nachbarn. Der Grenz-Krieg mit Kanada & Mexiko (Februar 2025)
Aktuell im Juli 2026 (Der Turnberry-Deal) - während der WM hinter den Kulissen. (hier passiert mehr als nur das)
Am 1. Juli 2026 ist offiziell eine Zollvereinbarung zwischen der EU und den USA in Kraft getreten. Man hat sich auf eine Obergrenze von 15 % für die meisten EU-Exporte (wie Autos und Halbleiter) geeinigt. Aber die Lage bleibt maximal angespannt.
Trump droht den Europäern schon wieder mit 100%-Zöllen, falls diese eine Digitalsteuer für US-Tech-Riesen wie Google einführen.
Akt 10
"Corona" - "Ukraine" - "Irankonflikt"
Ein Virus legte den Planeten lahm . Die Politik verordnete den weltweiten Lockdown.
Wirtschaftliche Vollbremsung.
Fabriken standen still, Flugzeuge blieben am Boden, Geschäfte schlossen. Die Wirtschaftsleistung brach im zweiten Quartal 2020 historisch stark ein – tiefer als während der Weltwirtschaftskrise 1929. Um einen totalen Kollaps und Massenarbeitslosigkeit zu verhindern, mutierten die Regierungen zu gigantischen Gelddruck-Feuerwehren.
Es wurden Rettungspakete geschnürt, die alles Dagewesene in den Schatten stellten. In den USA bekamen Bürger buchstäblich Schecks nach Hause geschickt ("Helikoptergeld"), in Europa wurden Kurzarbeitergelder in Milliardenhöhe gezahlt. Gleichzeitig kollabierte die Logistik: Containerschiffe stauten sich, Chips für Autos fehlten.
Das Ergebnis dieser Kombination aus gigantischer Geldverniedlichung und verknapptem Angebot? Das Comeback der Inflation . Nach Jahrzehnten der Ruhe schoss die Teuerungsrate 2021/2022 weltweit auf über 8 % bis 10 % hoch. Die Notenbanken mussten die Zinsen daraufhin so schnell anheben wie seit dem Volcker-Schock nicht mehr!
Der Fed Chart nochmal an dieser Stelle:
Ukraine-Krieg (2022) – Die Energie- und Geopolitik-Krise und der Irankonflikt – Das permanente Pulverfass
Die Märkte hyperventilieren bereits seit Monaten!
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Ende & Fazit:
Wenn wir einen Schritt zurücktreten und diese gewaltige Kurve von 1971 bis heute betrachten, sehen wir: Der Kreis schließt sich. Jahrzehntelang hat die Politik das System mit billigem Geld geflutet, um jedes aufkommende Feuer zu löschen. Aber die Gesetze der Ökonomie lassen sich nicht austricksen. Die Gelddruck-Exzesse entladen sich nun in einer hartnäckigen globalen Inflation.
Wir leben heute in einer Welt mit spürbar höheren Zinsen, teurerer Energie und permanentem geopolitischem Herzklopfen.
Da die Zinsen aggressiv angehoben wurden und wohl auch noch weiter steigen sollen, rechne ich mit einer ähnlichen Situation wie in den 80ern. Gepaart mit der Dotcom Bubble aus den 90ern. Ein Cocktail des Grauens braut sich zusammen.
Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit! Ich hoffe, dieser wilde Ritt durch die Dekaden war für dich alles andere als trocken.
Wie sieht du das? Kommt hier was gefährliches für die Märkte und unsere Depots zu?
Dein Tiger🐯
Pullback-Trading im DAX-Universum – Teil 3Relative Stärke nach IBD-Logik: Wie man echte Leader von durchschnittlichen Aktien unterscheidet
Im zweiten Teil dieser Serie ging es um den Stage-2-Aufwärtstrend.
Die wichtigste Aussage war:
Ein Pullback ist nur dann interessant, wenn er innerhalb eines intakten Aufwärtstrends entsteht.
Doch ein Aufwärtstrend allein reicht nicht aus.
Gerade im DAX-Universum – also DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – gibt es viele Aktien, die zwar technisch in Ordnung aussehen, aber trotzdem keine echten Leader sind.
Deshalb brauchen wir einen zweiten wichtigen Filter:
Relative Stärke.
Relative Stärke hilft uns zu erkennen, welche Aktien besser laufen als der Markt, welche Werte institutionelle Nachfrage zeigen könnten und welche Aktien nur durchschnittlich mit dem Gesamtmarkt mitschwimmen.
Die Grundidee lautet:
Nicht die billigsten Aktien suchen.
Nicht die bekanntesten Aktien kaufen.
Sondern die stärksten Aktien identifizieren.
Denn die besten Pullback-Setups entstehen meistens nicht in schwachen Aktien.
Sie entstehen in Aktien, die bereits vorher gezeigt haben, dass Käufer bereit sind, höhere Preise zu bezahlen.
1. WAS BEDEUTET RELATIVE STÄRKE?
Relative Stärke bedeutet vereinfacht:
Eine Aktie entwickelt sich besser als ihr Vergleichsmarkt.
Für deutsche Aktien kann dieser Vergleichsmarkt zum Beispiel sein:
DAX
MDAX
SDAX
TecDAX
ein Sektorindex
oder ein breiter Benchmark aus dem deutschen Aktienmarkt
Eine Aktie zeigt relative Stärke, wenn sie zum Beispiel:
steigt, während der Markt seitwärts läuft
kaum fällt, während der Markt korrigiert
schneller neue Hochs erreicht als der Gesamtmarkt
oberhalb wichtiger Durchschnitte bleibt, während viele andere Aktien diese brechen
nach Rücksetzern schneller wieder gekauft wird
nahe am Jahreshoch bleibt, obwohl der Markt unter Druck steht
Relative Stärke bedeutet also nicht einfach, dass eine Aktie steigt.
Sie bedeutet:
Die Aktie verhält sich besser als ihr Umfeld.
Und genau das ist für Pullback-Trader entscheidend.
2. WARUM RELATIVE STÄRKE SO WICHTIG IST
Viele Trader machen den Fehler, Aktien zu kaufen, weil sie stark gefallen sind.
Die Argumentation lautet oft:
Die Aktie war früher viel höher.
Die Aktie ist jetzt günstiger.
Die Aktie muss sich doch irgendwann erholen.
Der Rücksetzer ist bestimmt eine Chance.
Das kann funktionieren.
Aber es ist nicht die Logik eines hochwertigen Pullback-Trades.
Ein Minervini-inspirierter Pullback beginnt nicht mit Schwäche, sondern mit Stärke.
Wir suchen Aktien, die bereits beweisen, dass Nachfrage vorhanden ist.
Relative Stärke zeigt uns, wo Kapital bevorzugt hinfließt.
Wenn eine Aktie aus dem MDAX steigt, während der MDAX seitwärts läuft, ist das ein Hinweis auf Stärke.
Wenn eine TecDAX-Aktie nahe am Hoch bleibt, während der TecDAX korrigiert, ist das ebenfalls interessant.
Wenn eine DAX-Aktie neue Hochs markiert, obwohl viele andere DAX-Werte schwach sind, sollte man aufmerksam werden.
Relative Stärke ist deshalb ein Filter für Leadership.
Sie hilft uns, echte Marktführer von durchschnittlichen Mitläufern zu unterscheiden.
3. RELATIVE STÄRKE IST NICHT DASSELBE WIE RSI
Ein wichtiger Punkt:
Relative Stärke ist nicht automatisch der RSI.
Der RSI misst, ob eine Aktie kurzfristig überkauft oder überverkauft ist.
Relative Stärke im Sinne dieser Serie meint etwas anderes:
Wie stark verhält sich eine Aktie im Vergleich zu ihrem Markt oder Benchmark?
Eine Aktie kann einen hohen RSI haben und trotzdem kein echter Leader sein.
Umgekehrt kann eine Aktie in einem gesunden Aufwärtstrend konsolidieren, ohne kurzfristig stark überkauft zu sein, aber trotzdem relative Stärke zeigen.
Für Pullback-Trading interessiert mich vor allem:
hält sich die Aktie besser als der Markt?
bleibt sie näher am Hoch?
fällt sie weniger stark?
erholt sie sich schneller?
bildet sie höhere Tiefs, während der Markt schwach bleibt?
zeigt sie neue Hochs vor dem Index?
Das ist eine andere Denkweise als klassisches Überkauft-/Überverkauft-Trading.
Wir wollen nicht automatisch verkaufen, nur weil eine Aktie stark ist.
Und wir wollen nicht automatisch kaufen, nur weil eine Aktie gefallen ist.
Wir wollen Stärke erkennen – und dann auf eine kontrollierte Einstiegschance warten.
4. DIE IBD-INSPIRIERTE RELATIVE-STÄRKE-METHODIK
Für meine Analyse nutze ich eine IBD-inspirierte Näherung der relativen Stärke.
Dabei wird nicht nur eine einzige Performance-Periode betrachtet.
Stattdessen werden mehrere Zeiträume kombiniert:
40 % = Performance der letzten 3 Monate
20 % = Performance der letzten 6 Monate
20 % = Performance der letzten 9 Monate
20 % = Performance der letzten 12 Monate
Als Formel:
RS Score =
0,40 × Performance 3M
+ 0,20 × Performance 6M
+ 0,20 × Performance 9M
+ 0,20 × Performance 12M
Der Vorteil dieser Methode:
Die jüngere Kursentwicklung wird stärker gewichtet, aber die längere Entwicklung wird nicht komplett ignoriert.
Das passt sehr gut zum Pullback-Trading.
Warum?
Weil wir Aktien suchen, die jetzt Stärke zeigen, aber nicht nur durch eine kurzfristige Bewegung auffallen.
Eine Aktie, die in den letzten 3 Monaten stark war, aber auch über 6, 9 und 12 Monate solide aussieht, ist oft interessanter als eine Aktie, die nur kurzfristig nach einem Absturz hochspringt.
Wichtig:
Das ist keine exakte Nachbildung des offiziellen IBD RS Ratings.
Es ist eine praktische, IBD-inspirierte Näherung für die eigene Chartanalyse auf TradingView.
5. WARUM DIE JÜNGERE PERFORMANCE STÄRKER GEWICHTET WIRD
Die Gewichtung von 40 % auf die letzten 3 Monate ist besonders wichtig.
Denn im Trading interessiert uns nicht nur, welche Aktie vor einem Jahr stark war.
Uns interessiert, welche Aktie jetzt vom Markt bevorzugt wird.
Eine Aktie kann früher ein Leader gewesen sein, aber heute bereits Schwäche zeigen.
Umgekehrt kann eine Aktie gerade erst beginnen, relative Stärke aufzubauen.
Durch die stärkere Gewichtung der 3-Monats-Performance erkennt man solche Veränderungen schneller.
Die 6-, 9- und 12-Monats-Performance sorgen gleichzeitig dafür, dass die Analyse nicht zu kurzfristig wird.
So entsteht ein ausgewogener Blick:
kurzfristige Stärke zählt stärker
mittelfristige Stärke bleibt wichtig
langfristige Entwicklung wird berücksichtigt
kurzfristige Zufallsbewegungen werden etwas geglättet
Für Pullback-Trader ist das hilfreich, weil wir keine alten Geschichten kaufen wollen.
Wir suchen aktuelle Leadership.
6. MEIN TRADINGVIEW-INDIKATOR: DAX UNIVERSE IBD-STYLE RELATIVE STRENGTH
Um diese Methodik im Chart sichtbar zu machen, habe ich einen eigenen TradingView-Indikator entwickelt:
DAX Universe IBD-Style Relative Strength
Der Indikator berechnet zunächst den gewichteten RS Score der jeweiligen Aktie.
Danach vergleicht er diesen Score mit einem gleichgewichteten Benchmark aus:
DAX
MDAX
SDAX
TecDAX
Dadurch entsteht ein breiter Vergleichsmaßstab für deutsche Aktien.
Die Idee dahinter:
Eine Aktie soll nicht nur besser laufen als ein einzelner Index.
Sie soll besser laufen als das breitere deutsche Aktienuniversum.
TradingView-Link zum Indikator:
7. WIE DER INDIKATOR INTERPRETIERT WIRD
Der Indikator zeigt eine Relative-Stärke-Linie gegenüber dem DAX-Universum.
Die einfache Interpretation:
Linie über 0
Die Aktie ist auf Basis der gewichteten 3-, 6-, 9- und 12-Monats-Performance stärker als der Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.
Das ist ein Hinweis auf relative Stärke.
Linie unter 0
Die Aktie ist schwächer als der Benchmark.
Das ist ein Hinweis auf relative Schwäche.
Solche Aktien sind für Pullback-Trading weniger interessant, solange sich die Struktur nicht verbessert.
Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt
Die relative Stärke verbessert sich.
Das kann ein frühes Zeichen sein, dass eine Aktie wieder Aufmerksamkeit verdient.
Linie unter ihrem gleitenden Durchschnitt
Die relative Stärke schwächt sich ab.
Das ist besonders dann ein Warnsignal, wenn gleichzeitig der Kurs unter wichtige gleitende Durchschnitte fällt.
8. DER INDIKATOR IST EIN FILTER, KEIN KAUFSIGNAL
Wichtig ist:
Der DAX Universe IBD-Style Relative Strength Indikator ist kein eigenständiges Kaufsignal.
Er sagt nicht:
Jetzt kaufen.
Er sagt nur:
Diese Aktie läuft stärker oder schwächer als das DAX-Universum.
Das ist ein großer Unterschied.
Für meine Pullback-Analyse nutze ich den Indikator als Filter.
Er hilft mir, die richtigen Aktien auf die Watchlist zu setzen.
Der eigentliche Einstieg entsteht erst später durch:
Stage-2-Struktur
konstruktiven Pullback
abnehmenden Verkaufsdruck
enger werdende Tagesranges
klaren Pivot
definierten Stop
sinnvolles Chance-Risiko-Verhältnis
Relative Stärke bringt die Aktie auf die Watchlist.
Der Pullback liefert die Chance.
Der Pivot entscheidet über den Einstieg.
9. EIN EINFACHES BEISPIEL
Angenommen, das DAX-Universum entwickelt sich über mehrere Monate nur mäßig.
Der DAX läuft seitwärts.
Der MDAX bleibt schwach.
Der SDAX korrigiert.
Der TecDAX zeigt nur leichte Erholung.
Eine bestimmte Aktie steigt in diesem Umfeld jedoch deutlich stärker.
Über 3 Monate liegt sie klar vorne.
Über 6 Monate bleibt sie stabil stark.
Über 9 und 12 Monate zeigt sie ebenfalls eine positive Entwicklung.
Der gewichtete RS Score dieser Aktie liegt damit über dem Benchmark.
Was sagt uns das?
Es sagt uns nicht, dass die Aktie sofort gekauft werden muss.
Aber es sagt uns:
Diese Aktie zeigt Leadership.
Sie wird vom Markt stärker nachgefragt als viele andere deutsche Aktien.
Sie bleibt auf relativer Basis attraktiv.
Sie könnte bei einem kontrollierten Pullback ein interessanter Kandidat werden.
Wenn diese Aktie danach einen engen Rücksetzer bildet, das Volumen abnimmt und ein kleiner Pivot entsteht, kann daraus ein hochwertiges Setup werden.
Der entscheidende Punkt ist:
Die Aktie wird nicht interessant, weil sie gefallen ist.
Sie wird interessant, weil sie vorher stärker war als der Markt.
10. WORAN MAN RELATIVE STÄRKE IM CHART ERKENNT
Relative Stärke lässt sich auch ohne Indikator erkennen.
Typische Zeichen sind:
Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch
Index noch deutlich unter seinem Hoch
Aktie oberhalb der 50-Tage-Linie
Markt unter oder nahe der 50-Tage-Linie
Aktie macht höhere Tiefs
Markt macht tiefere Tiefs
Aktie fällt im Pullback weniger stark
Aktie erholt sich schneller nach Marktschwäche
Aktie bricht vor dem Index auf neue Hochs aus
Rücksetzer werden schnell gekauft
Der IBD-Style RS Indikator macht diese Beobachtung zusätzlich sichtbar.
Er hilft mir, den subjektiven Eindruck aus dem Chart mit einer systematischeren Messung zu ergänzen.
Besonders stark ist eine Aktie, wenn sie während einer allgemeinen Marktkorrektur kaum nachgibt und der RS Indikator stabil bleibt oder sogar steigt.
Solche Aktien gehören auf die Watchlist.
Nicht zwingend sofort ins Depot.
Aber auf die Watchlist.
11. RELATIVE STÄRKE VOR DEM PULLBACK
Für Pullback-Trading ist nicht nur wichtig, ob eine Aktie irgendwann einmal stark war.
Wichtig ist, ob sie vor dem Pullback Stärke gezeigt hat.
Ein guter Ablauf sieht oft so aus:
Aktie befindet sich in Stage 2
Aktie zeigt einen positiven IBD-Style RS Score gegenüber dem DAX-Universum
Die RS-Linie liegt über 0
Die RS-Linie liegt idealerweise über ihrem gleitenden Durchschnitt
Aktie erreicht ein neues Hoch oder Mehrmonatshoch
Danach folgt ein kontrollierter Rücksetzer
Die Aktie fällt weniger stark als der Markt
Volumen nimmt im Pullback ab
Ein kleiner Pivot entsteht
Der Einstieg erfolgt erst bei neuer Stärke nach oben
Das ist ein völlig anderes Setup als eine Aktie, die monatelang schwach war und dann einfach nur gefallen ist.
Der Pullback ist nur dann interessant, wenn vorher Stärke vorhanden war.
Ohne relative Stärke fehlt oft der wichtigste Hinweis auf Leadership.
12. WIE MAN SCHWACHE AKTIEN AUSSORTIERT
Relative Stärke hilft nicht nur, gute Aktien zu finden.
Sie hilft auch, schlechte Kandidaten auszusortieren.
Eine Aktie ist für Pullback-Trading weniger interessant, wenn sie:
schwächer läuft als das DAX-Universum
einen negativen IBD-Style RS Wert zeigt
unter der 50-Tage-Linie handelt
unter der 200-Tage-Linie handelt
weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt ist
bei Marktschwäche stärker fällt als der Benchmark
bei Markterholungen kaum mitsteigt
immer wieder an der 50- oder 200-Tage-Linie scheitert
keine höheren Hochs bildet
keine höheren Tiefs hält
bei roten Tagen hohes Volumen zeigt
Solche Aktien können irgendwann drehen.
Aber sie sind meistens keine idealen Pullback-Kandidaten.
Der Unterschied ist wichtig:
Eine schwache Aktie kann irgendwann eine Turnaround-Chance werden.
Aber ein Pullback-Setup im Sinne dieser Serie sucht Stärke innerhalb eines bestehenden Aufwärtstrends.
13. STÄRKE WÄHREND MARKTSCHWÄCHE IST BESONDERS WERTVOLL
Die besten Leader erkennt man oft nicht in starken Marktphasen.
In einem starken Markt steigen viele Aktien.
Auch durchschnittliche Aktien können dann gut aussehen.
Der echte Test kommt, wenn der Markt schwächer wird.
Dann zeigt sich:
welche Aktien stark verkauft werden
welche Aktien nur leicht korrigieren
welche Aktien ihre 50-Tage-Linie halten
welche Aktien nahe am Hoch bleiben
welche Aktien schnell wieder Käufer finden
welche Aktien trotz Marktschwäche einen stabilen RS Score zeigen
Eine Aktie, die während einer Korrektur im DAX-Universum kaum fällt, verdient Aufmerksamkeit.
Wenn sie danach als eine der ersten Aktien wieder auf neue Hochs ausbricht, ist das ein starkes Signal.
Viele gute Pullback-Setups entstehen genau in solchen Situationen:
Der Markt korrigiert.
Die stärksten Aktien halten sich gut.
Dann dreht der Markt nach oben.
Die Leader starten zuerst.
Deshalb lohnt es sich, während schwacher Marktphasen eine Watchlist mit relativen Stärke-Kandidaten zu führen.
14. RELATIVE STÄRKE UND DER STAGE-2-FILTER
Relative Stärke allein reicht nicht.
Eine Aktie kann kurzfristig stärker sein als der Markt, sich aber trotzdem in einer unklaren Struktur befinden.
Deshalb kombiniere ich relative Stärke immer mit dem Stage-2-Filter aus Teil 2.
Ein gutes Setup braucht idealerweise beides:
Stage 2:
Die Aktie befindet sich in einem konstruktiven Aufwärtstrend.
Relative Stärke:
Die Aktie läuft besser als das DAX-Universum.
Wenn beides zusammenkommt, wird es interessant.
Noch besser ist es, wenn danach ein kontrollierter Pullback entsteht.
Die Reihenfolge lautet:
Stage-2-Aufwärtstrend
IBD-Style Relative Stärke
Kontrollierter Pullback
Klarer Pivot
Einstieg mit definiertem Risiko
Diese Reihenfolge schützt uns davor, schwache Aktien zu kaufen, nur weil sie billig aussehen.
15. EIN PRAKTISCHER VERGLEICH
Stellen wir uns zwei Aktien aus dem DAX-Universum vor.
Aktie A
Kurs liegt über der 50-Tage-Linie
Kurs liegt über der 200-Tage-Linie
Aktie ist nahe am 52-Wochen-Hoch
DAX-Universum korrigiert, Aktie fällt kaum
IBD-Style RS Linie liegt über 0
RS-Linie liegt über ihrem gleitenden Durchschnitt
Pullback ist eng und kontrolliert
Volumen nimmt im Rücksetzer ab
kleiner Pivot entsteht
Diese Aktie gehört auf die Watchlist.
Aktie B
Kurs liegt unter der 50-Tage-Linie
Kurs liegt unter der 200-Tage-Linie
Aktie ist weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt
DAX-Universum korrigiert leicht, Aktie fällt stark
IBD-Style RS Linie liegt unter 0
RS-Linie fällt
Erholungen scheitern schnell
hohes Verkaufsvolumen
kein klarer Pivot
Diese Aktie ist kein A-Setup.
Vielleicht wird sie irgendwann interessant.
Aber aktuell zeigt sie keine Leadership.
Für Pullback-Trading ist Aktie A deutlich interessanter.
Nicht weil sie billiger ist.
Sondern weil sie stärker ist.
16. DIE RELATIVE-STÄRKE-CHECKLISTE
Bevor ich einen Pullback-Trade im DAX-Universum plane, stelle ich mir folgende Fragen:
Läuft die Aktie stärker als das DAX-Universum?
Ist der IBD-Style RS Wert positiv?
Liegt die RS-Linie über 0?
Liegt die RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt?
Steigt der gleitende Durchschnitt der RS-Linie?
Ist die Aktie über 3 Monate stärker als der Markt?
Ist die Aktie auch über 6, 9 und 12 Monate stabil?
Liegt die Aktie näher am 52-Wochen-Hoch als der Gesamtmarkt?
Hält die Aktie die 50-Tage-Linie besser als der Markt?
Fällt die Aktie in schwachen Marktphasen weniger stark?
Erholt sich die Aktie schneller nach Rücksetzern?
Entsteht der Pullback nach vorheriger Stärke?
Gibt es einen klaren Pivot für einen möglichen Einstieg?
Ist der Stop logisch definierbar?
Passt das Chance-Risiko-Verhältnis?
Wenn mehrere dieser Punkte fehlen, ist Vorsicht angebracht.
Ein Pullback ohne relative Stärke ist selten ein A-Setup.
17. TYPISCHE FEHLER BEI DER RELATIVEN STÄRKE
Viele Trader interpretieren relative Stärke falsch.
Die häufigsten Fehler sind:
eine stark gefallene Aktie als „günstig“ betrachten
Erholung nach starkem Absturz mit echter Stärke verwechseln
nur auf den RSI schauen
die Aktie nicht mit dem Markt vergleichen
kurzfristige Stärke überbewerten
alte Gewinner kaufen, obwohl sie bereits gebrochen sind
Aktien kaufen, die deutlich unter der 200-Tage-Linie liegen
Pullbacks in schwachen Aktien handeln
relative Schwäche ignorieren, weil die Story gut klingt
einen positiven RS Wert direkt als Kaufsignal interpretieren
Der wichtigste Punkt ist:
Eine gute Story ersetzt keine relative Stärke.
Und relative Stärke ersetzt keinen Einstieg.
Erst wenn Trend, relative Stärke, Pullback, Pivot und Risiko zusammenpassen, entsteht ein handelbares Setup.
18. WAS RELATIVE STÄRKE NICHT BEDEUTET
Relative Stärke bedeutet nicht, dass eine Aktie risikolos ist.
Auch starke Aktien können fallen.
Auch Leader können Fehlsignale liefern.
Auch ein gutes Setup kann scheitern.
Relative Stärke ist kein Kaufsignal.
Sie ist ein Filter.
Sie sagt uns:
Diese Aktie ist stärker als viele andere.
Diese Aktie verdient Aufmerksamkeit.
Diese Aktie könnte bei einem konstruktiven Pullback interessant werden.
Der Einstieg erfolgt aber erst, wenn auch die restlichen Kriterien passen:
Stage-2-Struktur
kontrollierter Rücksetzer
abnehmendes Volumen
enger werdende Tagesranges
klarer Pivot
definierter Stop
sinnvolles Chance-Risiko-Verhältnis
Relative Stärke bringt die Aktie auf die Watchlist.
Der Pivot entscheidet über den Einstieg.
19. FAZIT
Relative Stärke ist einer der wichtigsten Filter im Pullback-Trading.
Sie hilft uns, echte Leader von durchschnittlichen Aktien zu unterscheiden.
Im DAX-Universum ist das besonders wichtig, weil viele bekannte Aktien zwar liquide und prominent sind, aber nicht immer die stärksten Charts zeigen.
Für hochwertige Pullback-Setups suchen wir keine Aktien, die einfach nur gefallen sind.
Wir suchen Aktien, die vorher stark waren, sich besser als der Markt halten und nach einem kontrollierten Rücksetzer wieder nach oben drehen.
Mein Indikator DAX Universe IBD-Style Relative Strength hilft dabei, diese relative Stärke sichtbar zu machen.
Ein gutes Setup zeigt idealerweise:
Stage-2-Aufwärtstrend
Kurs oberhalb wichtiger Durchschnitte
Nähe zum 52-Wochen-Hoch
positive IBD-Style Relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
RS-Linie über 0
RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt
kontrollierter Pullback
abnehmendes Volumen
klarer Pivot
definierter Stop
attraktives Chance-Risiko-Verhältnis
Der wichtigste Satz dieses Artikels lautet:
Relative Stärke bringt die Aktie auf die Watchlist.
Der Pullback liefert die Chance.
Der Pivot entscheidet über den Einstieg.
Im nächsten Teil geht es darum, warum das DAX-Universum anders funktioniert als viele US-Momentum-Aktien – und warum wir Pullback-Setups bei deutschen Aktien an Liquidität, Sektorrotation, Gaps und Nachrichtenrisiken anpassen müssen.
HILFREICHES TOOL AUF TRADINGVIEW
Für die praktische Analyse relativer Stärke nutze ich meinen eigenen TradingView-Indikator:
DAX Universe RS & Volume Quality
Der Indikator nutzt eine IBD-inspirierte Gewichtung aus 3-, 6-, 9- und 12-Monats-Performance und vergleicht die Aktie mit einem gleichgewichteten Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.
TradingView-Link:
Wichtig:
Der Indikator ist kein Kaufsignal, sondern ein Filter. Er hilft dabei, potenzielle Leader zu erkennen. Der Einstieg erfolgt erst später über Pullback, Pivot und definiertes Risiko.
DISCLAIMER
Diese Analyse dient ausschließlich der Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Trader ist für seine eigenen Entscheidungen, sein Risiko-Management und seine Positionsgröße selbst verantwortlich.
Frag nicht, wohin der Preis geht – frag, wer gerade gefangen istEine der häufigsten Fehleinschätzungen von Tradern ist der Glaube, der Markt müsse „unrecht haben“, damit man verliert. Doch in der Realität muss der Markt nicht unrecht haben. Er muss dich nur zum falschen Zeitpunkt in den Trade locken.
Viele Trader lassen sich von Setups mitreißen, die perfekt aussehen: ein klarer Breakout, starke Kerzen, gutes Momentum, eine saubere Marktstruktur – es fühlt sich an, als würde der Markt gleich explodieren. Genau in diesem Moment setzt die FOMO (Fear of Missing Out) ein. Trader haben Angst, die Gelegenheit zu verpassen, Angst, dass der Preis ohne sie davonläuft, und Angst, an der Seitenlinie zu stehen, während andere Gewinne machen. Also steigen sie ein.
Doch was passiert meistens danach? Der Markt holt zuerst den Stop-Loss ab und läuft dann erst in die richtige Richtung. Oder noch schlimmer: Der Preis dreht sofort um, nachdem der Trader die Position eröffnet hat. Wenn das zum ersten Mal passiert, denken viele an Pech. Aber wenn es sich immer wieder wiederholt, ist es kein Zufall mehr – es ist ein Problem der Marktanalyse.
Man muss verstehen, dass die „zu offensichtlichen“ Einstiegspunkte oft genau die Bereiche sind, die alle anderen Trader auch im Blick haben. Wenn die Masse gemeinsam bei einem Breakout kauft oder bei einem Breakdown verkauft, nutzt der Markt genau diesen Konsens, um Liquidität zu generieren. Die Stop-Losses der Trader, die zu spät einsteigen, werden zu einer attraktiven Liquiditätszone. Der Preis fegt oft erst durch diese Zone (Liquidity Sweep), bevor die eigentliche Bewegung startet.
Deshalb sollten Trader aufhören, nur zu fragen: „Wohin geht der Preis?“ Man muss lernen, tiefgründiger zu fragen:
„Wer sitzt in dieser Zone gerade in der Falle?“
„Wo liegt die Liquidität?“
„Wie reagiert die Masse?“
„Steige ich ein, weil das Setup wirklich gut ist, oder nur aus Angst, etwas zu verpassen?“
Der Unterschied liegt im Mindset. Emotionale Trader jagen den oberflächlichen Signalen hinterher: starke Kerzen, schöne Breakouts, klares Momentum. Erfahrene Trader hingegen beobachten den Kontext dahinter: Liquiditätszonen, die Stop-Loss-Punkte der Masse, die Preisreaktion nach einem Liquidity Sweep und die echte Bestätigung der Marktstruktur.
Das bedeutet nicht, dass jeder Breakout eine Falle ist. Aber ein Breakout ist umso zuverlässiger, wenn er eine klare Bestätigung liefert, einen vernünftigen Retest hat, ein definiertes Risikomanagement bietet und nicht aus FOMO entsteht. Wenn du nur aus „Angst vor einer verpassten Chance“ handelst, tradest du höchstwahrscheinlich emotional und nicht nach System.
Fazit:
Trading bedeutet nicht nur, die nächste Richtung des Preises vorherzusagen. Es geht darum zu verstehen, wer in der Falle sitzt, wo die Liquidität liegt und aus welchem Grund man selbst reagiert. Wenn du aufhörst, perfekten Setups hinterherzurennen, und anfängst, den Markt durch die Brille der Liquidität zu lesen, wirst du seltener in die Falle tappen, gelassener bleiben und deine Trades selektiver auswählen.
Trading-Einstieg: Erst überleben, dann gewinnenWer neu mit dem Trading beginnt, sollte sich nicht primär darauf konzentrieren, eine Strategie für schnelle Gewinne zu finden. Viel wichtiger ist es, das richtige Fundament zu bauen, um langfristig am Markt bestehen zu können. Trading bedeutet nicht bloß, Charts zu lesen, Kauf- oder Verkaufsaufträge zu platzieren oder nach dem perfekten Einstieg zu suchen; es ist ein Prozess des mentalen Trainings, der Disziplin und des Risikomanagements.
Einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für Trader ist die Trading-Psychologie. Viele Menschen erleiden Verluste nicht etwa, weil sie überhaupt nicht analysieren können, sondern weil sie ihre Emotionen bei Marktschwankungen nicht kontrollieren können. Sie steigen zu früh ein, steigen zu spät aus, verschieben ihren Stop-Loss, nehmen Gewinne zu früh mit oder versuchen krampfhaft, Verluste nach einem Fehltrade direkt wieder auszugleichen. Wenn die Psychologie außer Kontrolle gerät, wird selbst der beste Plan hinfällig.
Deshalb müssen Anfänger verstehen, dass Risikomanagement die oberste Priorität hat. Der Markt garantiert niemals Gewinne, aber Sie können Ihren maximalen Verlust immer selbst kontrollieren. Stop-Loss, Positionsgröße und das Risk-Reward-Verhältnis müssen vor dem Einstieg feststehen. Ein professioneller Trader versucht nicht, jeden Verlust zu vermeiden. Er weiß vielmehr, wann er Verluste rechtzeitig begrenzen und Gewinnen genügend Raum zur Entfaltung geben muss, wenn der Markt in die richtige Richtung läuft.
Auch das Demo-Konto ist in der Anfangsphase ein extrem wichtiger Schritt. Es hilft Tradern, sich mit der Handelsplattform vertraut zu machen, das Order-Management zu verstehen, Strategien zu testen und Geduld zu trainieren – und das ganz ohne den Druck von echtem Geld. Diesen Schritt sollte man keineswegs unterschätzen; er ist eine notwendige Phase, um die richtigen Gewohnheiten aufzubauen, bevor man den realen Markt betritt.
Schließlich dreht sich effektives Trading immer um drei Kernsäulen: Geduld, Disziplin und Plan. Geduld, um auf die richtige Gelegenheit zu warten. Disziplin, um die Regeln einzuhalten. Und ein Plan, um zu wissen, was bei jedem Marktszenario zu tun ist.
Fazit:
Trading beginnt nicht mit dem Wunsch nach schnellem Geld, sondern mit der Fähigkeit, Kapital zu schützen, Emotionen zu kontrollieren und systematisch zu handeln. Erst wenn Sie lernen, das Risiko zuerst zu managen, haben Gewinne die Chance, sich nachhaltig einzustellen.
Richtiges Setup, falsche Größe!Ein Trade kann die richtige Richtung, den richtigen Einstieg und die richtige Struktur haben, aber dennoch gefährlich werden, wenn die Positionsgröße zu groß ist.
Dies ist eine der am häufigsten missverstandenen Lektionen im Trading. Viele Händler glauben, dass das Setup der wichtigste Teil des Handels ist. Sie konzentrieren sich auf die Einstiegszone, die Bestätigungskerze, das Stop-Loss-Level und das potenzielle Ziel.
Diese Dinge sind wichtig, aber sie allein schützen das Konto nicht. Der wirkliche Schutz besteht darin, zu wissen, wie viel Sie bereit sind zu verlieren, wenn die Idee falsch ist.
Ein gutes Setup bedeutet kein garantiertes Ergebnis. Selbst die sauberste Preisaktion kann scheitern. Die Unterstützung kann durchbrochen werden, der Widerstand kann bestehen bleiben, Nachrichten können die Dynamik ändern und die Liquidität kann sich schnell verschieben.
Aus diesem Grund ist die Positionsgrößenbestimmung nicht optional. Es ist der Teil des Plans, der verhindert, dass ein verlorener Trade zu einem ernsthaften Kontoproblem wird.
Wenn ein Händler zu viel riskiert, wird der Handel emotional belastend. Ein kleiner Rückzug fühlt sich beängstigend an. Ein normaler Stop-Loss fühlt sich schmerzhaft an. Der Händler schließt möglicherweise zu früh, verschiebt den Stop, zögert beim nächsten Setup oder revanchiert sich nach dem Verlust. In diesem Moment liegt das Problem nicht mehr in der Marktanalyse. Das Problem ist der Risikodruck.
Professionelle Trader verstehen, dass das Ziel nicht darin besteht, einen einzigen Trade groß zu machen. Das Ziel besteht darin, genügend Trades zu überleben, damit der Vorteil ausgespielt werden kann. Ein normaler Verlust sollte sich akzeptabel anfühlen, bevor der Handel eröffnet wird. Fühlt sich der Verlust zu groß an, ist die Losgröße falsch – auch wenn das Setup perfekt aussieht.
Bevor Sie einen Handel eingehen, sollte die Frage nicht nur lauten: „Ist das ein gutes Setup?“ Die bessere Frage lautet: „Wenn dieser Trade den Stop-Loss erreicht, kann ich den Verlust akzeptieren und trotzdem meinem Plan folgen?“ Wenn die Antwort „Nein“ lautet, reduzieren Sie die Größe.
Denn beim Trading reicht es nicht aus, Recht zu haben. Sie müssen auch die richtige Größe haben.
Es gibt keine Garantie für die Einrichtung. Definieren Sie immer das Risiko vor dem Einstieg, berechnen Sie die Positionsgröße richtig und lassen Sie niemals zu, dass ein einzelner Trade Ihre Entscheidungsfindung beeinträchtigt.
„Ein gutes Setup gibt dir Chancen.“
„Die richtige Positionsgröße hält Sie im Spiel.“
LOCK IN: Der Sommer, der dein Trading neu aufbautDie Sommermonate können für Trader eine gefährliche Phase sein.
Nicht, weil der Markt plötzlich unmöglich wird. Der eigentliche Grund ist, dass viele Trader in dieser Zeit ihre Struktur verlieren. Sie eröffnen Trades aus Langeweile. Sie jagen Bewegungen hinterher. Sie springen von einem Setup zum nächsten. Sie sagen sich selbst: „Ich bleibe aktiv“, aber in Wirklichkeit schwächen sie langsam ihre Disziplin.
Dein Ziel in diesem Sommer sollte nicht sein, mehr Trades zu eröffnen.
Dein Ziel sollte sein, den Trader hinter den Trades neu aufzubauen.
Die meisten Trader scheitern nicht, weil sie kein gutes Setup finden. Das eigentliche Scheitern entsteht, weil sie einem Setup nicht lange genug treu bleiben können, damit die Daten sprechen. Nach ein paar Verlusten wechseln sie die Strategie. Wenn sie frustriert sind, erhöhen sie das Risiko. Sie schließen Gewinne zu früh, halten Verluste zu lange und fragen sich dann, warum das Konto nicht wächst.
Vielleicht ist dieser Sommer genau die Zeit, aufzuhören, nach dem perfekten Indikator zu suchen, und stattdessen das aufzubauen, was wirklich zählt: Konstanz.
Ein wirklich fokussierter Trader braucht keine zehn verschiedenen Strategien. Ein einziges sauberes Setup, mit Geduld und richtigem Risikomanagement umgesetzt, kann bereits genug sein, um Fortschritt zu schaffen. Das Problem ist, dass die meisten Menschen einer Methode nicht genug Zeit geben. Sie testen ein System drei Tage lang, verlieren zwei Trades und suchen sofort nach dem nächsten System.
Das ist kein Trading. Das ist emotionales Einkaufen.
Wenn du dich diesen Sommer wirklich verbessern willst, vereinfache alles.
Wähle ein Haupt-Setup. Definiere klar, was passieren muss, bevor du in einen Trade einsteigst. Wisse, wo deine Trade-Idee ungültig wird. Wisse, wo dein Ziel liegt. Bestimme dein Risiko, bevor du in den Trade gehst, nicht erst dann, wenn du schon emotional bist. Danach nimm nur die Trades, die zu deinem Plan passen.
Keine zufälligen Einstiege.
Keine Rache-Trades.
Keine Positionen nach dem Motto: „Ich fühle einfach, dass es so läuft.“
Jeder Trade sollte einen Grund haben, der so klar ist, dass du ihn einem anderen Trader in einer Minute erklären könntest.
Das Zweite, was du brauchst, ist ein Trading-Journal. Es muss nicht kompliziert sein. Es muss nicht schön aussehen. Schreib einfach auf, warum du eingestiegen bist, wo du eingestiegen bist, wo dein Stop Loss lag, wo dein Ziel lag und vor allem, wie du dich während des Trades verhalten hast.
Denn das Ergebnis eines einzelnen Trades erzählt nicht die ganze Geschichte.
Wenn du deine Regeln gebrochen hast, kann sogar ein Gewinn-Trade ein schlechter Trade sein. Wenn du deinem Plan perfekt gefolgt bist, kann sogar ein Verlust-Trade ein guter Trade sein. Das ist eine der wichtigsten mentalen Veränderungen, die ein Trader machen kann.
Bewerte dich nicht nur nach Gewinn und Verlust.
Bewerte dich nach der Qualität deiner Ausführung.
Wenn du lange genug sauber ausführst, werden die Ergebnisse viel leichter zu verstehen. Wenn du zufällig tradest, kann dir sogar eine profitable Woche die falsche Lektion beibringen.
Deine Aufgabe in diesem Sommer ist es, Beweise zu sammeln.
Beweise über dein Setup. Beweise über deine Disziplin. Beweise darüber, welche Marktbedingungen am besten zu dir passen. Beweise darüber, in welchen Momenten du emotionale Fehler machst. Du versuchst nicht nur, Geld zu verdienen. Du versuchst, dich selbst als Trader zu verstehen.
So wird echtes Selbstvertrauen aufgebaut.
Nicht durch Hype. Nicht durch Motivationsvideos. Nicht durch einen einzigen glücklichen Trade.
Selbstvertrauen entsteht, wenn du siehst, dass du denselben Prozess immer wieder umsetzt, selbst wenn der Markt deine Geduld testet.
Die Wahrheit ist: Trading belohnt nicht die Person, die einen Tag lang begeistert ist. Trading belohnt die Person, die fokussiert bleiben kann, wenn nichts passiert. Es belohnt die Person, die warten kann. Es belohnt die Person, die einen Verlust akzeptieren kann, ohne ihn in eine Katastrophe zu verwandeln.
Sich zu fokussieren bedeutet nicht, den ganzen Tag auf Charts zu starren.
Es bedeutet, selektiver zu werden.
Es bedeutet, deine Energie zu schützen.
Es bedeutet, Nein zu Trades zu sagen, die nicht zu deinem Plan passen.
Es bedeutet zu akzeptieren, dass es besser ist, eine Bewegung zu verpassen, als sich in eine schlechte Position zu zwingen.
Dieser Sommer könnte die Phase sein, in der dein Trading sauberer wird. Nicht, weil du ein magisches Setup gefunden hast, sondern weil du aufgehört hast, das Setup zu sabotieren, das du bereits hattest.
Hier ist die Herausforderung:
Trade in den nächsten Wochen nach klaren Regeln. Kontrolliere dein Risiko. Schreib alles in dein Journal. Überprüfe deine Fehler, ohne dich selbst zu belügen. Mach weniger, aber mach es besser.
Du musst diesen Sommer kein perfekter Trader werden.
Es reicht, wenn du ein ehrlicherer Trader wirst.
Denn sobald du aufhörst, aus Emotionen zu traden, und anfängst, mit klarer Struktur zu handeln, verändert sich alles.
Fokussiere dich.
Baue deinen Prozess neu auf.
Lass diesen Sommer die Phase sein, in der dein Trading wirklich beginnt, professioneller zu werden.
Dies ist keine Finanzberatung. Verwalte dein Risiko immer selbst.
Sie nennen dich realitätsfern, aber was, wenn es funktioniert?Bleib einen Moment bei diesem Gedanken. Nicht bei der Fantasieversion, sondern bei der echten. Was, wenn diese Sache, an der du still arbeitest, diese Sache, die du dich kaum traust laut auszusprechen, tatsächlich aufgeht? Niemand schuldet dir das. Aber vielleicht passiert es, weil du immer wieder aufgetaucht bist, drangeblieben bist und wirklich gut geworden bist.
Das ist kein Tagtraum. Das ist ein Plan, den du noch nicht zu Ende gebracht hast.
🧪 Du hast den ersten Test bereits bestanden
Die meisten Menschen, die anfangen, kommen nie über die ersten Schritte hinaus. Sie geben in den ersten Wochen auf, wenn alles verwirrend, undankbar und noch ohne Beweis ist, dass sich all die Mühe irgendwann auszahlen wird. Wenn du noch hier bist, noch lernst, noch vor den Charts sitzt, noch fragst, wie du besser werden kannst, dann hast du bereits das getan, was die meisten Menschen nicht geschafft haben. Du bist geblieben, als es langweilig und entmutigend war. Das ist nicht nichts. Das ist sogar der seltenste Teil.
Erkenne dir das also an. Und dann mach weiter.
🧪 Du musst nicht die ganze Treppe sehen
Das sagt dir am Anfang niemand: Du musst noch nicht wissen, wie alles ausgehen wird. Niemand weiß das. Die Menschen, die du bewunderst, hatten auch keine vollständige Karte. Sie hatten den ersten Schritt, dann gingen sie den nächsten, und der Weg zeigte sich erst, während sie ihn gingen.
Du brauchst keine absolute Sicherheit, um anzufangen. Du brauchst eine Richtung und die Bereitschaft, dich zu bewegen. Das „Wie“ entsteht unterwegs, durch Wiederholungen, Fehler und Aufmerksamkeit. Darauf zu warten, dass du dich bereit fühlst, ist nur eine langsamere Art, niemals anzufangen.
🧪 Disziplin ist die Superkraft
Hier kommt der wirklich wahre Teil, der Teil, den man sich fast in den Kopf eingravieren sollte: Sobald du eine Methode hast, die tatsächlich funktioniert, wirst du selbst zum entscheidenden Faktor. Dasselbe System, zwei verschiedene Menschen. Einer ruhig und konsequent, der andere ängstlich, ständig improvisierend, und die Ergebnisse trennen sich komplett.
Der Vorteil in diesem Spiel liegt nicht in irgendeinem geheimen Indikator. Er liegt in deiner Fähigkeit, deinem eigenen Plan zu folgen, wenn es unangenehm wird. Einen Verlust zu akzeptieren, ohne Rachetrades zu machen. Den Trade auszulassen, der nicht zu deinem Setup passt. An einem Gewinntag dieselbe Person zu bleiben wie an einem Verlusttag. Das ist keine Schwäche und kein weiches Selbstentwicklungs-Klischee. Das ist die ganze Fähigkeit. Beherrsche dich selbst, und du beherrschst die einzige Variable, die du wirklich kontrollieren kannst.
🧪 Bleib ehrlich, nicht illusionär
Du wirst Leute hören, die dir sagen, du müsstest nur daran glauben, und der Glaube allein würde die Ergebnisse bringen. Sei vorsichtig damit. Nicht der Glaube macht eine Methode effektiv; Tests machen sie solide, und Disziplin macht sie profitabel.
Die Denkweise, die wirklich gewinnt, ist härter und verlässlicher als blinder Glaube. Sie klingt so: Ich werde weiterarbeiten, weiter messen und ehrlich zu mir selbst bleiben, was die Beweise zeigen. Diese Art von Glauben kann dir eine schlechte Woche nicht nehmen. Sie entsteht daraus, dass du die Wiederholungen machst und die Ergebnisse beobachtest. Vertrauen, das so verdient wurde, ist unerschütterlich. Vertrauen, das aus Motivationsvideos geliehen wurde, verdampft, sobald die Realität Widerstand leistet.
Glaube also an deine Fähigkeit zu lernen. Glaube an deine Bereitschaft, die Arbeit zu machen. Aber halte dabei die Augen offen.
🧪 Der Schmerz gehört zum Prozess
Du wirst Verluste erleben. Du wirst Phasen haben, in denen es sich anfühlt, als würdest du rückwärtsgehen. Das ist kein Zeichen dafür, dass du scheiterst; das ist die echte Struktur von Fortschritt in etwas Schwierigem. Jeder, der es geschafft hat, ist durch genau dieses Tal gegangen. Der Unterschied zwischen ihnen und denen, die aufgegeben haben, war nicht Talent. Es war, dass sie immer wieder aufgestanden sind, ihre Methode weiter verfeinert haben und eine schwere Phase nicht mit einem endgültigen Urteil verwechselt haben.
Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass der Durchbruch nur hundert Wiederholungen entfernt ist? Du würdest nicht bei neunzig aufhören. Behandle also jeden Verlust wie Lehrgeld, lerne die Lektion, für die du gerade bezahlt hast, und mach den nächsten Schritt.
🧪 Mach es aus den richtigen Gründen
Du musst niemandem etwas beweisen. Du schuldest den Zweiflern keine Rede, und du brauchst keinen Applaus, um weiterzugehen. Lass die Arbeit still bleiben, wenn du willst, dass sie still bleibt. Aber bleib offen für Menschen, die dir die Wahrheit sagen: einen guten Mentor, einen ehrlichen Freund, die Daten in deinem eigenen Journal. Entschlossenheit und Offenheit sind keine Gegensätze. Die stärksten Menschen sind unerbittlich, aber sie können auch zuhören, wenn sich etwas ändern muss.
🧪 Und was, wenn es funktioniert?
Wach auf und stell dir diese Frage, als würdest du sie wirklich meinen. Dann geh und mach die Wiederholung, die diese Möglichkeit ein kleines Stück realer macht als gestern.
Es gibt Menschen, die nicht talentierter waren als du und es einfach geschafft haben, weil sie sich geweigert haben aufzuhören und ehrlich genug geblieben sind, um sich weiter zu verbessern. Du kannst einer von ihnen sein. Nicht nur durch Hoffnung. Sondern indem du heute die Arbeit machst, und morgen wieder.
Du hast das Feuer in dir. Richte es auf die Arbeit. Los.
Der Trend verrät dich nicht – nur dein Einstieg Im Trading gibt es einen bekannten Satz: „Trend is your friend.“
Doch in der Praxis ist der Trend nur dann dein Freund, wenn du weißt, wie du ihm folgst. Wer aus FOMO handelt, zu spät einsteigt oder zu früh eine Trendwende erwartet, kämpft oft gegen den Markt – und zahlt dafür.
Ein Trend bedeutet nicht einfach, dass der Preis steigt oder fällt. Entscheidend ist die Marktstruktur.
In einem Aufwärtstrend entstehen höhere Hochs und höhere Tiefs. Das zeigt, dass Käufer nach jeder Korrektur auf einem höheren Preisniveau wieder einsteigen. Die Nachfrage bleibt stark.
In einem Abwärtstrend entstehen tiefere Hochs und tiefere Tiefs. Jede Erholung wird früher verkauft als die vorherige – ein klares Zeichen dafür, dass die Verkäufer die Kontrolle behalten.
Viele Trader machen denselben Fehler: Sie stellen sich zu früh gegen den Trend. Steigt der Markt stark, erwarten sie sofort eine Umkehr. Fällt er kräftig, glauben sie, tiefer könne es nicht mehr gehen. Doch der Markt dreht nicht, nur weil er bereits weit gelaufen ist.
Ein starker Trend kann deutlich länger anhalten, als viele Trader erwarten.
Dem Trend zu folgen bedeutet auch nicht, jeder großen Kerze hinterherzulaufen. Oft ist es sinnvoller, auf eine Korrektur zu warten und erst dann nach einer guten Gelegenheit zu suchen.
In einem Aufwärtstrend ist es häufig besser, auf einen Pullback zu einer Unterstützungszone, einer Trendlinie oder einem früheren Ausbruchsniveau zu warten. Hält der Preis dort und zeigt ein klares Kaufsignal, entsteht oft ein Einstieg mit einem besseren Chancen-Risiko-Verhältnis.
Dasselbe gilt für einen Abwärtstrend. Statt einem bereits stark gefallenen Markt hinterherzuverkaufen, lohnt es sich, auf eine Erholung bis zu einer Widerstandszone oder einer zuvor gebrochenen Unterstützung zu warten. Wird der Preis dort erneut abgewiesen, kann sich der Abwärtstrend fortsetzen.
Der wichtigste Punkt ist: Mit dem Trend zu handeln bedeutet nicht, jederzeit in Trendrichtung einzusteigen.
Es bedeutet, sich auf die Seite der dominierenden Marktteilnehmer zu stellen – und geduldig auf einen hochwertigen Einstieg zu warten.
Ein erfahrener Trader stellt sich deshalb immer diese Fragen:
Befindet sich der Markt in einem Aufwärts-, Abwärts- oder Seitwärtstrend?
Ist die aktuelle Marktstruktur noch intakt?
Zu welcher wichtigen Zone korrigiert der Preis gerade?
Gibt es bereits eine Bestätigung für den Einstieg?
Wo ist das Szenario ungültig, falls der Markt doch anders läuft?
Wer diese Fragen beantworten kann, handelt deutlich seltener aus Emotionen.
Der Trend ist ein starker Begleiter – aber kein Retter. Wer zu spät einsteigt, den Stop-Loss unlogisch setzt oder trotz einer gebrochenen Marktstruktur stur an einer Position festhält, wird auch vom stärksten Trend nicht gerettet.
Wird die Fed am Status quo festhalten?Die US-Notenbank (Fed), die inzwischen von Kevin Warsh geleitet wird, hat kürzlich eine geldpolitische Entscheidung bekannt gegeben und ihre makroökonomischen Projektionen aktualisiert. Die Fed bekräftigte ihr Inflationsziel von 2 %, ohne jedoch ausdrücklich eine bevorstehende Zinserhöhung anzukündigen.
Die Fed unter Kevin Warsh wollte die Märkte von ihrer Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation überzeugen, ohne dem Beispiel der Europäischen Zentralbank (EZB) zu folgen, die im Juni die Zinsen angehoben hatte.
Die institutionelle Finanzwelt ist inzwischen stark gespalten, was die geldpolitischen Aussichten der Fed betrifft. Zudem bestätigte die Fed, dass sie ihre technische quantitative Lockerung (QE) fortsetzt, also kurzfristige Maßnahmen zur Sicherstellung ausreichender Bankreserven.
Kevin Warsh nannte mehrere Faktoren, die in den kommenden Wochen entscheidend dafür sein werden, ob eine Anhebung des Federal Funds Rate erforderlich wird. Besonders der Ölpreis und die Entwicklung der US-Kerninflation gemäß dem Core-PCE-Index werden im Sommer eine wichtige Rolle für die geldpolitische Entscheidung der Fed auf ihrer Sitzung im September spielen.
Wie kann man sich also eine fundierte Meinung darüber bilden, was die Fed nach dem Sommer tun könnte? Ich schlage vor, die folgenden vier Indikatoren genau zu beobachten:
• Preis für US-Rohöl (WTI)
• US-Inflationsrate gemessen am Core PCE (die in diesem Jahr 3,3 % nicht überschreiten sollte)
• Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihe
• Markterwartungen gemäß den an der Chicago Mercantile Exchange gehandelten Federal-Funds-Futures (CME FedWatch Tool)
Das nachstehende Histogramm zeigt die jährliche US-Inflationsrate auf Basis des Core-PCE-Preisindex. Der Core PCE ist das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, und Kevin Warsh hat kürzlich das Ziel formuliert, den Wert im Jahr 2026 unter 3,3 % zu halten.
Die folgende Grafik stammt von TradingView und enthält zusätzlich die Daten des CME FedWatch Tools, das die Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Geldpolitik und der Federal Funds Rate widerspiegelt.
Die folgende Grafik zeigt die wöchentlichen japanischen Kerzen des US-Rohölpreises (WTI). Unterhalb von 80 US-Dollar hat ein technischer Normalisierungsprozess begonnen. Für eine echte Rückkehr zur Situation vor dem 28. Februar – dem Beginn der Angriffe auf den Iran – müsste jedoch die Aufwärtskurslücke vom Montag, dem 2. März, zwischen 67 und 69 US-Dollar geschlossen werden.
Die folgende Grafik zeigt die täglichen japanischen Kerzen der Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen. Solange diese über dem Leitzins der Fed liegt, geht der Markt davon aus, dass eine Zinserhöhung durch die Fed gerechtfertigt wäre.
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